Mao Zedong, geboren am 26. Dezember 1893 im Dorf Shaoshan in der zentralchinesischen Provinz Hunan, zählt zu den einflussreichsten und zugleich umstrittensten politischen Gestalten des zwanzigsten Jahrhunderts. Als Sohn eines wohlhabenden Bauern und Großhändlers wuchs er in einem China auf, das von dynastischen Umbrüchen, ausländischer Einmischung und sozialem Druck zerrissen war. Sein Vater Mao Yichang, der sich in der zwanzigsten Generation des Mao-Clans sah, hatte sich durch harte Arbeit und militärische Ersparnisse Land und Wohlstand erarbeitet, während Maos Mutter Wen Qimei eine tief religiöse Buddhistin war, die ihrem Sohn einen anderen Blick auf die Welt vermittelte.
Die Familie hatte tiefe Wurzeln in den Wirren der chinesischen Geschichte. Maos Großvater hatte im Taiping-Aufstand gekämpft, dem schrecklichsten Krieg des neunzehnten Jahrhunderts, der Millionen von Menschenleben kostete. Diese Tradition des Aufbegehrens gegen bestehende Verhältnisse sollte das Leben des jungen Mao prägen. Er verschlang in seiner Jugend politische Schriften und westliche Ideen, die in der untergehenden Kaiserzeit ihren Weg nach China fanden.
Im Jahr 1921 gehörte Mao Zedong zu den Mitbegründern der Kommunistischen Partei Chinas, einem kleinen revolutionären Zirkel, der sich in Shanghai zusammenfand. In den folgenden Jahren wuchs sein Einfluss innerhalb der Partei stetig, obwohl er anfangs keine dominante Rolle spielte. Der Wendepunkt kam mit dem Langen Marsch, jenem epischen Rückzug der kommunistischen Kräfte zwischen 1934 und 1935, der die Partei vor der Vernichtung durch die nationalistische Armee Chiang Kai-sheks rettete. Auf diesem Marsch von rund zehntausend Kilometern festigte Mao seine Führungsposition und wurde ab 1935 zum unbestrittenen Herrscher über die Kommunisten.
Im blutigen Chinesischen Bürgerkrieg, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder aufflammte, führte Mao seine Armeen schließlich zum Sieg über die Nationalisten. Am 1. Oktober 1949 rief er in Peking die Volksrepublik China aus und verkündete vom Tor des Himmlischen Friedens aus den Beginn einer neuen Ära. 1943 war er bereits Vorsitzender des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei geworden, und 1954 proklamierte er die erste Verfassung der Volksrepublik und übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Er trug fortan die Ehrentitel „Überragender Führer" und „Großer Steuermann".
In den ersten Jahren seines Regimes festigte Mao die kommunistische Herrschaft mit einer Reihe von Kampagnen, die Millionen von Menschenleben kosteten. Die Chinesische Landreform, die Kampagne zur Unterdrückung von Konterrevolutionären, die Drei-Anti- und Fünf-Anti-Bewegung sowie die Sufan-Bewegung und die Anti-Rechts-Bewegung dienten nicht nur der wirtschaftlichen Umgestaltung, sondern auch der erbarmungslosen politischen Säuberung. Gleichzeitig unterstützte Mao im Koreakrieg Nordkorea militärisch gegen die von den Vereinigten Staaten geführten UN-Truppen, was China in den beginnenden Kalten Krieg hineinstieß und die Beziehungen zum Westen auf Jahrzehnte belastete.
Der verheerendste Irrtum seiner Herrschaft war der Große Sprung nach vorn, den er 1958 einleitete. Mit roher Gewalt und fanatischen Vorgaben sollte China innerhalb weniger Jahre in eine mächtige Industrienation verwandelt werden. Bauern wurden gezwungen, in primitiven Hinterhofhochöfen Stahl zu produzieren, anstatt ihre Felder zu bestellen. Missernten, staatlicher Raub und ideologische Blindheit führten zur Großen Chinesischen Hungersnot, der zwischen fünfzehn und fünfundfünfzig Millionen Menschen zum Opfer fielen. Es war eine der schlimmsten von Menschen verursachten Katastrophen der Geschichte.
Nach diesem desaströsen Fehlschlag zog sich Mao 1962 teilweise aus dem Machtzentrum zurück, behielt aber seinen ideologischen Einfluss. 1963 lancierte er die Sozialistische Erziehungskampagne, und 1966 entfesselte er die Kulturrevolution, mit der er seine politischen Feinde ausschalten und die totale Kontrolle über das Land zurückgewinnen wollte. Die Roten Garden, fanatische Jugendliche, verwüsteten das kulturelle Erbe Chinas, ermordeten Intellektuelle, Lehrer und politische Gegner und stürzten das Land in ein Jahrzehnt des Terrors und des Chaos. Unzählige Menschen wurden ermordet, inhaftiert oder in Umerziehungslager verschleppt.
Zu den größten außenpolitischen Ereignissen seiner Herrschaft gehörte das Chinesisch-Sowjetische Zerwürfnis, das in den frühen 1960er Jahren offen ausbrach und die kommunistische Weltbewegung spaltete. Mao betrachtete die Sowjetunion unter Chruschtschow als Verräter am revolutionären Marxismus. Paradoxerweise öffnete diese Feindschaft gegenüber Moskau den Weg für eine Annäherung an Washington: 1972 empfing Mao den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon in Peking, ein historischer Moment, der die geopolitischen Kräfteverhältnisse des Kalten Krieges neu ordnete.
Mao Zedongs aus dem Marxismus-Leninismus weiterentwickelte Ideologie wurde als Maoismus bekannt und fand weltweit Anhänger — von den Bergwäldern Perus bis zu den Universitäten Westeuropas. Das als „Mao-Bibel" bekannte Buch „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung", eine Sammlung seiner Zitate und Aufsätze, wurde weltweit über eine Milliarde Mal gedruckt und war zeitweise das meistverbreitete Buch der Erde nach der Bibel.
Mao Zedong starb am 9. September 1976 in Peking. Die Gesamtzahl der Todesopfer seiner Herrschaft, bedingt durch vermeidbare Hungersnöte, politische Säuberungen und Bestrafungsaktionen, wird auf vierzig bis achtzig Millionen Menschen geschätzt. Seine Nachfolger, allen voran Deng Xiaoping, machten den Großteil seiner gesellschaftspolitischen Experimente rückgängig und öffneten China für die Marktwirtschaft. Dennoch hängt Maos Porträt bis heute am Tor des Himmlischen Friedens, und die Kommunistische Partei hält offiziell an seiner symbolischen Autorität fest — ein Zeichen für den tiefen Widerspruch, mit dem China sein schwerstes Erbe trägt.

