biografias

Victoria (Vereinigtes Königreich)

Königin von Großbritannien und Irland (1837–1901), Kaiserin von Indien (1876–1901)

6 min01/01/2024
Anúncio

Victoria wurde am 24. Mai 1819 als Princess Alexandrina Victoria of Kent im Kensington Palace in London geboren. Ihre Geburt war das Ergebnis eines dynastischen Wettlaufs: Nachdem Princess Charlotte Augusta, die einzige legitime Thronfolgerin des Kronprinzen Georg, 1817 bei der Geburt ihres Kindes gestorben war, hatte das britische Königshaus plötzlich keine gesicherte Thronfolge mehr. Von den sieben Söhnen König Georgs III. waren damals nur drei standesgemäß verheiratet, und keine dieser Ehen hatte lebende Nachkommen hervorgebracht.

Der Druck auf die noch unverheirateten Prinzen war enorm. Victorias Vater, Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn, der vierte Sohn Georgs III., heiratete im Juli 1818 im Rahmen einer Doppelhochzeit die verwitwete Fürstin Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld. Sein Bruder William, Duke of Clarence, heiratete am selben Tag Adelheid von Sachsen-Meiningen. Der Duke of Kent verband mit der Heirat nicht nur dynastische Pflicht, sondern auch die Hoffnung auf eine erhöhte Apanage, denn er war hoch verschuldet. Wenige Monate nach der Hochzeit kam Victoria zur Welt.

Victorias Kindheit war von Einschränkungen geprägt. Ihr Vater starb bereits im Januar 1820, als sie kaum acht Monate alt war, und ließ sie in der Obhut ihrer Mutter und des Hausverwalters John Conroy zurück. Dieser entwickelte das sogenannte Kensington-System, eine strenge Erziehungsmethode, die Victoria praktisch von Gleichaltrigen isolierte und ihr kaum Möglichkeiten zur Eigenständigkeit ließ. Sie sollte nie allein sein, nie allein die Treppe hinuntersteigen, stets unter Aufsicht. Diese Enge prägte Victoria tief, und sie hasste Conroy ihr Leben lang.

Am 20. Juni 1837 starb König Wilhelm IV., der Onkel Victorias. Die damals achtzehnjährige Prinzessin wurde zur Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland. Mit ihrer Thronbesteigung endete eine historische Personunion: Da das Königreich Hannover nach dem dort geltenden Salischen Gesetz Frauen von der Thronfolge ausschloss, fiel die hannoversche Krone an Victorias Onkel Ernst August. Die seit 1714 bestehende Verbindung zwischen Großbritannien und Hannover zerbrach.

Die frühen Jahre ihrer Regentschaft verliefen turbulent. Victoria lehnte Conroy und seine Methoden entschieden ab und stützte sich zunächst auf ihren Premierminister Lord Melbourne, der ihr politischer Mentor wurde. Außenpolitische Krisen, wirtschaftliche Not und die Anfänge der Chartistenbewegung stellten die junge Königin vor erhebliche Herausforderungen. Doch der entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben war die Heirat mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha am 10. Februar 1840.

Albert war nicht nur Ehemann, sondern Ratgeber, intellektueller Begleiter und politischer Partner. Er half Victoria, die Aufgaben der konstitutionellen Monarchin zu bewältigen, kümmerte sich um die Organisation des Hofes und trieb Projekte wie die Londoner Weltausstellung von 1851 voran. Gemeinsam bekamen Victoria und Albert neun Kinder, deren Vermählungen mit europäischen Herrscherhäusern der Königin den Beinamen "Großmutter Europas" einbrachten, denn sie ist sowohl Ururgroßmutter von Königin Elisabeth II. als auch von deren Ehemann Philip, Duke of Edinburgh.

Alberts überraschender Tod im Dezember 1861 an Typhus traf Victoria wie ein Schlag, von dem sie sich nie vollständig erholte. Sie zog sich jahrelang aus der Öffentlichkeit zurück, trug schwarze Kleidung bis an ihr Lebensende und hielt an einer strengen Witwentracht fest. Das Volk, das anfangs Verständnis hatte, wurde ungeduldig. Stimmen wurden laut, die das Ende der Monarchie forderten, da die Königin ihre öffentlichen Pflichten vernachlässige.

Im Laufe der Zeit fand Victoria jedoch wieder zu ihrer Rolle zurück, gestützt durch Premierminister Benjamin Disraeli, der ihr politisches und persönliches Vertrauen gewann. Im Mai 1876 erhielt sie auf Betreiben Disraelis den Titel Kaiserin von Indien, den Empress of India, womit sie als erste britische Monarchin diesen zusätzlichen Kaisertitel trug. Das britische Empire befand sich auf dem Höhepunkt seiner Macht, und Victoria wurde zur Symbolfigur eines Weltreichs, über dem die Sonne nicht unterging.

Das Viktorianische Zeitalter, das ihren Namen trägt, war von tiefen sozialen Widersprüchen geprägt. Auf der einen Seite standen industrieller Fortschritt, imperiale Expansion und ein wachsender Wohlstand der Mittel- und Oberschichten; auf der anderen Seite herrschten in den Städten Armut, Kinderarbeit und katastrophale Lebensbedingungen. Die moralische Strenge, die man gemeinhin mit der viktorianischen Ära verbindet, war zugleich Ideal und Heuchelei.

Victoria starb am 22. Januar 1901 in Osborne House auf der Isle of Wight, im Alter von einundachtzig Jahren. Ihre Herrschaft von dreiundsechzig Jahren war die längste aller britischen Monarchen bis dahin und wurde erst 2015 von Königin Elisabeth II. übertroffen. Mit ihrem Tod endete das Haus Hannover auf dem britischen Thron; ihr Sohn Eduard VII. führte die Linie des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha fort, das 1917 in Windsor umbenannt wurde. Victoria hinterließ ein Königreich, das gerade begann, die Konturen der modernen Welt zu ahnen.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories