Marco Polo wurde im Jahr 1254 in Venedig geboren und starb dort am 8. Januar 1324. Aus einer venezianischen Händlerfamilie stammend, die in der Stadt bereits seit dem Jahr 971 nachweisbar ist, wuchs er in einer Welt auf, in der Fernhandel und Abenteuerlust selbstverständliche Begleiter des Lebens waren. Die Familie Polo gehörte zwar nicht zur regierenden Oberschicht Venedigs, doch erscheint Marco in historischen Quellen als nobilis vir – als Edelmann –, ein Status, auf den er durchaus stolz war und der ihm auf Reisen eine besondere Behandlung einbrachte. Sein Name Polo leitet sich vom lateinischen Paulus ab, und schon der Großonkel Marco hatte im Jahr 1168 in Konstantinopel ein Handelsschiff kommandiert.
Marco Polos Vater Niccolò und dessen Bruder Maffeo hatten bereits vor Marco den Weg nach Osten eingeschlagen. Im Jahr 1260 brachen sie auf, um am Unterlauf der Wolga Edelsteine zu verkaufen. Über Konstantinopel reisten sie nach Soldaia auf der Krim, wo ein weiterer Polo-Bruder ein Handelskontor betrieb. Von dort zogen sie weiter in das von der Goldenen Horde beherrschte Gebiet. Schon vor ihnen hatten Mönche wie André de Longjumeau und Johannes de Plano Carpini im Auftrag von Papst Innozenz IV. sowie Wilhelm von Rubruk im Dienst des französischen Königs Ludwig IX. Reisen in den Osten unternommen und eigene Berichte verfasst. Niccolò und Maffeo gelangten schließlich bis nach China, in das von den Mongolen beherrschte Reich des Kublai Khan, und kehrten erst um 1269 nach Venedig zurück. In dieser Zeit war Marcos Mutter gestorben.
Als Niccolò und Maffeo Polo 1271 erneut nach Osten aufbrachen, nahmen sie den damals siebzehnjährigen Marco mit. Die Reise führte sie durch Persien, Zentralasien und über den Pamir nach China. Marco Polo trat in den Dienst des Großkhan Kublai und blieb dort über lange Jahre tätig. Er bereiste für den Khan weite Teile des Reiches, übernahm diplomatische Aufgaben und lernte mehrere Sprachen. Was er sah, war für europäische Augen schlechterdings unvorstellbar: gewaltige Städte, ausgefeilte Verwaltungssysteme, Papiergeld, Kohle als Brennstoff, Seidenproduktion in industriellem Ausmaß.
Im Jahr 1295 kehrte Marco Polo nach Venedig zurück. Das Haus der Familie befand sich etwa am Zusammentreffen des Rio di San Giovanni Crisòstomo und des Rio di San Lio; vermutlich lag es am Corte seconda del Milion, dort wo später das Teatro Malibran entstand. Dieses Haus brannte 1596 ab. Marco hatte die Stadt kaum wiedergefunden, als der nächste Wendepunkt seines Lebens kam: 1298 geriet er als Kommandant eines venezianischen Kriegsschiffes in genuesische Gefangenschaft.
In der Gefangenschaft, in höchstens acht Monaten, diktierte Marco Polo einem Mitgefangenen namens Rustichello da Pisa seine Reisegeschichte. Das entstandene Werk – auf Altfranzösisch verfasst und später in zahlreiche Sprachen übersetzt – schilderte das Kaiserreich China, das in Europa bis dahin weitgehend unbekannt geblieben war, mit einer Fülle an Einzelheiten, die das Staunen der Zeitgenossen erregten und zugleich Skepsis weckten. Viele glaubten ihm nicht. Den Beinamen „Il Milione" – der Millionensager – verdankte er womöglich den überwältigenden Zahlen, die er nannte.
Im Mai 1299 kehrte Marco Polo aus der Gefangenschaft nach Venedig zurück. Kurz darauf heiratete er Donata Badoer, die einer der einflussreichsten Familien der Stadt entstammte. Mit ihr hatte er drei Töchter. Noch vor seiner Heirat war eine weitere Tochter namens Agnese zur Welt gekommen, die 1319 starb und ihrerseits eine Tochter und zwei Söhne hinterließ. Insgesamt hatte Marco Polo also vier Töchter, eine Enkelin und zwei Enkelsöhne. Sein noch im Januar 1324 aufgesetztes Testament liegt bis heute im Staatsarchiv Venedig – ein einzigartiges Dokument, das das Ende eines langen, abenteuerlichen Lebens bezeugt.
Über Marcos Vater Niccolò ist nur bekannt, dass er um 1300 verstarb. Von seinem Onkel Maffeo ist ein 1310 angefertigtes Testament überliefert, das die Schenkung von drei Goldtafeln durch den Großkhan auf der ersten Reise der Brüder belegt. Diese Goldtafeln waren sichere Geleitbriefe durch das gesamte Mongolenreich – ein einzigartiges Reisedokument des Mittelalters.
Das Erbe Marco Polos ist unbestreitbar gewaltig. Seine Berichte inspirierten Generationen von Seefahrern und Entdeckern – darunter Christoph Kolumbus, der sein Exemplar von Polos Reisebericht voller Randnotizen hinterließ. Die Route, die Polo beschrieb, wurde zur Grundlage für die europäische Vorstellung vom Reich der Mitte. Ob alle seine Schilderungen buchstäblich wahr sind, bleibt in der Forschung umstritten; historische Fehler und Übertreibungen wurden ebenso nachgewiesen wie eine erstaunliche Genauigkeit in vielen Detailbeschreibungen. Was feststeht: Marco Polo öffnete Europa das Fenster in eine Welt, die es bis dahin allenfalls aus dem Hörensagen kannte.


