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Stonehenge

Jungsteinzeitliches Bauwerk in Wiltshire, England

6 min01/01/2024
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Auf einer flachen Ebene in Wiltshire, Südwestengland, ragen seit jahrtausenden mächtige Steinblöcke in den Himmel. Stonehenge – dieses rätselhafte Megalithbauwerk nahe des Flusses Avon bei Amesbury – gehört zu den bekanntesten prähistorischen Monumenten der Welt und zieht Jahr für Jahr Millionen von Besuchern an: 2019 waren es rund 1,60 Millionen, 2024 etwa 1,36 Millionen. Dabei weiß die Wissenschaft bis heute nicht mit Sicherheit, wozu die Anlage diente.

Die Geschichte von Stonehenge beginnt mindestens um 3000 vor Christus, möglicherweise auch früher. Das Bauwerk entstand nicht in einem einzigen Akt, sondern in mehreren aufeinanderfolgenden Phasen, die sich über Jahrhunderte erstreckten. Die erste Phase umfasste vor allem das Ausheben des ringförmigen Erdwalls und der Gräben sowie das Setzen erster Pfähle oder kleiner Steine. Die Anlage wurde mindestens bis in die Bronzezeit weitergenutzt und wohl vor 1400 vor Christus aufgegeben.

Die eindrucksvollste Bauphase, von Archäologen als Stonehenge 3 bezeichnet, fand etwa zeitgleich mit dem Bau der Cheopspyramide in Ägypten statt – ein erstaunlicher Parallelismus, der die organisatorischen Fähigkeiten der Erbauer unterstreicht. Die großen aufrechtstehenden Sandsteinblöcke, die sogenannten Sarsensteine, stammen aus einem Steinbruch bei Marlborough Downs, etwa 30 Kilometer entfernt. Deutlich weiter gereist sind die sogenannten Blausteine: Diese Basaltblöcke wurden im heutigen Wales gebrochen, mehr als 250 Kilometer entfernt. Ihr Transport – ob zu Lande, über Flüsse oder entlang der Küste – war eine logistische Meisterleistung, die auf weitreichende gesellschaftliche Organisation hinweist.

Der Aufbau der heutigen Anlage in ihrer jüngsten Form ist komplex. Im Zentrum eines ringförmigen Erdwalls stehen verschiedene Formationen aus bearbeiteten Megalithen. Der auffälligste ist ein großer Kreis aus ehemals 30 stehenden Sandsteinquadern, die an ihrer Oberseite einst einen geschlossenen Ring aus 30 Decksteinen trugen. Innerhalb dieses Kreises erhebt sich ein hufeisenförmiges Arrangement aus ursprünglich zehn Säulen, die paarweise durch je einen Deckstein verbunden wurden – die sogenannten Trilithen. Diese Trilithen sind das charakteristischste Element Stonehenges und unterscheiden es von anderen Megalithanlagen, die aus einfachen Steinkreisen bestehen.

Innerhalb des Hufeisens und des Kreises standen zwei weitere, ähnlich angeordnete Formationen aus kleineren Steinen ohne Decksteine. Ergänzt werden die Formationen durch den sogenannten Altarstein nahe der Mitte der Anlage, einen Opferstein innerhalb des Ringwalls sowie den außerhalb des nordöstlichen Ausgangs gelegenen Heelstone. Diese Namen entstammen der Phantasie früherer Betrachter; die eigentliche Funktion dieser Steine ist unbekannt.

Besonders bedeutsam ist die astronomische Ausrichtung der Anlage. Alle Hypothesen über den Zweck Stonehenges, auch die spekulativsten, stimmen in einem Punkt überein: Das Hufeisen und die ihm vorgelagerten Steine sind exakt auf den Sonnenaufgang am Tag der Sommersonnenwende ausgerichtet. Wer zur Sommersonnenwende in der Mitte der Anlage steht, sieht die aufgehende Sonne genau über dem Heelstone erscheinen. Für eine neolithische Gesellschaft, die auf Ackerbau angewiesen war, war das Wissen über die Jahreszeiten überlebenswichtig; Stonehenge könnte als monumentaler Kalender gedient haben.

In der unmittelbaren Umgebung des Monuments liegen weitere prähistorische Strukturen: zwei grob rechteckige Erdwerke, sogenannte Cursus, die älter als Stonehenge selbst sind, sowie zahlreiche Grabhügel. Auch außerhalb des Ringwalls wurden drei konzentrische Lochkreise angelegt, die zum Begräbniskult genutzt worden sein könnten. Archäologische Funde belegen, dass Stonehenge mindestens teilweise als Begräbnisstätte diente.

Ein entscheidender Aspekt in der Geschichte Stonehenges liegt in der Siedlungsgeschichte der Britischen Inseln. Bald nach der Vollendung der letzten großen Bauphase begann die indoeuropäische Einwanderung auf die Inseln, in deren Verlauf die Träger der Stonehenge-Kultur zu einer Randgruppe von nur noch zehn Prozent der Bevölkerung wurden. Auch die Kelten waren Teil dieser Einwanderungsbewegung. Die ursprüngliche Bedeutung des Monuments ging verloren, bevor es schriftliche Aufzeichnungen gab.

Seit 1918 befindet sich das Monument im Staatsbesitz; verwaltet und touristisch erschlossen wird es von English Heritage, die Umgebung vom National Trust. Die UNESCO erklärte die Stätte 1986 zum Weltkulturerbe. Was die Erbauer Stonehenges tatsächlich bewegte, welche Götter sie verehrten, welche Rituale sie an diesem Ort vollzogen – all das bleibt ein Geheimnis, das die Steine bewahren.

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