civilizacoes perdidas

Giovanni Paolo Pannini

Italienischer Maler und Architekt

4 min01/01/2024
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Giovanni Paolo Pannini, dessen Name auch häufig in der Schreibweise Panini auftaucht, wurde am 17. Juni 1691 in der norditalienischen Stadt Piacenza geboren. Er gehört zu jenen Künstlerpersönlichkeiten des 18. Jahrhunderts, die das visuelle Gedächtnis des antiken Roms für die Nachwelt bewahrten und zugleich in der Vedutenmale, der Ansichtsdarstellung, einen eigenen und unverwechselbaren Stil entwickelten. Am 21. Oktober 1765 starb er in Rom, der Stadt, die er über Jahrzehnte mit seinem Pinsel verewigte und die ihn umgekehrt zu einem der bedeutendsten Maler seiner Epoche machte.

In seiner Heimatstadt Piacenza erhielt Pannini zunächst eine Ausbildung zum Bühnengestalter. Es ist möglich, dass er dabei Schüler des berühmten Francesco Galli Bibiena war, einer der prominentesten Theaterbühnenkünstler der Barockzeit. Diese handwerkliche Ausbildung im Umgang mit Bühnenperspektive und architektonischer Raumgestaltung sollte Panninis spätere Malerei nachhaltig prägen.

Im Jahr 1711 zog er nach Rom, jenem unerschöpflichen Reservoir an antiken Monumenten, barocken Palästen und lebendigen Stadtansichten. In Rom nahm er bei Benedetto Luti Zeichenunterricht und knüpfte Kontakte zur Kunstwelt der Stadt. Besonders folgenreich war seine Begegnung mit dem venezianischen Maler Canaletto, dessen exakt konstruierte Stadtpanoramen Pannini stark beeinflussten, ihm jedoch zugleich die Möglichkeit aufzeigten, eigene Wege zu gehen.

In Rom machte sich Pannini zunächst als Dekorateur von Palästen und kirchlichen Gebäuden einen Namen. Er arbeitete unter anderem an der Villa Patrizi in den Jahren 1718 bis 1725, am Seminario Romano im Jahr 1722 für Kardinal Spinola sowie am Palazzo de Carolis im Jahr 1720. Auch am Quirinalspalast war er 1722 für Papst Innozenz XIII. tätig. Diese dekorativen Aufgaben schärften seinen Blick für Architektur und Raum, was sich unmittelbar in seiner Hauptgattung, der Vedutenmalerei, niederschlug.

Pannini wurde besonders bekannt für seine präzisen und atmosphärischen Stadtansichten Roms, in denen er mit Vorliebe Überreste der römischen Antike darstellte. Das Pantheon, das Kolosseum, die Tempel des Forums und andere Monumente fanden ihren Weg auf seine Leinwände. Darüber hinaus malte er Porträts und Szenen von Festen und belebten Plätzen, darunter Ansichten der Piazza Navona, die sich heute im Louvre und in der Niedersächsischen Landesgalerie Hannover befinden.

Eine besondere Gattung, in der Pannini Meisterschaft entwickelte, waren die Gemälde, die imaginäre Gemäldegalerien mit Ansichten Roms zeigen. Diese sogenannten Capricci sind Kompositionen, in denen reale Sehenswürdigkeiten Roms auf fantastische Weise in einem einzigen Bildraum vereint werden, als stünde man in einem Saal, dessen Wände von Panoramen der Ewigen Stadt bedeckt sind. Solche Bilder waren bei europäischen Sammlern und Reisenden, die auf dem Grand Tour durch Italien reisten, äußerst beliebt.

Im Jahr 1718 wurde Pannini in die Congregazione dei Virtuosi al Pantheon aufgenommen. Er lehrte außerdem an der Accademia di San Luca, deren Mitglied er war, sowie an der Académie de France in Rom, der Schule für französische Kunststipendiaten. Dort übte er erheblichen Einfluss auf eine ganze Generation französischer Künstler aus, darunter Jean-Honoré Fragonard. Im Juli 1732 wurde er Mitglied der französischen Königlichen Akademie der Künste. In seinem Atelier arbeiteten der Franzose Hubert Robert sowie sein eigener Sohn Francesco Pannini, der in seine Fußstapfen trat.

Panninis Einfluss auf die Vedutenmale war weitreichend. Zu seinen Schülern gehörte der Maler Antonio Joli, und der Franzose Hubert Robert verdankte ihm wesentliche Impulse für seine eigene Entwicklung als Maler romantischer Ruinenlandschaften. Sein Sohn Giuseppe Pannini wurde Architekt, sein Sohn Francesco malte, eng an das Werk des Vaters angelehnt, ebenfalls Veduten und Capricci.

Auch als Organisator und Gestalter von Festen trat Pannini in Erscheinung. 1729 entwarf er Festlichkeiten zur Feier der Geburt des französischen Thronfolgers für Kardinal Melchior de Polignac, und 1745 gestaltete er Festlichkeiten anlässlich der Hochzeit des Dauphin. Diese Aufgaben verbanden sein Talent als Bühnenbauer mit seinem Ruhm als Maler des imperialen Rom.

Giovanni Paolo Pannini starb 1765 in Rom nach einem Leben, das er weitgehend dem Dienst an der Schönheit der antiken Stadt gewidmet hatte. Seine Werke befinden sich heute in bedeutenden Museen weltweit, darunter im Louvre in Paris, im Kunsthistorischen Museum in Wien und in zahlreichen anderen Sammlungen. Als Chronist des barocken und antiken Roms, der mit wissenschaftlicher Genauigkeit und künstlerischer Phantasie zugleich arbeitete, bleibt er eine singuläre Gestalt der europäischen Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts.

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