Am 10. Juli 1856 wurde Nikola Tesla im Dorf Smiljan in der Lika, einer Region im heutigen Kroatien, die damals zur Kroatischen Militärgrenze des Kaisertums Österreich gehörte, geboren. Er war das vierte von fünf Kindern serbischstämmiger Eltern: sein Vater Milutin Tesla (1819–1879) war ein serbisch-orthodoxer Priester, seine Mutter Georgina, bekannt unter dem Rufnamen Đuka, geborene Mandić (1822–1892). Das Geburtshaus war das Pfarrhaus der Sankt-Peter-und-Paul-Kirche von Smiljan. Ein älterer Bruder starb bereits im Alter von zwölf Jahren bei einem Reitunfall, als Nikola fünf Jahre alt war.
Tesla besuchte die Grundschule und die Mittelschule in Gospić. Ab 1870 besuchte er das angesehene Höhere Real-Gymnasium in Rakovac bei Karlovac, wo er nach eigener Aussage von seinem Lehrer Martin Sekulić stark geprägt wurde. Während dieser Zeit lebte er bei seiner Tante Stanka und deren Mann Dane Branković, einem pensionierten Oberst. 1875 begann Tesla sein Studium an der Kaiserlich-Königlichen Technischen Hochschule in Graz, wo er im ersten Jahr überdurchschnittlich viele Vorlesungen belegte. Am 21. Juli 1876 erhielt er die Zugangsberechtigung zum Hauptstudium in Maschinenbau.
Beim Physikprofessor Jakob Pöschl lernte Tesla die Gramme-Maschine kennen, einen damals neuartigen Gleichstromgenerator des belgischen Erfinders Zénobe Gramme. Bereits zu diesem Zeitpunkt stellte der junge Tesla Überlegungen an, ob sich ein solcher Generator ohne Kommutator betreiben lasse — eine Frage, die ihn für viele Jahre nicht loslassen sollte. Im zweiten Studienjahr ließ seine Studienaktivität deutlich nach; im dritten Jahr schloss er keine einzige Prüfung ab. Schließlich wurde er 1877/78 von der Hochschule exmatrikuliert, nachdem er das Unterrichtsgeld nicht bezahlt hatte.
Tesla zog daraufhin nach Marburg an der Drau, wo er eine Anstellung als Maschinenbauer fand. Seine Freizeit verbrachte er als Karten- und Billardspieler. Am 24. März 1879 wurde er per polizeilicher Anordnung aus Marburg verwiesen und in seine Heimatgemeinde Gospić zurückgeschickt. Einen Monat später starb sein Vater. Nach dessen Tod blieb Tesla zunächst in Gospić und arbeitete als Aushilfslehrer. 1880 reiste er mit finanzieller Unterstützung seines Onkels Dane Branković nach Prag, um sein Studium abzuschließen — doch weder der Besuch der Vorlesungen noch ein Abschluss sind belegt, und auch die Studiengebühren wurden nie entrichtet.
Von 1881 bis 1882 lebte Tesla in Budapest, wo er eine Anstellung als Telegrafenamtstechniker bei Tivadar Puskás fand, der damals die europäischen Interessen von Thomas Alva Edison vertrat. Mit einer Empfehlung von Puskás zog Tesla Ende 1882 nach Paris zu Charles Batchelor, der eine der führenden Edison-Firmen in Frankreich leitete. Von November 1883 bis Februar 1884 betreute er die neu installierte elektrische Beleuchtung am Gare de l'Est in Paris. Im Jahr 1883 sandte ihn sein Arbeitgeber nach Straßburg, um dort anfällige Gleichstromleitungen zu reparieren. Während dieser Zeit baute er im Verborgenen einen funktionierenden Dynamo für Wechselstrom und einen Induktionsmotor, die er öffentlich vorstellte — doch niemand wollte diese Entwicklungen finanzieren. Der Erfinder der Drehstrom-Synchronmaschine, Friedrich August Haselwander, war bei seinen Vorträgen zugegen.
Am 6. Juni 1884 kam Tesla praktisch mittellos in New York an. Bereits zwei Tage später trat er in Edisons Unternehmen ein. Der Zusammenstoß zweier gegensätzlicher Naturen und Überzeugungen ließ nicht lange auf sich warten: Tesla, der von den Vorzügen des Wechselstroms überzeugt war, stand einem Edison gegenüber, der leidenschaftlich für den Gleichstrom eintrat. Dieser „Krieg der Ströme" prägte das kommende Jahrzehnt der Elektrotechnik. Tesla verließ Edison, fand neue Geldgeber und entwickelte schließlich jenes System des Zweiphasenwechselstroms, das die Grundlage der modernen elektrischen Energieübertragung bildet. George Westinghouse erkannte das Potential dieser Technik und kaufte Teslas Patente.
Tesla erhielt in 26 Ländern über 280 Patente, davon 112 allein in den USA. Sein System setzte sich beim Bau des Wasserkraftwerks an den Niagarafällen durch — ein Triumph des Wechselstroms über den Gleichstrom. Doch trotz seiner epochalen Leistungen lebte Tesla in seinen späteren Jahren in zunehmender Isolation und Armut. Großangelegte Projekte wie der Wardenclyffe-Turm, mit dem er drahtlose Energieübertragung auf globaler Ebene demonstrieren wollte, scheiterten an fehlender Finanzierung.
Nikola Tesla starb am 7. Januar 1943 in einem Hotelzimmer in New York City, nahezu vergessen von der Welt, der er so viel gegeben hatte. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod wurde sein Lebenswerk vollständig gewürdigt. Die Maßeinheit für magnetische Flussdichte trägt heute seinen Namen: Tesla. Und in jeder Steckdose der Welt fließt Wechselstrom — nach dem Prinzip, das Nikola Tesla entwickelte und gegen alle Widerstände durchsetzte.