Sir Winston Leonard Spencer-Churchill, geboren am 30. November 1874 in Blenheim Palace in Oxfordshire, dem Schloss seines Großvaters, des 7. Duke of Marlborough, ist die überragende Figur der britischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Seine Eltern waren Lord Randolph Churchill, ein führender Politiker der Konservativen Partei, und Jennie Jerome, die Tochter eines amerikanischen Millionärs. Der Vater gehörte zu den Mitbegründern der modernen Konservativen Partei, bekleidete verschiedene Ministerämter und galt zeitweilig als aussichtsreicher Anwärter auf das Premierministeramt, starb jedoch früh und hinterließ einen Sohn, der sich seinen Weg selbst erkämpfen musste. Als Sohn eines jüngeren Sohnes des Herzogs erbte Churchill keinen Adelstitel; er galt als untitulierter Adeliger. Erst 1953 wurde er als Knight Companion in den Hosenbandorden aufgenommen und trug fortan den Titel Sir Winston Churchill.
Nach Schuljahren in Harrow, die er nach eigener Aussage nicht als besonders erfolgreich empfand, absolvierte Churchill die Militärakademie Sandhurst und wurde Offizier. Als Soldat und Kriegsberichterstatter sammelte er in verschiedenen Krisenherden Erfahrungen: Er kämpfte und berichtete aus Kuba, Indien, dem Sudan und schließlich aus dem südafrikanischen Burenkrieg, wo er 1899 als Kriegsgefangener gefangen genommen wurde und spektakulär entkam. Diese Abenteuer machten ihn in Großbritannien bekannt und bildeten das Fundament für eine publizistische Karriere, die ihn neben seiner politischen Tätigkeit bis zu seinem Lebensende begleiten sollte.
Im Jahr 1901 zog Churchill erstmals als Abgeordneter ins Unterhaus ein, dem er über sechzig Jahre lang angehören sollte. Er begann als Konservativer, wechselte aber 1904 zu den Liberalen, was ihm in den eigenen Reihen den Ruf des Verräters eintrug. Unter den liberalen Regierungen von Campbell-Bannerman und Asquith übernahm er aufeinanderfolgende Kabinettsposten: Er war unter anderem Handelsminister, Innenminister und ab 1911 Erster Lord der Admiralität. In dieser Position trieb er mit Nachdruck die Modernisierung der Royal Navy voran und rüstete sie auf Ölantrieb um, eine Entscheidung von strategischer Tragweite für den bevorstehenden Großen Krieg.
Der Erste Weltkrieg brachte Churchill die schwerste Niederlage seiner frühen Karriere. Der Gallipoli-Feldzug von 1915, die Seekampagne und Landungsoperation im Dardanellengebiet mit dem Ziel, das Osmanische Reich aus dem Krieg zu drängen, scheiterte katastrophal. Churchill, als treibende Kraft hinter dem Plan, trug die Hauptverantwortung in der öffentlichen Wahrnehmung und musste zurücktreten. Er meldete sich freiwillig zur Front in Flandern. Doch David Lloyd George holte ihn bereits 1917 als Rüstungsminister zurück in die Regierung. Im Jahr 1924 wechselte Churchill erneut zu den Konservativen und wurde von 1924 bis 1929 Schatzkanzler unter Premierminister Stanley Baldwin.
In den 1930er Jahren, als seine politische Karriere zu erlöschen schien, war Churchill einer der wenigen Stimmen im britischen Parlament, die unablässig und laut vor der Bedrohung durch das nationalsozialistische Deutschland warnten. Während die Regierung Chamberlain eine Politik der Beschwichtigung gegenüber Hitler verfolgte und das Münchner Abkommen von 1938 als Frieden pries, bezeichnete Churchill es als Schande und Niederlage. Er fand kaum Gehör, galt vielen als Kriegstreiber und Alarmist. Die Geschichte sollte ihm recht geben.
Am 10. Mai 1940, dem Tag, an dem deutsche Truppen Frankreich und die Benelux-Länder überfielen, wurde Churchill, inzwischen wieder Erster Lord der Admiralität, zum Premierminister ernannt, nachdem Chamberlain angesichts des glücklosen alliierten Kriegsverlaufs zurückgetreten war. In diesem Amt entfaltete Churchill eine rhetorische und moralische Führungsstärke, die zur Legende wurde. Seine Reden im Unterhaus und im Rundfunk, darunter die unvergesslichen Sätze über das Blut, Mühe, Tränen und Schweiß sowie die Versicherung, niemals aufzugeben, stählten den britischen Widerstandswillen in der dunkelsten Stunde der Nation. Er verweigerte jeden Verhandlungsfrieden mit Hitler, obwohl Teile seines eigenen Kriegskabinetts im Sommer 1940 für Sondierungen plädierten.
Außenpolitisch war Churchills wichtigste Leistung das Zustandekommen der Anti-Hitler-Koalition. Er pflegte eine enge persönliche Allianz mit dem amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, deren Ergebnis unter anderem das Leih- und Pachtgesetz war, das Großbritannien mit Kriegsmaterial versorgte, lange bevor die USA offiziell in den Krieg eintraten. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 begrüßte Churchill auch Stalin als Verbündeten, auch wenn er dem Kommunismus zutiefst abgeneigt war. Die Atlantikcharta von 1941, die gemeinsam mit Roosevelt verfasst wurde, legte die Grundsätze für eine Nachkriegsordnung fest. Die Konferenzen in Teheran 1943 und Jalta 1945 zeigten Churchill als gleichberechtigten Akteur neben Roosevelt und Stalin.
Der Sieg im Zweiten Weltkrieg im Mai 1945 war Churchills größter Triumph. Doch bei den Unterhauswahlen im Juli 1945 erlitt er eine vernichtende Niederlage; die Briten wählten die Labour-Partei. Churchill übernahm die Führung der Opposition. 1946 hielt er in Fulton, Missouri, die berühmte Rede, in der er das Bild des Eisernen Vorhangs prägte, der sich über Europa gelegt habe. Er warnte früh vor der sowjetischen Expansionspolitik und plädierte zugleich für eine europäische Einigung. Im Jahr 1953 erhielt er den Nobelpreis für Literatur für seine historischen und politischen Schriften, darunter die sechsbändige Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Nach seinem erneuten Wahlsieg 1951 war er ein zweites Mal Premierminister von 1951 bis zu seinem Rücktritt 1955. Er vertrat seinen Wahlkreis Woodford bis 1964 im Unterhaus. Am 24. Januar 1965 starb Winston Churchill in London. Er wurde neunzig Jahre alt.
