biografias

Marie-Antoinette von Österreich-Lothringen

Erzherzogin von Österreich, Königin von Frankreich und Navarra

7 min01/01/2024
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Marie-Antoinette wurde am 2. November 1755 in Wien als Maria Antonia Josepha Johanna von Österreich-Lothringen geboren, das fünfzehnte und zweitjüngste Kind von Kaiser Franz I. von Lothringen und der mächtigen Kaiserin Maria Theresia. Ihre Geburt fiel auf den Tag nach dem verheerenden Erdbeben von Lissabon, das am 1. November 1755 weite Teile der portugiesischen Hauptstadt zerstört hatte, und manche Zeitgenossen deuteten diesen Zufall als düsteres Vorzeichen für das Schicksal des Mädchens.

Die Kindheit der Erzherzogin verlief im glänzenden, aber auch strengen Rahmen des Wiener Hofes. Wie alle weiblichen Mitglieder der kaiserlichen Familie musste Maria Antonia bereits mit drei Jahren Korsetts tragen, die ihr Atemprobleme bereiteten. Ihr Lerneifer ließ jedoch zu wünschen übrig: Sie mied häufig den Unterricht, um sich zu zerstreuen, und zeigte wenig Neigung zur Konzentration. Musikalisch war sie hingegen begabt; sie lernte Cembalo und Harfe, und ihr Gesangslehrer war kein Geringerer als Christoph Willibald Gluck, einer der bedeutendsten Komponisten der Zeit.

Ihre Heirat mit dem französischen Dauphin war das Ergebnis nüchterner dynastischer Kalkulation. Staatskanzler Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg hatte Mitte der 1750er Jahre das sogenannte Renversement des alliances eingeleitet, eine diplomatische Revolution, die den jahrhundertealten Gegensatz zwischen den Habsburgern und den Bourbonen beendete. Um das neue Bündnis zu festigen, wurden mehrere habsburgische Kinder mit Mitgliedern der bourbonischen Dynastien verheiratet. Maria Antonia war das letzte Glied dieser Heiratskette.

Im Jahr 1769 bat König Ludwig XV. förmlich um die Hand der Erzherzogin für seinen Enkel und Thronfolger Louis August. Als die Kaiserinmutter den Bildungsstand ihrer Tochter eingehend prüfte, erschrak sie: Die Lücken waren gravierend. In aller Eile wurde Maria Antonia einem intensiven Unterrichtsprogramm unterzogen, doch der Erfolg blieb begrenzt. Ihr Französischlehrer lobte ihre Freundlichkeit, Intelligenz und Musikalität, klagte aber über ihre Faulheit und Leichtfertigkeit.

Am 19. April 1770 fand in der Wiener Augustinerkirche die Trauung per procurationem statt: Maria Antonias Bruder Erzherzog Ferdinand vertrat den abwesenden Bräutigam. Zwei Tage später verabschiedete sich die Vierzehnjährige von ihrer Mutter und ihren Geschwistern und brach mit einem großen Gefolge nach Frankreich auf. Am 7. Mai erfolgte auf der Rheininsel Île aux Épis vor Straßburg die symbolische Übergabe: Das Mädchen wurde von seiner österreichischen Begleitung getrennt, neu eingekleidet und als Französin übergeben. Aus Maria Antonia wurde Marie-Antoinette.

Am 16. Mai 1770 heiratete Marie-Antoinette in Versailles den Dauphin Louis August, der vier Jahre später als Ludwig XVI. den Thron bestieg. Die junge Dauphine war anfänglich beim Volk beliebt. Ihre Jugend, ihre Anmut und ihre lebhafte Persönlichkeit machten sie zu einer sympathischen Figur. Doch das Verhältnis zur französischen Öffentlichkeit verschlechterte sich im Laufe der Zeit zusehends. Die hohen Ausgaben der Königin für Mode, Schmuck und Vergnügungen, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Not, machten sie zur Zielscheibe heftiger Kritik.

Besonders schädlich für ihren Ruf war die sogenannte Halsbandaffäre von 1785. Kardinal Louis de Rohan, den Marie-Antoinette als Kind in Straßburg kennengelernt hatte, ließ sich von der Betrügerin Jeanne de la Motte dazu verleiten, im Namen der Königin ein enorm teures Diamantenhalsband zu erwerben. Marie-Antoinette hatte von der Transaktion nichts gewusst, doch der Skandal haftete an ihrem Namen. In der aufgeheizten Atmosphäre Frankreichs vor der Revolution wurde sie in Schmähschriften und Karikaturen zur Symbolfigur königlicher Verschwendung und moralischer Verkommenheit.

Als die Französische Revolution im Sommer 1789 ausbrach, war Marie-Antoinette zur meistgehassten Frau Frankreichs geworden. Im Oktober 1789 wurde die königliche Familie von einer aufgebrachten Menge aus Versailles nach Paris gebracht und im Tuilerienpalast quasi unter Hausarrest gestellt. Im Juni 1791 unternahmen Ludwig XVI. und Marie-Antoinette den gescheiterten Fluchtversuch nach Varennes, der ihr öffentliches Ansehen endgültig zerstörte. Am 10. August 1792 wurde die Monarchie abgeschafft und die Familie im Temple-Turm gefangen gesetzt.

Ludwig XVI. wurde im Januar 1793 hingerichtet. Marie-Antoinette blieb zunächst im Temple, wurde dann in die Conciergerie verlegt und dort in äußerster Strenge gefangen gehalten. Im Oktober 1793 wurde sie vor dem Revolutionstribunal angeklagt, unter anderem wegen Hochverrats und ungeheuerlicher persönlicher Vergehen. Sie verteidigte sich mit Würde, doch das Urteil stand fest. Am 16. Oktober 1793 wurde Marie-Antoinette, kaum achtunddreißig Jahre alt, auf der Place de la Révolution guillotiniert.

Ihr Tod markierte das Ende eines Zeitalters. In der Erinnerungsgeschichte ist Marie-Antoinette zu einer vielschichtigen Figur geworden: für die einen ein Symbol der Dekadenz des Ancien Régime, für die anderen ein Opfer politischer Gewalt und des Hasses einer aufgewühlten Gesellschaft. Ihre österreichische Herkunft, ihre Jugend beim Einzug in Frankreich und das tragische Ende ihres Lebens haben sie zu einer der meistbiografierten Königinnen der Geschichte gemacht. Dass sie nach ihrem Tod manchmal mit den Worten zitiert wird, sie habe gesagt, die Armen sollten Kuchen essen, gilt heute als Legende, die ihr zu Unrecht zugeschrieben wird.

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