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Josef Stalin

Sowjetischer Diktator, Generalsekretär des ZK der Bolschewiki und KPdSU (1878–1953)

6 min01/01/2024
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Josef Wissarionowitsch Stalin wurde am 18. Dezember 1878 in Gori im Gouvernement Tiflis des Russischen Kaiserreichs geboren, das sich heute im heutigen Georgien befindet. Er wurde als Iosseb Dschughaschwili getauft und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf; sein Vater war ein Schuster, seine Mutter eine fromme Bauerntochter. Ein orthodoxes Priesterseminar in Tiflis, das er ab 1894 besuchte, sollte ihn zum Geistlichen ausbilden, doch Stalin wandte sich dem Marxismus zu und wurde aus dem Seminar verwiesen. Den Kampfnamen Stalin, was nach verschiedenen Interpretationen "der Stählerne" bedeutet, nahm er 1912 an.

Von 1899 bis 1917 arbeitete Dschughaschwili, der bald unter dem Namen Stalin bekannt wurde, als Berufsrevolutionär im Untergrund der Bolschewistischen Partei Lenins. Er organisierte Streiks, druckte illegale Zeitungen und beteiligte sich an Banküberfällen zur Finanzierung der Partei. Mehrfach wurde er von der zaristischen Polizei verhaftet und in abgelegene Teile Sibiriens verbannt, aus denen er stets wieder entkam. Diese Jahre der Klandestinität formten ihn zu einem Meister der Konspiration, der Misstrauen und Rücksichtslosigkeit als Überlebenswerkzeuge verinnerlichte.

Nach dem Sturz des Zaren im Februar 1917 kehrte Stalin nach Russland zurück und stieg in den Führungskreis der Bolschewistischen Partei auf. Er beteiligte sich an der Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution, die im November 1917 die Provisorische Regierung stürzte und die Macht den Bolschewiken übertrug. Im anschließenden Bürgerkrieg bewährte er sich als brutaler, aber effektiver Kommandeur. Lenin schätzte seine Energie und Organisationsfähigkeit, warnte jedoch in seinem politischen Testament kurz vor seinem Tod davor, Stalin sei zu grob und möge die Macht missbrauchen.

Lenin starb im Januar 1924. In den folgenden Jahren sicherte Stalin durch geschicktes Taktieren und rücksichtslose Intrigen seine Position. Er spielte seine Rivalen gegeneinander aus, verbündete sich temporär mit Sinowjew und Kamenew gegen Trotzki, dann mit Bucharin gegen Sinowjew und Kamenew, bis er schließlich alle geschwächt hatte und allein an der Spitze stand. Trotzki wurde 1929 aus der Sowjetunion ausgewiesen und 1940 auf Stalins Befehl in Mexiko ermordet. Bis etwa 1928 bis 1929 hatte Stalin die alleinige Kontrolle über die Sowjetunion erlangt.

Die innenpolitische Wende, die Stalin einleitete, war von grundlegender Bedeutung. Die Neue Ökonomische Politik, die Lenin 1921 als Kompromiss mit marktwirtschaftlichen Elementen eingeführt hatte, wurde ab 1928 durch eine zentralisierte Kommandowirtschaft ersetzt. Stalin lancierte die Kollektivierung der Landwirtschaft, die die individuellen Bauernhöfe in staatliche Kollektive, sogenannte Kolchosen und Sowchosen, umwandeln sollte. Wer als Kulak, als wohlhabender Bauer, galt, wurde deportiert, erschossen oder in Arbeitslager verschleppt. Dieser Prozess der Entkulakisierung traf Millionen Menschen.

Die Folgen der Kollektivierung waren verheerend. Besonders in der Ukrainischen Sowjetrepublik, im Kubangebiet und in anderen Agrarregionen kam es zu einer landesweiten Hungersnot, die als Holodomor bekannt wurde. Ungefähr sechs Millionen Menschen starben an Hunger und den Folgen der staatlichen Repressionspolitik. In der Kasachischen Sowjetrepublik forderte die erzwungene Sesshaftmachung der nomadischen Bevölkerung zwischen 1930 und 1933 schätzungsweise 1,3 bis 1,5 Millionen weitere Todesopfer.

Der politische Terror erreichte seinen Höhepunkt in den Großen Säuberungen der Jahre 1936 bis 1938. In Schauprozessen wurden ehemalige Parteigenossen, Militärführer und Intellektuelle unter dem Vorwurf des Verrats und der Sabotage angeklagt. Viele geständen unter Folter, Vergehen, die sie nie begangen hatten. Hunderttausende wurden erschossen, Millionen weitere in das Gulag-System der Strafarbeitslager verschleppt, wo viele durch Kälte, Hunger und Überarbeitung starben. Die Rote Armee verlor durch die Säuberungen einen großen Teil ihrer erfahrensten Offiziere, was sich im Zweiten Weltkrieg als folgenschwer erweisen sollte.

Im August 1939 schloss Stalin mit dem nationalsozialistischen Deutschland den Nichtangriffspakt, der als Hitler-Stalin-Pakt bekannt wurde. Dieser Pakt teilte Osteuropa in Einflussphären auf und ermöglichte Deutschland den Angriff auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg auslöste. Stalins Kalkül, das Deutsche Reich und die Westmächte sich gegenseitig erschöpfen zu lassen, scheiterte im Juni 1941, als Hitler die Sowjetunion mit der Operation Barbarossa überfiel. Der Überfall traf Stalin trotz aller Warnungen unvorbereitet, und die Sowjetunion erlitt in den ersten Kriegsmonaten katastrophale Verluste.

Doch Stalin stabilisierte die Lage. Er übernahm den Oberbefehl über die Rote Armee, mobilisierte die gesamte Gesellschaft für den Krieg und nutzte seinen Einfluss bei den Alliierten, um Nachschub und Rückendeckung zu sichern. Der Sieg in der Schlacht von Stalingrad im Winter 1942 und 1943 markierte den Wendepunkt. Bis 1945 trieb die Rote Armee die Wehrmacht bis nach Berlin zurück. Stalins Sowjetunion hatte den Krieg mit ungeheuren Opfern gewonnen und war als Weltmacht aus ihm hervorgegangen.

Stalin starb am 5. März 1953 in Kunzewo bei Moskau. Sein Nachfolger Nikita Chruschtschow leitete 1956 mit seiner Geheimrede, in der er Stalins Verbrechen benannte, einen Prozess der Entstalinisierung ein. Doch Stalins Nachwirkungen blieben tief im sowjetischen System verankert, und die Diskussion über seine historische Rolle als Modernisierer einerseits und als Massenmörder andererseits ist bis heute nicht abgeschlossen. Umfragen zeigen, dass er in Russland immer wieder als einer der bedeutendsten Führer der Geschichte eingestuft wird, was die anhaltende Kraft des sowjetischen Personenkults um seine Person bezeugt.

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