Abraham Lincoln wurde am 12. Februar 1809 in einer einfachen Blockhütte auf der Sinking Spring Farm nahe dem Dorf Hodgenville im Hardin County, dem heutigen LaRue County, in Kentucky geboren. Seine Eltern, der Farmer und Zimmermann Thomas Lincoln (1778–1851) und Nancy Hanks Lincoln (1784–1818), stammten beide aus Virginia. Zur Familie gehörten seine ältere Schwester Sarah sowie ein 1812 geborener Bruder Thomas jr., der kurz nach der Geburt verstarb. Die Familie stammte von Samuel Lincoln ab, der 1622 in der ostenglischen Grafschaft Norfolk geboren worden war und sich in der Massachusetts Bay Colony niedergelassen hatte.
Thomas Lincoln, ein frommer Baptist, lehnte die in Kentucky erlaubte Sklaverei aus religiöser Überzeugung ab, obwohl einige seiner Verwandten Sklavenhalter waren. Wegen anhaltender Landstreitigkeiten zog die Familie Ende 1816 von Hodgenville nach Little Pigeon Creek im sklavenfreien Indiana-Territorium, dem heutigen Spencer County. Mit neun Jahren verlor Abraham seinen wichtigsten familiären Halt: Seine Mutter Nancy starb 1818 an der sogenannten Milchkrankheit, einer durch vergiftete Milch übertragenen Erkrankung. Im darauffolgenden Jahr heiratete Thomas Lincoln die Witwe Sarah Bush Johnston, die drei eigene Kinder in die Ehe mitbrachte. Zeitlebens pflegte Abraham Lincoln eine herzliche Beziehung zu seiner Stiefmutter, die — anders als sein Vater — sein Streben nach Bildung verstand und förderte.
Die Bildungsmöglichkeiten an der Frontier, der damaligen Siedlungsgrenze zur Wildnis, waren äußerst begrenzt. Es gab nur sporadisch betriebene Einraumschulen, in denen Kinder aller Jahrgänge gemeinsam unterrichtet wurden. Lincoln besuchte von 1816 bis 1827 verschiedene Schulen, doch zwischen seinem elften und fünfzehnten Lebensjahr verbrachte er insgesamt nicht mehr als ein Jahr im Unterricht. Den Großteil seiner Bildung erwarb er sich als Autodidakt. Er war lesehungrig und verschlang jedes Buch, das er bekommen konnte: neben der King-James-Bibel beeinflussten ihn vor allem Shakespeares Dramen sowie Werke von Homer, Vergil, John Dryden, John Milton und Daniel Defoe. Seine Belesenheit wurde bald im Umkreis bekannt, und Nachbarn baten ihn schon als Jugendlichen, Briefe für sie aufzusetzen.
Im Wesentlichen aber bestand Lincolns frühes Leben aus harter Feldarbeit. Thomas Lincoln lieh seinen Sohn gegen Entgelt sogar an Nachbarn aus, die Hilfe benötigten. Die gesetzlich geschuldeten Löhne für diese Arbeit flossen bis zu Lincolns einundzwanzigstem Lebensjahr direkt an seinen Vater. Mit seiner Volljährigkeit zog Lincoln aus dem Elternhaus aus und begann ein eigenständiges Leben, zunächst als Ladengehilfe in New Salem, Illinois. Dort vertiefte er seine Rechtskenntnisse durch Selbststudium und machte sich als lokaler Politiker bekannt, was ihm 1834 erstmals die Wahl in das Repräsentantenhaus von Illinois einbrachte.
1836 erhielt Lincoln seine Zulassung als Rechtsanwalt und zog nach Springfield, der Hauptstadt von Illinois, wo er eine erfolgreiche Anwaltskanzlei aufbaute. Er heiratete 1842 Mary Todd, mit der er vier Söhne hatte: Robert, Edward, William und Thomas. Lincoln wurde zu einem der angesehensten Anwälte des Staates, bekannt für seine klare, einprägsame Argumentation und seinen trockenen Witz. Politisch profilierte er sich zunehmend als überzeugter Gegner der Ausweitung der Sklaverei auf neue Territorien. 1858 lieferte er sich bei den Senatswahlen in Illinois berühmte Debatten mit dem demokratischen Senator Stephen A. Douglas, in denen er seine Position zur Sklaverei klar darlegte.
Im November 1860 wurde Lincoln als Kandidat der neu gegründeten Republikanischen Partei zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt — als erster Präsident aus den Reihen dieser Partei. Seine Wahl löste eine politische Katastrophe aus: Elf sklavenhaltende Südstaaten traten aus der Union aus und gründeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Mit dem Angriff der Konföderierten auf Fort Sumter im April 1861 begann der Sezessionskrieg, der vier Jahre dauern und über 600.000 Menschenleben fordern sollte. Lincoln führte die verbliebenen Nordstaaten durch diesen verheerenden Konflikt mit einer Kombination aus strategischer Entschlossenheit, politischer Klugheit und moralischer Überzeugung.
Am 1. Januar 1863 trat Lincolns Emanzipationsproklamation in Kraft, die alle Sklaven in den aufständischen Südstaaten für frei erklärte. Dieses Dokument hatte zunächst begrenzte direkte Wirkung, veränderte aber den moralischen Charakter des Krieges fundamental: Es wurde zu einem Krieg für die Abschaffung der Sklaverei. 1864 wurde Lincoln für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die Schlussphase des Krieges erlebte er mit der stillen Entschlossenheit eines Mannes, der die Einheit seines Landes um jeden Preis verteidigen wollte. Im April 1865 kapitulierte die Konföderation; der Sezessionskrieg war gewonnen.
Nur wenige Tage nach dem Sieg wurde Lincoln am Abend des 14. April 1865 im Ford's Theatre in Washington, D.C., von dem Schauspieler und überzeugten Südstaatensympathisanten John Wilkes Booth durch einen Schuss in den Kopf schwer verletzt. Am frühen Morgen des 15. April 1865 erlag er seinen Verletzungen. Er war der erste Präsident der Vereinigten Staaten, der einem Attentat zum Opfer fiel. Kurz zuvor war noch der 13. Zusatzartikel zur Verfassung verabschiedet worden, der die Sklaverei in den gesamten USA rechtlich abschaffte. Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Er hatte das Land durch seine schwerste Krise geführt, die Union bewahrt und den Weg in eine Gesellschaft geebnet, die zumindest dem Recht nach für alle Menschen gleich sein sollte.
