Kein Name der modernen Geschichte strahlt mehr Glanz und mehr Schrecken aus als der Napoleons. Als Napoleone Buonaparte am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika geboren, war er das zweite Kind von Carlo Buonaparte und Letizia Ramolino, einem Paar, das gemeinsam dreizehn Kinder hatte, von denen acht die frühe Kindheit überlebten. Die Insel Korsika war kurz vor seiner Geburt von besonderer historischer Bedeutung: Nach einem langen Unabhängigkeitskrieg gegen die Republik Genua wurde sie 1768 an Frankreich verkauft, ein Jahr bevor Napoleon das Licht der Welt erblickte. Er wurde also formal als Franzose geboren, doch seine korsische Identität und die Erzählungen vom Freiheitskampf der Insel prägten seine frühe Kindheit tief.
Die Familie gehörte dem korsischen Kleinadel an und hatte ihre Wurzeln in der Toskana; sie war seit dem frühen 16. Jahrhundert auf der Insel ansässig. Sein Großvater war der korsische Politiker Giuseppe Maria Buonaparte. Sein Vater Carlo hatte als Sekretär des korsischen Revolutionärs und Widerstandskämpfers Pascal Paoli an der Seite dieses Mannes für die Unabhängigkeit Korsikas gekämpft, war aber nach der vernichtenden Niederlage in der Schlacht bei Ponte Novu 1769 gezwungen, sich der französischen Herrschaft zu fügen. Paoli, der ins britische Exil ging, blieb Napoleons jugendliches Idol bis in die frühen 1790er Jahre. Am 21. Juli 1771 wurde Napoleon in der Kathedrale Notre-Dame-de-l'Assomption getauft.
Seine militärische Ausbildung erhielt Napoleon in Frankreich; mit fünfzehn Jahren trat er in die Militärschule in Paris ein. Als Kind einer Adelsfamilie, wenn auch aus der Provinz, befand er sich unter Söhnen des französischen Hochadels oft in einer unbehaglich fremden Position. Sein korsischer Akzent und sein Außenseiterstatus schärften seinen Ehrgeiz und seine Entschlossenheit. Die Französische Revolution von 1789 erschütterte die alte Ordnung und öffnete talentierten Offizieren bürgerlicher Herkunft den Weg nach oben. Napoleon nutzte diese Gunst der Stunde meisterhaft.
Seinen ersten großen Ruhm erntete er bei der Belagerung von Toulon im Jahr 1793, wo er als Artillerieoffizier entscheidend zur Rückeroberung der von britischen Truppen besetzten Stadt beitrug. Wenig später trat er durch seinen Einsatz zur Niederschlagung eines royalistischen Aufstands in Paris in Erscheinung. Die Feldzüge in Italien von 1796 bis 1797 machten ihn vollends zur nationalen Berühmtheit: Mit einer verarmten, desolaten Armee bezwang er die österreichischen Streitkräfte in einer Serie brillanter Schlachten und schuf faktisch eine neue Ordnung auf der Halbinsel. Die Ägyptische Expedition von 1798 bis 1799 scheiterte militärisch, schuf aber durch die archäologischen Entdeckungen seiner Gelehrten die Grundlage der modernen Ägyptologie und befeuerte Napoleons mythenumwobenen Ruf weiter.
Während er in Ägypten war, versank Frankreich in innerer Instabilität. Napoleon kehrte zurück und nutzte die Situation mit dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII am 9. November 1799, um die Macht zu übernehmen, zunächst als einer von drei Konsuln, bald aber als Erster Konsul mit diktatorischer Gewalt. Das sogenannte Konsulat von 1799 bis 1804 war eine Epoche gewaltiger Reformen. Der Code civil, das napoleonische Zivilgesetzbuch von 1804, legte die rechtliche Gleichheit der Bürger, den Schutz des Eigentums und säkularisierte Prinzipien fest; es gilt bis heute als eines der einflussreichsten Rechtsdokumente der Weltgeschichte und diente als Vorbild für Zivilgesetzbücher in weiten Teilen Europas, Lateinamerikas und Nordafrikas. Er reformierte die Verwaltung, das Bildungswesen und die Finanzen Frankreichs grundlegend.
Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon selbst in der Kathedrale Notre-Dame de Paris zum Kaiser der Franzosen, in Gegenwart von Papst Pius VII. Die europäischen Koalitionskriege, die in den folgenden Jahren folgten, brachten ihm Siege von epochaler Dimension: Austerlitz im Dezember 1805, wo er Russland und Österreich vernichtend schlug, gilt bis heute als sein taktisches Meisterwerk. Jena und Auerstedt 1806 zerschmetterten Preußen. Nach dem Frieden von Tilsit 1807 beherrschte Napoleon faktisch den größten Teil Kontinentaleuropas. Er löste das Heilige Römische Reich 1806 auf und ersetzte es durch den Rheinbund, dessen Protektor er war. Familienmitglieder und Vertraute setzte er als Monarchen in verschiedenen Ländern ein.
Doch Napoleons Hegemonialpolitik stieß an ihre Grenzen. Großbritannien blieb ungebeugt und kontrollierte die Meere nach der vernichtenden Niederlage der französisch-spanischen Flotte bei Trafalgar 1805. Spanien, wo er seinen Bruder Joseph als König einsetzte, wurde zum Schauplatz eines blutigen Guerillakrieges, der französische Kräfte auf Jahre band. Der Russlandfeldzug von 1812 wurde zur größten Katastrophe seiner Herrschaft: Mit einer Armee von etwa 600.000 Mann marschierte er nach Osten, doch die russische Strategie des Rückzugs und der verbrannten Erde, der Brand von Moskau und der vernichtende Winterrückzug kosteten ihn den größten Teil seiner Streitkräfte. Dieses Desaster eröffnete die Befreiungskriege.
In der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 wurde Napoleon von den vereinten Truppen Russlands, Österreichs, Preußens und Schwedens besiegt. Im April 1814 dankte er ab und wurde auf die Mittelmeerinsel Elba verbannt. Doch bereits im März 1815 kehrte er nach Frankreich zurück; die sogenannten Hundert Tage sahen sein kurzes Wiederaufleben an der Macht. Die endgültige Niederlage kam bei Waterloo am 18. Juni 1815, wo er den kombinierten britischen und preußischen Streitkräften unterlag. Diesmal verbannte die Siegermächte ihn auf die einsame britische Insel St. Helena im Südatlantik.
Napoleon starb dort am 5. Mai 1821 in Longwood House. Er war einundfünfzig Jahre alt. Sein Erbe ist von unvergleichlicher Ambivalenz: ein Gesetzgeber, der Gleichheitsprinzipien in ganz Europa verbreitete, und ein Kriegsführer, dessen Feldzüge Millionen das Leben kosteten. Die Diktaturen des 19. und 20. Jahrhunderts bezogen sich auf sein Modell. Die Nationalstaatsbewegungen, die er selbst anfangs gefördert hatte, wurden schließlich zu seiner gefährlichsten Feindin. Sein Name ist Synonym für militärisches Genie, politischen Pragmatismus und die Vergänglichkeit auch größter Macht.
