Am 20. Juli 356 v. Chr. erblickte Alexander in Pella, der Hauptstadt Makedoniens, das Licht der Welt. Seine Eltern waren König Philipp II. von Makedonien und Königin Olympias, eine Tochter des Königs Neoptolemos I. von Epeiros. Von Geburt an war er mit einer gewaltigen mythologischen Ahnengalerie ausgestattet: Sein Vater führte den Stammbaum auf Herakles zurück, seinen väterlicherseits auf Karanos, den sagenhaften ersten König der Makedonen. Seine Mutter rühmte sich der Abstammung von Achilleus und Aiakos. Diese göttliche Herkunft war mehr als fromme Legende; sie war politisches Programm und formte Alexanders Selbstverständnis als zukünftiger Weltenherrscher von frühester Jugend an.
Makedonien galt im Kulturraum des antiken Griechenlands als Randgebiet, das von vielen Hellenen als barbarisch betrachtet wurde. Nur das Königsgeschlecht der Argeaden, dem Alexander angehörte, wurde aufgrund beanspruchter Abstammung von Herakles als griechisch anerkannt. Im frühen 5. Jahrhundert v. Chr. hatten Makedonen erstmals Zutritt zu den Olympischen Spielen erhalten, nachdem König Alexander I. eine Herkunft aus dem griechischen Argos geltend gemacht hatte. Das Makedonische, von dem nur wenige Wörter überliefert sind, klang für die Griechen wie eine fremde Sprache, und ob es ein nordgriechischer Dialekt oder eine verwandte eigenständige Sprache war, ist bis heute umstritten.
Für Alexanders Erziehung sorgte sein Vater Philipp auf außerordentliche Weise: Ab dem Jahr 343 v. Chr. wurde der junge Prinz vom großen Philosophen Aristoteles unterrichtet, der eigens nach Makedonien berufen wurde. In Mieza, einem Ort nahe Pella, unterrichtete Aristoteles den zukünftigen Welteroberern in Philosophie, Medizin, Naturwissenschaften und Rhetorik. Diese intellektuelle Prägung begleitete Alexander sein Leben lang; er soll stets eine mit Anmerkungen versehene Kopie von Homers Ilias mit sich geführt haben. Eine der berühmten Legenden seiner Kindheit berichtet, dass er als Junge das Pferd Bukephalos zähmte, das zuvor niemand hatte bändigen können. Alexander erkannte, was andere nicht sahen: Das Tier scheute seinen eigenen Schatten. Als Philipp dieses Geschick beobachtete, sagte er seinem Sohn, er solle sich ein Reich suchen, das seiner würdig sei, denn Makedonien sei nicht groß genug für ihn.
Philipp II. hatte Makedonien von einem eher unbedeutenden Kleinstaat zur dominierenden Macht Griechenlands gemacht und den Korinthischen Bund gegründet, einen Zusammenschluss griechischer Stadtstaaten unter makedonischer Führung. Als Philipp 336 v. Chr. ermordet wurde, übernahm der zwanzigjährige Alexander die Herrschaft als König Alexander III. von Makedonien und Hegemon des Korinthischen Bundes. Seine ersten Handlungen waren charakteristisch entschlossen: Er sicherte die nordgriechischen Grenzen durch schnelle Feldzüge gegen thrakische und illyrische Stämme, unterdrückte einen Aufstand der griechischen Städte und ließ Theben, das sich gegen ihn erhoben hatte, nahezu vollständig zerstören.
Im Jahr 334 v. Chr. überquerte Alexander mit einem Heer von etwa 37.000 Mann den Hellespont und begann die Eroberung des Persischen Reiches unter dem Achämenidenkönig Dareios III. Am Granikos schlug er die erste persische Streitmacht. Bei Issos 333 v. Chr. besiegte er das Hauptheer des Dareios persönlich und zwang den Perserkönig zur Flucht; Dareios' Familie geriet in Gefangenschaft. Anstatt Dareios zu verfolgen, wandte sich Alexander der Levante zu: Die Belagerung und Einnahme von Tyros, einer mächtigen Inselstadt, die acht Monate trotzte, gehört zu den beeindruckendsten Ingenieursleistungen der antiken Kriegskunst.
In Ägypten wurde Alexander 331 v. Chr. als Befreier vom Perserjoch willkommen geheißen und als Pharao begrüßt; er besuchte das berühmte Orakel des Zeus Ammon in der Oase Siwa, das ihn angeblich als Sohn des Gottes bestätigte. Er gründete Alexandria, das zur bedeutendsten Stadt der hellenistischen Welt werden sollte. Die entscheidende Konfrontation mit Dareios fand bei Gaugamela im Oktober 331 v. Chr. statt; Dareios erlitt eine vernichtende Niederlage und floh erneut, bevor er 330 v. Chr. von einem seiner eigenen Satrapen ermordet wurde. Alexander ließ ihn mit königlichen Ehren bestatten.
Der Zug führte weiter ostwärts: Persepolis, das Herzstück des Perserreiches, fiel in Alexanders Hände und brannte nieder, ein Akt, den er später bedauert haben soll. Er drang in die zentralasiatischen Provinzen vor, kämpfte in Baktrien und Sogdien und heiratete dort Roxane, die Tochter eines baktrischen Adligen, eine Verbindung, die Vertreter des makedonischen Adels mit Argwohn betrachteten. Im Jahr 327 v. Chr. führte Alexander sein Heer in den indischen Subkontinent. Er besiegte König Poros am Hydaspes 326 v. Chr. in einer brillanten taktischen Leistung. Doch am Fluss Hyphasis weigerte sich sein erschöpftes Heer, weiterzuziehen. Zum ersten und einzigen Mal musste Alexander nachgeben.
Der Rückmarsch durch die Wüste Gedrosiens forderte schreckliche Verluste. Alexander kehrte nach Babylon zurück, das er zur neuen Hauptstadt seines Reiches bestimmt hatte. Hier starb er am 10. Juni 323 v. Chr. im Alter von nur zweiunddreißig Jahren, möglicherweise an Typhus, vielleicht an einer anderen Krankheit, oder, wie manche vermuteten, durch Vergiftung. Er hinterließ kein geordnetes Nachfolgearrangement; seine Feldherren, die Diadochen, rissen das Reich unter sich.
Alexanders Feldzug hatte die antike Welt für immer verändert. Das Zeitalter des Hellenismus begann: Die griechische Sprache, Kunst und Philosophie verbreiteten sich über Ägypten, Persien, Mesopotamien und bis nach Indien. Alexandrien in Ägypten wurde mit seiner berühmten Bibliothek zum intellektuellen Zentrum der antiken Welt. Diese hellenistische Prägung überlebte den politischen Zerfall des Alexanderreiches und wirkte durch Rom und Byzanz noch Jahrhunderte fort. Alexander selbst wurde in der Antike wie in späteren Zeiten zur Verkörperung des heroischen Kriegers und des ehrgeizigen Welterobererschicksals; sein Bild prägte Feldherren von Caesar bis Napoleon, die sich offen an ihm maßen.
