biografias

Jeanne d’Arc

Französische Nationalheldin und Heilige der katholischen und der anglikanischen Kirche

7 min01/01/2024
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Im kleinen Dorf Domrémy an der Maas in der Landschaft Lothringen wurde um das Jahr 1412 ein Mädchen geboren, das die Geschichte Frankreichs und Europas verändern sollte. Jeanne d'Arc – im deutschsprachigen Raum auch als Johanna von Orléans oder Jungfrau von Orléans bekannt – wuchs in einer wohlhabenden Bauernfamilie auf. Ihr Vater hieß Jacques Darc, ihre Mutter Isabelle Romée. Die Schreibweise „d'Arc" mit dem adligen Apostroph tauchte übrigens erst im 16. Jahrhundert auf, um eine spätere Nobilitierung der Familie anzudeuten – Jeanne selbst war schlicht die Tochter eines Bauern.

Der Hintergrund, vor dem Jeannes Leben sich entfaltete, war ein Europa, das seit Generationen unter dem Hundertjährigen Krieg litt. England hatte seit dem frühen 14. Jahrhundert Ansprüche auf den französischen Thron erhoben. König Eduard III. von England berief sich als Sohn von Isabelle, der Tochter Philipps IV. von Frankreich, auf Erbrechte, die französische Rechtsgelehrte jedoch ablehnten, weil Frauen und ihre Nachkommen von der Thronfolge ausgeschlossen waren. Am 28. Mai 1328 wurde schließlich Philipp VI. aus dem Haus Valois in Reims zum König Frankreichs gesalbt. Der Konflikt schwelte weiter: 1415 besiegte der englische König Heinrich V. die Franzosen in der berühmten Schlacht von Azincourt und erhob erneut Anspruch auf den Thron. Englische Truppen hatten schließlich den Norden Frankreichs bis zur Loire besetzt, und Orléans – der Schlüssel zur Überquerung des Flusses – war von John of Lancaster, einem Bruder Heinrichs V., eingekesselt.

In diese verzweifelte Lage hinein traten Jeannes Visionen. Gemäß dem Gerichtsprotokoll begann sie mit dreizehn Jahren, Stimmen zu hören. Zuerst war es die Heilige Katharina, später gesellten sich die Stimme des Erzengels Michael und der Heiligen Margareta hinzu. Diese Erscheinungen trugen ihr einen göttlichen Auftrag auf: Frankreich von den Engländern zu befreien und den Dauphin Karl auf den Thron zu führen. Für ein junges Mädchen aus der bäuerlichen Provinz war dies eine unvorstellbare Mission.

Gegen Ende Dezember 1428 verließ Jeanne ihr Elternhaus. Am 1. Januar 1429 versuchte sie erstmals, beim Stadtkommandanten der Festung Vaucouleurs, Robert de Baudricourt, vorzusprechen. Zwei Versuche scheiterten, doch beim dritten gelang ihr eine Audienz. Sie überzeugte ihn durch ihre Standfestigkeit – unter anderem küsste sie ein Kreuz als Zeichen ihrer Aufrichtigkeit –, und am 22. Februar 1429 stellte er ihr eine Eskorte zur Verfügung, darunter Jean de Metz und Bertrand de Poulengey. Sie war damals fast siebzehn Jahre alt.

Jeanne gelangte zum Hof des Dauphins Karl und überzeugte ihn durch ihre Gewissheit und ihr theologisches Wissen von der Echtheit ihrer Sendung. Sie erhielt einen Panzer, ein Banner und das Kommando über Truppen. In der Folge des Frühjahrs 1429 führte sie die französischen Streitkräfte zur Entsatzschlacht von Orléans. Die Belagerung, die die Engländer aufrechterhalten hatten, wurde aufgebrochen. Dieser Sieg, für den Jeanne sowohl militärisch als auch durch ihre unerschütterliche moralische Präsenz entscheidend war, brach den psychologischen Bann der englischen Überlegenheit.

Im Anschluss an den Sieg geleitete Jeanne den Dauphin auf dem Triumphzug nach Reims, wo Karl VII. am 17. Juli 1429 in der Kathedrale feierlich zum König von Frankreich gesalbt wurde. Dieser Moment war der symbolische Gipfelpunkt von Jeannes Mission: Der rechtmäßige König war gekrönt, Frankreich hatte sein Oberhaupt zurückerhalten.

Doch das Glück wendete sich. Bei der Belagerung von Compiègne wurde Jeanne d'Arc am 23. Mai 1430 von Truppen unter dem Befehl Johanns II. von Luxemburg gefangen genommen und später an die Engländer verkauft. Ein kirchliches Verfahren unter der Leitung des pro-englisch gesinnten Bischofs von Beauvais, Pierre Cauchon, sollte sie nun nicht nur militärisch, sondern auch moralisch vernichten. Die Anklage umfasste Ketzerei, Zauberei und das Tragen von Männerkleidung.

Am 30. Mai 1431 wurde Jeanne d'Arc auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie war neunzehn Jahre alt. Augenzeugen berichteten, sie habe bis zuletzt den Namen Jesu ausgerufen. Der englische Sekretär John Tressart soll nach der Hinrichtung erschüttert gesagt haben, man habe eine Heilige verbrannt.

24 Jahre nach dem Tod Jeannes strengte die päpstliche Kurie einen Revisionsprozess an. 1456 wurde das Urteil von 1431 offiziell aufgehoben und Jeanne zur Märtyrerin erklärt. Ihr vollständige kirchliche Rehabilitation kam Jahrhunderte später: 1909 sprach Papst Pius X. sie selig, und 1920 erfolgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XV. Ihr Gedenktag ist der 30. Mai, an dem ihrer auch in der Church of England gedacht wird.

Das Vermächtnis der Jungfrau von Orléans reicht weit über die Schlachtfelder des 15. Jahrhunderts hinaus. Sie ist Nationalheilige Frankreichs, Symbol des Widerstands gegen Fremdherrschaft und eine der bekanntesten Frauen der Geschichte. Ihre Geschichte hat Legenden, Dramen, Romane und Filme inspiriert – von Schillers Drama bis zu Hollywoods Kinoproduktionen. Was bleibt, ist das Bild eines Bauernmädchens, das mit einer Überzeugung in die Geschichte trat, die größer war als alle Heeresmacht der Zeit.

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