Christoph Kolumbus kam um das Jahr 1451 in der Republik Genua zur Welt und starb am 20. Mai 1506 in Valladolid im Königreich Kastilien. Sein italienischer Name lautete Cristoforo Colombo, auf Spanisch hieß er Cristóbal Colón. Die Frage seiner Herkunft ist bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Debatten: Er selbst schrieb in einem Testament von 1498, er sei in Genua geboren, und diverse Chronisten bestätigen diese Herkunft aus der Republik Genua. Ein königliches Protokoll von 1491 nennt als Herkunftsort zusätzlich Savona. Spanische Forscher versuchten in den 2020er Jahren mit historischen DNA-Analysen zu belegen, dass Kolumbus tatsächlich aus levantinischen Conversokreisen stammte und seine jüdische Abstammung zeitlebens verschleierte. Die Mehrheit der Forschung hält jedoch bis heute an der Annahme fest, dass er 1451 in Genua geboren wurde, nicht zuletzt aufgrund eines 1904 entdeckten Dokuments, das einen Rechtsstreit von 1479 beschreibt.
Kolumbus wuchs in einem Umfeld auf, das von der Seefahrt und dem Fernhandel geprägt war. Sein Vater Domenico Colombo war ein genuesischer Wollweber, seine Mutter trug den Namen Susanna Fontanarossa. Schon früh fasste Kolumbus den Plan, einen westlichen Seeweg nach Indien zu finden – eine Idee, die im Kontext des europäischen Wettlaufs um die Handelswege des 15. Jahrhunderts zu verstehen ist. Portugal hatte den Seeweg um Afrika nach Osten erschlossen; Kolumbus wollte den umgekehrten Weg wählen. Das Ziel seiner ersten Entdeckungsreise war die Hafenstadt Quinsay in China, das man damals unter dem Begriff „Indien" subsumierte.
Nachdem Portugal sein Projekt abgelehnt hatte, fand Kolumbus Unterstützung bei den spanischen Herrschern Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien. Mit drei Schiffen – der Santa María, der Pinta und der Niña – stach er am 3. August 1492 von Palos de la Frontera aus in See. Am 12. Oktober 1492 erreichte er eine Insel der Bahamas, die er San Salvador nannte. Es folgten weitere Karibikinseln; er stieß auf Kuba und Hispaniola, die heutige Teilungsinsel zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik. Die Einheimischen, die er antraf, hielt er für Bewohner Indiens und nannte sie entsprechend „Indianer". Diese Fehlbenennung haftete den indigenen Völkern Amerikas für Jahrhunderte an.
Insgesamt unternahm Kolumbus zwischen 1492 und 1504 vier Entdeckungsreisen. Dabei steuerte er vor allem die Großen Antillen an und landete bei allen vier Reisen auf Hispaniola, wo er erste Kolonien gründete. Erst auf seiner vierten Reise betrat er im heutigen Honduras amerikanisches Festland – ohne zu erkennen, dass es sich um einen zuvor in Europa unbekannten Kontinent handelte. Diese Einsicht war Amerigo Vespucci vorbehalten, dem florentinischen Kaufmann und Entdecker, der das Land als neue Welt identifizierte. Nach ihm wurde der Kontinent Amerika benannt.
Für die Geschichte der Menschheit ist es wichtig zu betonen, dass die tatsächlichen ersten Entdecker Amerikas die Vorfahren der indigenen Bevölkerung waren, die vor mehr als 20.000 Jahren von Asien über die Beringbrücke auf den damals menschenleeren Kontinent gelangten. Nordamerika war zudem rund 500 Jahre vor Kolumbus von Leif Eriksson und anderen Wikingern besucht und zeitweise besiedelt worden. Kolumbus gilt gleichwohl bis heute als der entscheidende europäische Entdecker, weil erst seine Reisen die dauerhafte Kolonisierung Amerikas durch Europäer in Gang setzten – mit all ihren historischen, demografischen und kulturellen Konsequenzen, die Jahrhunderte andauerten.
Als erster Vizekönig der von ihm „Las Indias" genannten Gebiete regierte Kolumbus mit einer Härte, die selbst den spanischen Behörden zu weit ging. 1500 wurde er in Ketten nach Spanien zurückgebracht und seiner Ämter enthoben. Obwohl er später rehabilitiert wurde und noch zwei weitere Reisen unternehmen durfte, erholte er sich nicht mehr vollständig von diesem Sturz. Er starb 1506 in Valladolid, überzeugt davon, asiatische Küsten erreicht zu haben – eine Überzeugung, die er offenbar zeitlebens nicht aufgab.
Das Erbe des Kolumbus ist zutiefst widersprüchlich. Einerseits steht sein Name für eine der folgenreichsten geografischen Entdeckungen der Weltgeschichte, den Beginn einer neuen Epoche globaler Verbindungen zwischen den Kontinenten. Andererseits leitete sein Aufbruch die Epoche der Conquistadoren ein, die mit Gewalt, Sklaverei und dem Kollaps indigener Zivilisationen verbunden ist. In vielen Ländern Lateinamerikas wird der 12. Oktober daher nicht als Entdeckungstag, sondern als Tag der Indigenen oder des interkulturellen Dialogs begangen.

