George Washington wurde am 22. Februar 1732 auf dem Gutshof Wakefield im Westmoreland County der Kolonie Virginia geboren. Sein Vater Augustine Washington, englischer Abstammung, starb bereits im April 1743, als George erst elf Jahre alt war. Die Familie gehörte zur Gentry Virginias und besaß nach dem Tod des Vaters immerhin 4.000 Hektar Land und 49 Sklaven, die er seiner Witwe Mary Ball und den sieben Kindern hinterließ. Die Mutterschaft von Mary Ball Washington bleibt genealogisch bemerkenswert, da ihre eigene Abstammung bis heute nicht vollständig geklärt ist.
Als Halbwaise unterstand George Washington der Vormundschaft seines vierzehn Jahre älteren Halbbruders Lawrence. Bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr besuchte er die Schule in Williamsburg, wo er trotz einer nur bescheidenen formalen Ausbildung ein ausgeprägtes Interesse an der Mathematik entwickelte. Zeitgenossen und spätere Kritiker – darunter der spätere Präsident John Adams – betonten, dass Washingtons Bildung zunächst rudimentären Charakter hatte und kaum über die einer Grundschule hinausging. Was ihm an akademischer Tiefe fehlte, glich er durch praktische Urteilskraft und einen ungewöhnlich festen Charakter aus.
In unmittelbarer Nachbarschaft des bescheidenen Mount Vernon lebte der kultivierte und einflussreiche Edelmann William Fairfax im luxuriösen Anwesen Belvoir. Die Mahagonimöbel allein im Speisezimmer dieses Hauses waren mehr wert als die gesamte Einrichtung der Familie Washington. Hier lernte der sechzehnjährige George Sally Fairfax, geborene Cary, die Schwiegertochter des Hausherrn, kennen. Sie verfeinerte seine Allgemeinbildung erheblich, und die Zuneigung, die Washington ihr gegenüber empfand, blieb sein ganzes Leben bestehen, auch nachdem er längst einen anderen Lebensweg eingeschlagen hatte.
Im Jahr 1748 begleitete Washington den Gatten von Sally, George William Fairfax, auf einer Vermessungsexpedition durch die Besitzungen der Familie Fairfax im Shenandoah-Tal. Diese Tätigkeit als Geometer – Washington führte in den folgenden drei Jahren insgesamt 190 Messungen in dieser Grenzregion Virginias durch – öffnete ihm die Augen für den wirtschaftlichen Wert von Landbesitz, den er später als das Wichtigste im Leben eines Mannes bezeichnete.
Washingtons militärische Karriere begann in der Kolonialzeit, als er Offizier der virginianischen Miliz wurde und im Französisch-Indianischen Krieg erste Kampferfahrungen sammelte. Diese Lehrjahre, geprägt von Niederlagen und Rückschlägen im Dickicht der nordamerikanischen Grenzgebiete, schmiedeten ihn zu einem erfahrenen Truppenführer, dem die harten Bedingungen des Geländekrieges vertraut waren. Aus dieser Zeit reifte in ihm auch eine tiefe Skepsis gegenüber der britischen Verwaltung, die koloniale Interessen allzu häufig zugunsten metropolitaner Ansprüche zurückstellte.
Mit dem Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges trat Washington ins Rampenlicht der Geschichte. Der Kontinentalkongress ernannte ihn 1775 zum Oberbefehlshaber der neu aufgestellten Kontinentalarmee – eine Position, die er bis zum Kriegsende 1783 innehatte. Washingtons größte Leistung in diesen Jahren bestand weniger in brillanten Schlachttaktiken als in seiner Fähigkeit, eine heterogene, schlecht ausgerüstete und chronisch unterversorgte Armee zusammenzuhalten. Er verstand es, durch persönliche Autorität und moralisches Gewicht die Disziplin aufrechtzuerhalten, wo Sold und Versorgung versagten.
Im Winter von 1777 auf 1778 in Valley Forge, einem der härtesten Kapitel des Krieges, bewies Washington eindrucksvoll, was Führungsstärke bedeutet: Tausende Soldaten litten unter Frost, Hunger und Krankheit, doch Washington blieb bei ihnen und verhinderte den Zusammenbruch der Armee. Der entscheidende Wendepunkt kam 1778 mit dem Kriegseintritt Frankreichs, das Washington mit Truppen, Schiffen und Geldmitteln unterstützte. Die Kapitulation Lord Cornwallis' bei Yorktown im Oktober 1781 besiegelte schließlich die amerikanische Unabhängigkeit.
Washingtons Rolle beschränkte sich nicht auf das Militärische. Im Jahr 1787 leitete er als Vorsitzender die verfassunggebende Versammlung in Philadelphia, die Convention, aus der die noch heute gültige Verfassung der Vereinigten Staaten hervorging. Sein Ansehen war so unbestritten, dass seine Anwesenheit den Delegierten die nötige Legitimität verschaffte, um über tiefgreifende Fragen staatlicher Organisation zu verhandeln.
Von 1789 bis 1797 amtierte Washington als erster Präsident der Vereinigten Staaten – ein Amt, für das es kein Vorbild gab. Bewusst schuf er Präzedenzfälle, die das Wesen der republikanischen Demokratie bis in die Gegenwart prägen. Er wirkte auf eine handlungsfähige Zentralregierung hin und widerstand dem Druck sowohl monarchischer Gelüste als auch separatistischer Strömungen. Als er nach zwei Amtszeiten freiwillig zurücktrat, bewies er, dass Macht in einer Republik gebunden und übertragbar sein muss.
Washington starb am 14. Dezember 1799 auf Mount Vernon, Virginia. Sein Erbe ist vielschichtig: Als Sklavenhalter, der selbst über 300 Menschen als Eigentum hielt, steht er für den tiefen Widerspruch einer Republik, die Freiheit verkündete, aber Sklaverei praktizierte. Dennoch gilt er als einer der bedeutendsten Gründerväter der Nation, der mit politischer Klugheit und persönlicher Integrität ein System formte, das auf Gewaltenteilung und ziviler Kontrolle beruht.
Zur Zweihundertjahrfeier der Vereinigten Staaten wurde Washington am 11. Oktober 1976 posthum der höchste militärische Dienstgrad eines General of the Armies of the United States verliehen – eine Ehrung für Vergangenheit und Gegenwart zugleich. Sein Urgroßvater väterlicherseits, der Engländer John Washington aus Essex, hatte den Grundstein einer Familiengeschichte gelegt, die mit dem ersten Präsidenten der amerikanischen Republik ihren welthistorischen Gipfelpunkt erreichte.

