Martin Luther King Jr. wurde am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, als Sohn der Lehrerin Alberta Christine Williams King und des Baptistenpastors Michael King Sr. geboren. Ursprünglich trug er selbst den Namen Michael King Jr., doch sein Vater änderte nach einer Europareise im Jahr 1934, die ihn im Zusammenhang mit dem baptistischen Weltkongress in Berlin auch nach Deutschland führte, beide Namen zu Ehren des Reformators Martin Luther. Dieser Name wurde für Vater und Sohn zum Ausdruck tiefen religiösen Empfindens.
King wuchs in der Auburn Avenue in Atlanta auf, einer Straße, in der fast ausschließlich wohlhabende Schwarze lebten. Er wuchs damit zwar in einem sozial stabilen Umfeld auf, doch die allgegenwärtige Rassentrennung der amerikanischen Südstaaten prägte sein Bewusstsein von früh an. Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Busse und Züge, selbst Toiletten und Waschbecken — alles war streng nach Hautfarbe getrennt. Diese Diskriminierung empfand King schon als Kind als tiefe Ungerechtigkeit, eine Haltung, die durch die Erziehung seines Vaters gestärkt wurde.
Sein Großvater väterlicherseits, James King, hatte auf Baumwollplantagen gearbeitet; der Großvater mütterlicherseits, Adam McNeil Williams, ein Sohn von Sklaven, war 1894 in die Ebenezer-Gemeinde eingetreten — dieselbe Kirchengemeinde, der alle nachfolgenden Generationen der Familie angehörten. King Sr. hatte als Hilfsmechaniker und Feuerwehrmann gearbeitet, seinen Schulabschluss an einer Abendschule nachgeholt und war bereits vor der Geburt seines Sohnes Vorsitzender der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) in Atlanta.
Schon mit 14 Jahren fuhr King Jr. von Atlanta nach Dublin in Georgia, um an einem Redner-Wettbewerb teilzunehmen, den er gewann. Bereits in dieser frühen Rede setzte er sich öffentlich für die Desegregation und die Stärkung der Nation ein. Diese Frühreife war kein Zufall: King studierte ab dem Alter von fünfzehn Jahren am Morehouse College in Atlanta und schloss danach ein Theologiestudium an. Er entwickelte sich zu einem mitreißenden Prediger und brillanten Redner, der die Worte der Bibel mit dem Kampf um bürgerliche Rechte verband.
Am 18. Juni 1953 heiratete King Jr. Coretta Scott Williams. Die Hochzeit fand in ihrem Elternhaus in Marion, Alabama, statt und wurde von Kings Vater vollzogen. Das Ehepaar bekam vier Kinder: Yolanda Denise, Martin Luther III., Dexter Scott und Bernice Albertine. Die junge Familie zog nach Montgomery in Alabama, wo King die Leitung der Dexter Avenue Baptist Church übernahm. Montgomery sollte zum Ausgangspunkt der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung werden.
Im Dezember 1955 weigerte sich die Näherin Rosa Parks, ihren Sitzplatz in einem Stadtbus für einen weißen Fahrgast freizumachen und wurde verhaftet. Die schwarze Gemeinschaft von Montgomery rief daraufhin zu einem Busboykott auf, der über ein Jahr andauerte und schließlich zur rechtlichen Aufhebung der Sitztrennung in Bussen führte. King wurde zum Anführer dieses Boykotts und zur bekanntesten Stimme des Civil Rights Movement. Sein Haus wurde bei dieser Zeit bombardiert; King reagierte mit der Forderung nach Gewaltlosigkeit und bewies damit die Überzeugungskraft seines Anliegens.
In den folgenden Jahren propagierte King, tief beeinflusst von Mahatma Gandhis Methode des gewaltlosen Widerstands, den zivilen Ungehorsam als zentrales Mittel im Kampf gegen Unterdrückung. Er organisierte Sit-ins, Demonstrationsmärsche und Protestaktionen, die landesweit Aufmerksamkeit erregten. Im August 1963 führte er den Marsch auf Washington an, bei dem mehr als 200.000 Menschen zusammenkamen. Dort hielt er seine berühmte Rede „I Have a Dream", in der er seine Vision einer Amerika beschrieb, in der Kinder aller Hautfarben als Brüder und Schwestern zusammenleben. Diese Rede wurde zur wohl bekanntesten politischen Ansprache des 20. Jahrhunderts.
Wesentlich durch Kings Einsatz und Überzeugungskraft wurden entscheidende Gesetze durchgesetzt: der Civil Rights Act von 1964, der Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen verbot, und der Voting Rights Act von 1965, der das uneingeschränkte Wahlrecht für die schwarze Bevölkerung der Südstaaten sicherte. Für sein Engagement erhielt King 1964 den Friedensnobelpreis. Er war bei der Verleihung 35 Jahre alt — einer der jüngsten Preisträger in der Geschichte des Nobelkomitees.
Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King Jr. im Alter von 39 Jahren auf dem Balkon des Lorraine Motels in Memphis, Tennessee, durch einen Gewehrschuss getötet. Er war in die Stadt gekommen, um streikende Müllarbeiter zu unterstützen. Sein Tod löste landesweite Trauer und schwere Unruhen aus. Die Nachwelt ehrt ihn mit einem nationalen Feiertag in den Vereinigten Staaten, dem Martin Luther King Day, der jeden dritten Montag im Januar begangen wird. Sein Lebenswerk steht als Beweis dafür, dass gewaltloser Widerstand selbst gegen die härtesten Unterdrückungsstrukturen nicht nur möglich, sondern wirksam ist.