tragedias

Avianca-Flug 052

Flugunfall im Jahr 1990

5 min01/01/2024
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In der Nacht des 25. Januar 1990 ereignete sich vor der Küste Long Islands eines der folgenreichsten Flugunglücke in der Geschichte der amerikanischen Zivilluftfahrt. Avianca-Flug 052, ein Linienflug der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca von Medellín nach New York, stürzte wegen Treibstoffmangels ab – und hinterließ eine Branche, die ihre Kommunikationsprotokolle und Notfallprozeduren grundlegend überdenken musste.

Das eingesetzte Flugzeug war eine Boeing 707-321B mit dem Kennzeichen HK-2016, ein 23 Jahre altes Modell, das zu jenem Zeitpunkt bereits zu den älteren Maschinen im Betrieb zählte. Kurz nach 15 Uhr war der Flug AV 052 nach einer Zwischenlandung in Medellín mit rund 41 Tonnen Treibstoff (entspricht etwa 81.000 Pfund) in Richtung New York gestartet. Unter normalen Umständen hätte dieser Vorrat für die geplante Route problemlos gereicht.

Doch die Bedingungen an jenem Tag waren alles andere als normal. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet hatte die gesamte Ostküste der Vereinigten Staaten in dichten Nebel gehüllt. Die Sichtweite war auf unter 500 Meter gesunken, was den Flugbetrieb in weiten Teilen des Landes zum Erliegen brachte. Allein am Flughafen Boston waren 53 Flüge verspätet, am John F. Kennedy International Airport in New York waren es 99 und am Flughafen Newark sogar mehr als 200.

Als AV 052 nach dem Überqueren Kubas in den US-amerikanischen Luftraum eintrat, erfuhr die Besatzung, dass sie zunächst Warteschleifen fliegen müsste. Vor Beginn der ersten Warteschleife bei Norfolk waren noch etwa 8,5 Tonnen Treibstoff im Tank – eine Menge, die exakt der Kalkulation für diesen Streckenabschnitt entsprach, also keinerlei Reserve enthielt. Die Maschine kreiste etwa 16 Minuten lang in der Nähe von Norfolk. Nahe Atlantic City folgten weitere 27 Minuten Warteschleife, und kurz vor dem Zielflughafen musste AV 052 nochmals zwischen 29 und 46 Minuten über der Intersection CAMRN kreisen. Insgesamt summierten sich die erzwungenen Warteschleifen auf fast eineinhalb Stunden zusätzliche Flugzeit – genau 89 Minuten.

Um 20:44 Uhr teilte die Besatzung der Flugsicherung mit, dass der Treibstoffvorrat so gering sei, dass Boston als Ausweichziel nicht mehr in Frage komme. Erster Offizier Mauricio Klotz meldete der Flugsicherung wiederholt, dass der Treibstoff zur Neige gehe – versäumte es jedoch, den international eindeutig definierten Begriff des Notfalls auszusprechen. Dieser Unterschied sollte verheerende Folgen haben: Hätte Klotz den Notfall erklärt, hätte die Flugsicherung AV 052 sofort Vorrang eingeräumt und unverzüglich eine freie Landebahn zugewiesen.

Um 20:47 Uhr beendete die Maschine die Warteschleife und begann den ILS-Landeanflug auf Landebahn 22L des JFK-Airports. Um 21:15 Uhr erhielten sie vom Tower die Landeerlaubnis. Im Endanflug geriet AV 052 jedoch in starke Scherwinde und sank auf weniger als 500 Fuß (rund 150 Meter) Höhe – weit unterhalb des vorgesehenen Gleitpfades. Ein Aufschlag auf dem Boden konnte nur knapp vermieden werden; um 21:23 Uhr musste der Anflug abgebrochen und voller Schub gegeben werden.

Kapitän Caviedes wies Klotz mehrfach an, die Luftnotlage zu erklären. Klotz kam dieser Weisung nicht nach; gegenüber der Flugsicherung wiederholte er lediglich beiläufig, dass der Treibstoff ausgehe. Gegenüber Caviedes hingegen behauptete er, die Notlage bereits erklärt zu haben. Als die Flugsicherung AV 052 einen neuen Kurs zuwies und fragte, ob genügend Treibstoff vorhanden sei, um sich 15 Meilen vom Flughafen zu entfernen, gab Klotz eine positive Antwort – obwohl die Situation zu diesem Zeitpunkt bereits äußerst kritisch war.

Um 21:32 Uhr fiel zunächst Triebwerk 4 aus, kurz darauf Triebwerk 3. Wenig später versagten wegen Treibstoffmangels auch die beiden verbleibenden Triebwerke. Die Maschine befand sich nun im Gleitflug, ohne jede Antriebskraft, in der Nähe eines dicht besiedelten Gebiets. Sie schlug in Cove Neck auf dem Boden auf, einer hügeligen Gegend auf Long Island, etwa 25 Kilometer vom Zielflughafen entfernt. Bei dem Aufprall wurde das Cockpit vom Rumpf der Maschine abgetrennt.

Von den 158 Menschen an Bord kamen 73 ums Leben; 85 Personen überlebten, darunter mehrere Besatzungsmitglieder. Der Unfall erschütterte die Luftfahrtbranche nachhaltig. Die Untersuchung zeigte, dass unklare Kommunikation zwischen Crew und Flugsicherung, unterschiedliche Sprachkonventionen zwischen kolumbianischen und amerikanischen Piloten sowie ein unzureichendes Treibstoffmanagement zusammenwirkten. In direkter Folge wurden die Ausbildungsstandards und Kommunikationsprotokolle für Notfälle weltweit überarbeitet.

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