Charles Robert Darwin wurde am 12. Februar 1809 auf dem Anwesen Mount House in Shrewsbury geboren, als fünftes von sechs Kindern des Arztes Robert Darwin und seiner Frau Susannah, geborene Wedgwood. Seine Großväter väterlicherseits und mütterlicherseits waren zwei der bemerkenswertesten Männer ihrer Zeit im englischen Bürgertum: Erasmus Darwin, Naturforscher und Dichter, sowie Josiah Wedgwood, der berühmte Keramikfabrikant. Mit diesem familiären Hintergrund wuchs Darwin in einer Umgebung auf, die intellektuelle Neugier und wissenschaftliche Beobachtung zutiefst schätzte.
Das frühe Leben des jungen Charles war geprägt von Verlust: Am 15. Juli 1817, als er gerade acht Jahre alt war, starb seine Mutter. Die Betreuung übernahmen fortan seine drei älteren Schwestern Marianne, Caroline und Susan. Seit dem Frühjahr 1817 besuchte er die Tagesschule der Unitarier-Gemeinde. Bereits als Kind sammelte Darwin Muscheln, Siegel, Münzen und Mineralien und durchstreifte unermüdlich die Natur, um das Verhalten von Vögeln zu beobachten. Diese Streifzüge schärften eine Beobachtungsgabe, die ihn sein Leben lang begleiten sollte.
Im Juni 1818 wechselte er an die von Samuel Butler geleitete private Internatsschule von Shrewsbury, wo er sieben Jahre verbrachte. Den konventionellen, auf alte Sprachen und Literatur ausgerichteten Unterricht konnte Darwin nur wenig abgewinnen. Dafür bereiteten ihm das Durchdringen komplexer Sachverhalte — etwa Euklids Geometrie oder die Feineinstellung eines Barometers, die ihm sein Onkel Samuel Tertius Galton erläuterte — umso größere Freude. Angeregt durch die chemischen Experimente seines älteren Bruders Erasmus in einem selbstgebauten Labor im elterlichen Geräteschuppen, entwickelte Darwin früh ein Interesse an den Naturwissenschaften.
Ende 1831 begann Darwin die zweite Reise des Forschungsschiffs HMS Beagle, die ihn fast fünf Jahre lang einmal um die Welt führen sollte. Diese Reise war zugleich Schlüsselerlebnis und das entscheidende Fundament seines späteren wissenschaftlichen Werkes. Auf den Galapagosinseln, an den Küsten Südamerikas und auf zahlreichen anderen Stationen beobachtete Darwin eine Artenvielfalt, die ihn zunehmend an der damals vorherrschenden Auffassung einer unveränderlichen Schöpfung zweifeln ließ. Bereits 1838 entwarf er gedanklich seine Theorie der Anpassung an den Lebensraum durch Variation und natürliche Selektion.
Der breiten Öffentlichkeit wurde Darwin erstmals durch seinen 1839 veröffentlichten Reisebericht bekannt. In wissenschaftlichen Kreisen erlangte er zudem Anerkennung als Geologe durch seine Theorie über die Entstehung der Korallenriffe sowie weitere geologische Schriften. Mitte der 1850er Jahre verschaffte ihm die eingehende Untersuchung der Rankenfußkrebse (Cirripedia) zusätzlich einen Ruf als angesehener Zoologe und Taxonom. Über mehr als zwanzig Jahre trug Darwin geduldig Belege für seine Evolutionstheorie zusammen. Kurze Abrisse seiner Theorie verfasste er bereits 1842 und 1844, veröffentlichte sie jedoch nicht.
Ab 1856 arbeitete Darwin an einem umfangreichen Manuskript mit dem Titel „Natural Selection". Im Sommer 1858 erhielt er einen Brief von Alfred Russel Wallace, der dessen sogenanntes Ternate-Manuskript enthielt — ein Dokument, das ähnliche Gedanken zur Evolution entwickelte. Diese Parallelentwicklung führte zur gemeinsamen Veröffentlichung beider Theorien im selben Jahr. Ein Jahr darauf, 1859, erschien Darwins Hauptwerk „On the Origin of Species" — „Über die Entstehung der Arten". Dieses Buch bot als streng naturwissenschaftliche Erklärung für die Diversität des Lebens die Grundlage der modernen Evolutionsbiologie und stellte einen Wendepunkt in der Geschichte der Wissenschaften dar.
Die Reaktion auf Darwins Werk war gespalten. Ein Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft erkannte sofort die Tragweite seiner Argumentation, während religiöse Kreise und konservative Wissenschaftler heftige Einwände erhoben. Die Vorstellung, dass alle Lebewesen gemeinsame Vorfahren haben und sich durch natürliche Selektion entwickeln, widersprach dem biblischen Schöpfungsbericht in fundamentaler Weise. Dennoch setzte sich Darwins Theorie im Laufe der folgenden Jahrzehnte wissenschaftlich durch.
1871 erweiterte Darwin seine Erkenntnisse mit dem Werk „The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex" — „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl". Darin diskutierte er die sexuelle Selektion als zweiten Selektionsmechanismus und erklärte die Abstammung des Menschen im Rahmen seiner Theorie. In seinem letzten Lebensjahrzehnt wandte sich Darwin botanischen Fragen zu: Er untersuchte Kletterpflanzen, Orchideen und fleischfressende Pflanzen und leistete wichtige Beiträge zur Botanik. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet bis heute „Darwin".
Charles Robert Darwin starb am 19. April 1882 in Down House in der Grafschaft Kent. Er wurde, als Zeichen der nationalen Anerkennung, in der Westminster Abbey bestattet — nicht weit von Isaac Newton. Sein Werk bildet bis heute das Fundament der modernen Biologie, Genetik und Evolutionsforschung. Der Begriff der „natürlichen Selektion" gehört zum unverzichtbaren Vokabular jeder naturwissenschaftlichen Disziplin, die sich mit dem Leben befasst.