Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo am Ufer des Mbashe-Flusses in der Nähe von Umtata, der Hauptstadt der Transkei, in der Südafrikanischen Union geboren. Sein Vater Gadla Henry Mandela gab ihm den Namen Rolihlahla, was wörtlich „Am Ast eines Baumes ziehen" bedeutet und sinngemäß so viel wie „Unruhestifter" heißt. Den britischen Namen Nelson erhielt er erst an seinem ersten Schultag. Seine Mutter, Nosekeni Fanny, war Gadlas dritte Ehefrau. Nelson hatte drei Schwestern und drei Brüder und wuchs als Angehöriger der Thembu, eines Teilvolks der Xhosa, auf. Innerhalb der Thembu-Monarchie gehörte er jedoch einer Nebenlinie an, so dass sein Vater für die Hofhaltung und Beratung des Monarchen verantwortlich war, nicht aber für die Thronfolge.
Mandela verbrachte eine naturverbundene Kindheit in relativem Wohlstand. Mit ungefähr fünf Jahren hütete er bereits Tiere, sammelte Essbares, lernte Fische zu fangen und mit Stöcken zu kämpfen. Doch nach einem Streit mit der weißen Provinzregierung verlor sein Vater Amt und Vermögen. Die Mutter zog daraufhin mit ihrem Sohn in das nahe gelegene Dorf Qunu. Der Junge wurde durch die „Sitte, das Ritual und die Tabu" der Xhosa geformt. Während seine Mutter in Qunu Christin wurde, blieb sein Vater den religiösen Traditionen der Xhosa treu — ließ seinen Sohn aber methodistisch taufen, um ihm eine formale Bildung zu ermöglichen.
1925 schickte ihn sein Vater auf die kleine Methodistenschule von Qunu. Als der Vater 1930 starb, war Nelson zwölf Jahre alt. Er wurde als Waise vom Stammesoberhaupt der Tembu adoptiert. Mit sechzehn wurde er in einem traditionellen Initiationsritual in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen und erhielt dabei den Namen Dalibunga, deutsch etwa „Gründer des Rates". Danach besuchte er das Clarkebury Boarding Institute in Engcobo, wo er sein Junior Certificate erhielt. 1937, im Alter von neunzehn Jahren, wechselte er an das Healdtown Wesleyan College bei Fort Beaufort, eine britisch geprägte methodistische Missionsschule etwa 250 Kilometer von Umtata entfernt.
Ab 1944 engagierte sich Mandela im African National Congress (ANC). Er studierte Jura in Johannesburg und eröffnete gemeinsam mit Oliver Tambo die erste schwarze Anwaltskanzlei des Landes. Die Apartheidpolitik — jenes System der institutionalisierten Rassentrennung und Diskriminierung, das die weiße Minderheitsregierung Südafrikas nach 1948 systematisch ausbaute — wurde zum zentralen Feind seines politischen Lebens. In dieser Zeit schloss er sich dem ANC-Jugendflügel an und gehörte zu jenen Stimmen, die den Widerstand radikaler und wirkungsvoller gestalten wollten.
Nach dem Massaker von Sharpeville im Jahr 1960, bei dem südafrikanische Polizisten Dutzende unbewaffnete Demonstranten erschossen, änderte Mandela seine Einschätzung gegenüber gewaltlosem Widerstand und gründete den bewaffneten Zweig des ANC, Umkhonto we Sizwe (Speer der Nation). Er reiste ins Ausland, um militärische Unterstützung zu organisieren, und wurde nach seiner Rückkehr verhaftet. 1963 begann der Rivonia-Prozess, in dem Mandela und andere ANC-Führer wegen Sabotage und Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands angeklagt wurden. Mandela nutzte die Gelegenheit, um vor Gericht eine bewegende Aussage zu machen, in der er erklärte, er sei bereit, für das Ideal einer freien und demokratischen Gesellschaft zu sterben.
Das Urteil lautete auf lebenslange Haft. Mandela wurde auf Robben Island inhaftiert, einer Gefängnisinsel vor der Küste Kapstadts, wo er die härtesten Bedingungen ertragen musste. Er verbrachte dort und in anderen Gefängnissen insgesamt 27 Jahre — von 1963 bis 1990. Während seiner Haft wurde er zum Symbol des weltweiten Widerstands gegen die Apartheid. Auf der ganzen Welt forderten Aktivisten, Regierungen und Künstler seine Freilassung; der Ruf „Free Nelson Mandela" wurde zur Parole einer Generation.
Unter dem wachsenden nationalen und internationalen Druck begann die südafrikanische Regierung unter Präsident F. W. de Klerk Anfang der 1990er Jahre, Gespräche mit dem ANC zu führen. Am 11. Februar 1990 wurde Mandela freigelassen — ein Ereignis, das live in der ganzen Welt übertragen wurde. Der Mann, der als Gefangener eingetreten war, verließ das Gefängnis ohne erkennbare Verbitterung. Mandela und de Klerk führten schwierige Verhandlungen über einen friedlichen Übergang zur Demokratie, die 1994 in den ersten freien Wahlen Südafrikas mündeten. Als Zeichen ihrer gemeinsamen Leistung erhielten beide 1993 den Friedensnobelpreis.
Im April 1994 wurde Nelson Mandela mit überwältigender Mehrheit zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt — von 1994 bis 1999 amtierte er in diesem Amt. Seine Politik der nationalen Versöhnung, verkörpert unter anderem durch die Wahrheits- und Versöhnungskommission, wurde weltweit als Modell für den Umgang mit einer traumatischen Vergangenheit angesehen. In Südafrika wird er mit dem Ehrennamen Madiba bezeichnet, dem Namen seines Thembu-Clans, sowie als Tata — isiXhosa für „Vater". Nelson Rolihlahla Mandela starb am 5. Dezember 2013 in Johannesburg. Er gilt als einer der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts und als lebendiger Beweis dafür, dass Würde und Versöhnung stärker sein können als Hass.