civilizacoes perdidas

Benedikt XII.

Papst (1334–1342)

6 min01/01/2024
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Benedikt XII., geboren um 1285 in Saverdun in der Grafschaft Foix im südfranzösischen Languedoc, gehört zu den bemerkenswertesten Gestalten des päpstlichen Avignon. Als Sohn eines einfachen Bäckers oder, wie andere Quellen angeben, eines Müllers entstammte er dem Volk, stieg jedoch durch Bildung, Ehrgeiz und die Förderung eines einflussreichen Onkels zu den höchsten Würden der katholischen Kirche auf und regierte vom 20. Dezember 1334 bis zu seinem Tod am 25. April 1342 als Papst.

Schon als Kind trat er in das Kloster Boulbonne des Zisterzienserordens ein, einer Ordensgemeinschaft, die strenge Disziplin und gelehrte Bildung verband. Auf Betreiben seines Onkels, des späteren päpstlichen Vizekanzlers und Kardinals Arnaud Nouvel, der 1317 starb, absolvierte er ein Theologiestudium in Paris, das er mit dem Doktorat abschloss. 1311 wurde er zum Nachfolger seines Onkels als Abt des Klosters Fontfroide bei Narbonne gewählt.

Im Rahmen einer Reform der südfranzösischen Bistumsorganisation ernannte Papst Johannes XXII. den gelehrten Mönch 1317 zum Bischof von Pamiers, jenem Bistum, aus dem er selbst stammte. Seine Ernennung erfolgte ausdrücklich mit dem Auftrag, die Ketzerbekämpfung zu forcieren, ein Zeichen für das besondere Vertrauen, das der Papst in seine Fähigkeiten setzte. 1326 wechselte er als Bischof nach Mirepoix, und am 18. Dezember 1327 erhob ihn Johannes XXII. zum Kardinalpriester der Titelkirche Santa Prisca.

Als Bischof von Pamiers hatte Fournier, wie er vor seiner Erhebung genannt wurde, die bischöfliche Inquisition zu einem Musterbetrieb ausgebaut, der sich deutlich von der damals von Korruption und Willkür geprägten päpstlichen Inquisition der Dominikaner von Carcassonne abhob. Er orientierte sich an den Vorgaben des Konzils von Vienne von 1311 bis 1312 und wirkte selbst als Inquisitor. Sein Ziel war die Aufspürung der letzten Reste der Katharer, jener von der katholischen Kirche und der französischen Krone verfolgten Glaubensrichtung, die im Hochland der Pyrenäen und im Languedoc noch immer Anhänger besaß und sich seit etwa 1296 unter Führung einzelner Wanderasketen, der sogenannten Perfecti, im Untergrund neu organisiert hatte.

Nachdem breit angelegte Fahndungsaktionen in den Jahren 1309 bis 1312, die unter anderem Bernard Gui als Inquisitor von Toulouse koordiniert hatte, die meisten Wanderprediger und ihre Verstecke aufgespürt hatten, gelang Bischof Fournier im Frühjahr 1321 mit Hilfe eines Spitzels die Ergreifung des letzten überlebenden katharischen Asketen Wilhelm Belibaste. Dieser wurde noch im selben Jahr in Carcassonne abgeurteilt und in Villerouge-Termenès in Anwesenheit des Erzbischofs von Narbonne verbrannt.

Diesem Erfolg waren umfangreiche Ermittlungen im Umfeld der Bauern des Sabartès vorausgegangen, einer abgelegenen Landschaft im Süden der Grafschaft Foix am Oberlauf der Ariège. Fournier hatte dabei ein katharisches Netzwerk aufgedeckt, das zwischen 1301 und 1320 im Dorf Montaillou um das Haus der Familie Clergue bestanden hatte und jahrelang von einem insgeheim häretischen Pfarrer, einem Mitglied dieser Familie, geführt und geschützt worden war. Fournier wurde von Zeitgenossen als unbestechlich, gerecht und sehr scharfsinnig charakterisiert. Seine Methode zeichnete sich durch akribische Aktenführung, kriminalistischen Spürsinn und geschickte, einfühlsame Verhörtechniken aus, die weitgehend auf Folter verzichteten. Er wollte die Angeklagten nicht nur bestrafen, sondern zur Reue bewegen, damit sie ihre Seelen retten konnten.

Viele der vorbildlich geführten Protokolle seiner Verhöre sind durch einen glücklichen Zufall erhalten geblieben und werden heute in der Vatikanischen Bibliothek verwahrt. Sie stellen eine bedeutende Quelle für die Inquisitions- und Ketzerforschung dar und sind sowohl wissenschaftlich intensiv ausgewertet als auch durch populäre Publikationen einem breiteren historisch interessierten Publikum zugänglich gemacht worden.

Als Papst Benedikt XII., ab dem 20. Dezember 1334, bemühte er sich um eine Reform der Kirche und der Klöster und erließ bedeutende Konstitutionen zur Ordensreform. Er setzte sich für theologische Klarheit ein, besonders in der damals umstrittenen Frage der Schau Gottes durch die Seligen. In Avignon, wo er residierte, begann er mit dem Bau des päpstlichen Palastes, der bis heute das Stadtbild dominiert. Benedikt XII. starb am 25. April 1342 in Avignon, hinterlassend das Bild eines kompromisslosen, gelehrten und tief religiösen Mannes, dessen inquisitorische Akten bis heute ein einzigartiges Zeitdokument des mittelalterlichen Lebens im Languedoc darstellen.

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