tragedias

Batepá-Massaker

Massaker an hunderten eingeborenen Kreolen

4 min01/01/2024
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Das Batepá-Massaker vom 3. Februar 1953 gilt als eines der dunkelsten Kapitel in der Kolonialgeschichte der portugiesischen Insel São Tomé. Es war ein Wendepunkt, der das Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung für ihre unterdrückte Lage schärfte und langfristig zur Unabhängigkeitsbewegung beitrug, die das Land Jahrzehnte später aus dem Griff des Kolonialismus befreien sollte.

São Tomé war zu jener Zeit einer der bedeutendsten Kakaobohnen-Produzenten weltweit. Die Wirtschaft der Insel stützte sich auf riesige Plantagen, die sogenannten „Roças", die nach einem quasi-feudalen System funktionierten. Diese Güter holten ihre Arbeitskräfte – die sogenannten Serviçais oder Tagelöhner – hauptsächlich vom afrikanischen Festland sowie von den Kapverdischen Inseln. Die Roças dominierten das wirtschaftliche und soziale Leben der Insel auf eine Weise, die kaum Raum für andere Lebensmodelle ließ.

In diesem Umfeld lebten die Forros, die eingeborenen Kreolen São Tomés. Sie betrachteten die schwere körperliche Arbeit auf den Plantagen seit jeher als eine Form der Sklaverei und hatten sich historisch immer dagegen gesträubt, als Lohnarbeiter auf den Roças tätig zu werden. Diese Haltung war tief in ihrer Identität verwurzelt und stellte für die Kolonialverwaltung ein dauerhaftes Problem dar.

Carlos Gorgulho, der 1945 zum Gouverneur ernannt worden war, verfolgte eine Modernisierungspolitik, die sich an den Idealen der portugiesischen Estado-Novo-Diktatur orientierte. Er wollte die Abhängigkeit der Insel von ausländischen Arbeitskräften verringern und erleichterte deshalb den bestehenden Serviçais die Rückkehr in ihre Heimatländer. Gleichzeitig versuchte er, durch verbesserte Arbeitsbedingungen auf den Roças mehr einheimische Arbeitskräfte anzuwerben. Um die Forros wirtschaftlich unter Druck zu setzen, verbot er den Verkauf von Palmwein und selbst hergestelltem Schnaps und erhöhte die Steuern drastisch – von 30 auf 90 Escudos – in der Hoffnung, sie zur Lohnarbeit zu drängen.

Im Jahr 1952 verschärfte sich die Arbeitskräfteknappheit auf der Insel erheblich. Die Kolonialadministration schlug vor, 15.000 neue Arbeiter von den Kapverdischen Inseln nach São Tomé zu holen. Gleichzeitig missbrauchte die Verwaltung polizeiliche Mittel, um Menschen für Zwangsarbeit bei öffentlichen Bauvorhaben zu rekrutieren. Im Januar 1953 verbreiteten sich unter den Forros beunruhigende Gerüchte: Die Regierung plane angeblich, ihr Land zu beschlagnahmen und es den neu angeworbenen Kapverdier-Arbeitern zu übergeben, während die Forros selbst zur Lohnarbeit gezwungen werden sollten.

Am 2. Februar 1953 tauchten in der Hauptstadt São Tomé handgeschriebene Flugblätter auf, die denjenigen mit dem Tod drohten, die Forros als Lohnarbeiter beschäftigen würden. Die Kolonialregierung reagierte mit einer offiziellen Erklärung, doch die Stimmung war bereits aufgeheizt. Am 3. Februar versammelten sich Protestdemonstranten, und die Polizei tötete einen der Teilnehmer, Manuel da Conceição Soares. Sein Tod wirkte wie ein Funke in einem Pulverfass.

Am folgenden Tag weitete sich der Protest auf den kleinen Ort Batepá bei Trindade aus. Gouverneur Gorgulho reagierte, indem er die Kolonisten und die Verwaltung über eine angeblich im Entstehen begriffene kommunistische Rebellion informierte. Er rief alle weißen Kolonisten dazu auf, sich zu bewaffnen, um sich und ihre Familien zu schützen. In aller Eile wurden Milizen zusammengestellt; neben Kolonisten beteiligten sich auch einige Kapverdianer sowie von den Siedlern mobilisierte angolanische und mosambikanische Arbeiter an den Aktionen gegen die Forros.

Was folgte, war ein Blutbad, dessen genaues Ausmaß schwer zu beziffern ist. In wenigen Tagen töteten die Milizen und die Kolonialverwaltung hunderte Forros. Besonders schockierend waren einzelne Einzelheiten der Gräueltaten: Allein 28 Personen erstickten in einer Zelle der örtlichen Corpo de Polícia Indígena (CPI), der Eingeborenenpolizei. Auf einer Plantage wurden zwanzig Menschen bei lebendigem Leibe verbrannt. In den Gefängnissen wandten die Behörden elektrische Folter an, und zahlreiche Gefangene starben infolge von Misshandlungen, Schlägen und brutaler Zwangsarbeit.

Behauptungen über kommunistische Verschwörungen konnten zu keinem Zeitpunkt belegt werden. Gorgulhos Darstellung war von Anfang an eine Schutzbehauptung, die dazu diente, die systematische Gewalt gegen eine Bevölkerungsgruppe zu rechtfertigen, die schlicht ihre Grundrechte einforderte. Die Repression richtete sich gegen Menschen, die Angst vor dem Verlust ihres Landes und ihrer Lebensweise hatten.

Das Batepá-Massaker blieb im kollektiven Gedächtnis São Tomés unvergessen. Es wurde zum zentralen Symbol des Widerstands gegen die portugiesische Kolonialherrschaft und inspirierte spätere Generationen von Aktivisten und Politikern, die für die Unabhängigkeit des Landes kämpften. São Tomé und Príncipe erlangte schließlich am 12. Juli 1975 seine Unabhängigkeit von Portugal.

Bis heute wird der 3. Februar in São Tomé und Príncipe als Nationaler Märtyrertag begangen. Das Gedenken an die Opfer des Massakers ist ein fester Bestandteil der nationalen Identität und erinnert an den Preis, den die Bevölkerung für das Recht auf Würde und Selbstbestimmung zahlen musste.

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