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Laurentic (Schiff, 1909)

Britisches Passagierschiff, 1917 durch Kollision mit Seemine gesunken

6 min01/01/2024
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Die Laurentic war ein Schiff, das in seiner kurzen Lebenszeit gleich mehrere Epochen der Geschichte berührte: den goldenen Zeitalter der Ozeandampfer, den Schrecken des Ersten Weltkriegs und eine der spektakulärsten Bergungsgeschichten des 20. Jahrhunderts. Ihr Schicksal ist eng mit dem Aufstieg und Fall einer Ära verwoben, in der die großen Linienreedereien die Meere dominierten.

1907 beauftragte die Dominion Line, die dem Konzern J. P. Morgans International Mercantile Marine Company angehörte, die nordirische Werft Harland & Wolff mit dem Bau zweier Schwesterschiffe namens Albany und Alberta. Noch während der Bauphase übernahm die White Star Line beide Schiffe. Die Albany wurde in Megantic umbenannt, nach dem Lac Mégantic in Québec; die Alberta erhielt den Namen Laurentic, in Anlehnung an den Sankt-Lorenz-Strom. Am 9. September 1908 lief die Laurentic vom Stapel.

Das Schiff war mit einem Bruttogehalt von 14.892 Registertonnen, einer Länge von 167,76 Metern und einer Breite von 20,63 Metern beeindruckend. Am 29. April 1909 trat sie ihre Jungfernfahrt über den Nordatlantik an. Als Dreischraubendampfer war sie für eine Reisegeschwindigkeit von 16 Knoten ausgelegt und mit den modernsten Einrichtungen ihrer Zeit ausgestattet: elektrisches Licht, Kühlanlagen, drahtloser Funk und sogar ein früher U-Boot-Detektionsapparat gehörten zu ihrer Ausstattung.

Technisch war die Laurentic das interessantere der beiden Schwesterschiffe. Ihr Antrieb, eine innovative Kombination aus Dampfmaschine und Dampfturbine von John Brown & Company aus Glasgow, erwies sich als deutlich effizienter als die traditionellen Kolbenmaschinen der Megantic. Dieser direkte Vergleich beider Antriebssysteme auf ansonsten baugleichen Schiffen lieferte wertvolle Erkenntnisse, die schließlich als Entscheidungsgrundlage für den Antrieb der berühmten Olympic-Klasse dienten – zu der auch die Titanic gehörte. 1911 stellte die Laurentic einen Rekord auf der Liverpool–Kanada-Route auf, als sie eine Hin- und Rückfahrt in 13 Tagen und vier Stunden bewältigte.

Im Sommer 1910 erlangte das Schiff durch einen spektakulären Kriminalfall Weltruhm. Der amerikanische Arzt Hawley Crippen hatte in London seine Frau ermordet und war mit seiner Geliebten auf dem Dampfer Montrose nach Kanada geflohen. Walter Dew vom Metropolitan Police Service nahm die schnellere Laurentic, überholte die Montrose und konnte Crippen – den sogenannten „Kellermörder von London" – noch an Bord verhaften.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, lag die Laurentic in Montreal vor Anker. Die britische Admiralität zog sie umgehend für den Kriegsdienst ein. Am 13. September 1914 wurde sie zu einem Truppentransporter für die Canadian Expeditionary Force umgebaut; ihre Passagierunterkünfte wurden vollständig umgestaltet, um Platz für etwa 1.800 Soldaten zu schaffen. Später wurde sie auch als Hilfskreuzer eingesetzt.

Am 25. Januar 1917 begann die letzte Fahrt der Laurentic. Auf ihrer Route vor der Küste Nordirlands lief sie auf deutsche Minen und sank rasch. 354 Menschen kamen bei der Katastrophe ums Leben, 121 überlebten. Doch das Schicksal der Laurentic beschäftigte die Behörden auch nach dem Untergang, denn mit ihr sanken rund 43 Tonnen Gold in Form von Barren – Zahlungsmittel für Kriegsmaterial, das England in Kanada kaufen wollte.

Die Bergung dieses Goldes wurde zu einer der aufwändigsten und langwierigsten Unterwasseroperationen der Geschichte. Taucher der Royal Navy begannen noch während des laufenden Krieges mit der Arbeit. Unter schwierigsten Bedingungen, bei eiskaltem Wasser und gefährlichen Strömungen, gelang es ihnen, den größten Teil der Goldbarren zu bergen. Von ursprünglich 3.211 Barren wurden schließlich 3.186 gerettet – eine der größten Bergungsmengen Gold aus einem gesunkenen Schiff, die jemals dokumentiert wurde. Die verbleibenden 25 Barren gelten bis heute als verschollen.

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