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Karl der Große

König des Fränkischen Reiches und römischer Kaiser

6 min01/01/2024
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Karl der Große war wahrscheinlich am 2. April 747 oder 748 geboren, als ältester Sohn des fränkischen Hausmeiers und späteren Königs Pippin des Jüngeren und dessen Frau Bertrada. Er entstammte dem Geschlecht der Karolinger, das seinen Aufstieg der zunehmenden Schwäche der merowingischen Könige verdankte. Bereits Karl Martell, Karls Großvater, hatte als Hausmeier die eigentliche Macht im Frankenreich ausgeübt. Sein Sieg über die Mauren in der Schlacht bei Tours und Poitiers 732 hatte ihm enormes Ansehen verschafft und die Grundlage für den Aufstieg seiner Familie gelegt.

Als Pippin der Jüngere 768 starb, teilte er das Frankenreich nach fränkischem Brauch unter seinen beiden Söhnen auf: Karl erhielt den westlichen und nördlichen Teil, sein jüngerer Bruder Karlmann den südlichen. Die Teilherrschaft war kurz: Karlmann starb bereits 771, und Karl übernahm das gesamte Frankenreich. Er war nun unbestrittener Alleinherrscher über ein Reich, das er in den folgenden Jahrzehnten durch eine beispiellose Reihe von Feldzügen gewaltig erweitern sollte.

Die Sachsenkriege, die von 772 bis 804 andauerten, waren die blutigste und am längsten währende militärische Unternehmung Karls. Die Sachsen im nördlichen Germanien waren ein freies, polytheistisches Volk, das sich hartnäckig gegen die fränkische Expansion und die erzwungene Christianisierung wehrte. Der Anführer des sächsischen Widerstands, Widukind, wurde zur Symbolfigur des Kampfes gegen die karolingische Herrschaft. Karl reagierte mit äußerster Härte: Nach dem Aufstand von Verden im Jahr 782 ließ er angeblich viertausendfünfhundert sächsische Gefangene hinrichten, ein Massaker, das als Blutbad von Verden in die Geschichte einging. Schließlich unterwarf er die Sachsen militärisch und politisch und integrierte sie durch Taufe und kirchliche Organisation in das christliche Abendland.

Im Jahr 774 wandte sich Karl nach Italien. Der Papst hatte ihn um Hilfe gegen die Langobarden gebeten, die Rom bedrohten. Karl zog über die Alpen, belagerte Pavia und zwang den Langobardenkönig Desiderius zur Kapitulation. Er ließ sich zum König der Langobarden krönen und sicherte damit den päpstlichen Staat. Die Allianz zwischen der fränkischen Krone und dem Papsttum, die sein Großvater Karl Martell begründet hatte, wurde unter Karl zum Eckpfeiler der westeuropäischen Ordnung.

Ein Feldzug gegen die Mauren in Nordspanien im Jahr 778 verlief weniger erfolgreich. Karl drang bis Saragossa vor, musste aber unverrichteter Dinge umkehren. Beim Rückzug durch die Pyrenäen erlitt die Nachhut unter dem Grafen Roland bei Roncesvalles einen Hinterhalt baskischer Krieger. Roland fiel in diesem Gefecht, und sein Tod wurde in dem späteren Rolandslied zu einem der zentralen Epen der mittelalterlichen Literatur verarbeitet. Dennoch gelang es Karl, südlich der Pyrenäen die Spanische Mark einzurichten und damit einen Puffer gegen die maurische Expansion zu schaffen.

Im Osten seines Reiches beendete Karl 788 die Eigenständigkeit des Stammesherzogtums Baiern und integrierte es ins Frankenreich. In den 790er Jahren führte er erfolgreiche Kriege gegen die Awaren, ein reiternomadisches Volk an der mittleren Donau, und vernichtete ihr Herrschaftssystem. Die erbeuteten Schätze der Awaren sollen gewaltig gewesen sein und ermöglichten Karl großzügige Zuwendungen an Kirche und Gefolgsleute.

Der politische und symbolische Höhepunkt von Karls Herrschaft war die Kaiserkrönung durch Papst Leo III. in der Peterskirche in Rom am Weihnachtstag des Jahres 800. Karl wird in den Quellen als überrascht dargestellt, doch ob das stimmt, ist umstritten. Sicher ist, dass die Krönung mit erheblicher Sorgfalt vorbereitet worden war und dem Papsttum politischen Nutzen brachte. Karl wurde als erster westeuropäischer Herrscher seit dem Untergang des Weströmischen Reiches mit der Kaiserwürde ausgestattet, was ihn auf eine Stufe mit dem byzantinischen Kaiser stellte und das westliche Kaisertum begründete.

Neben seinen militärischen Leistungen war Karl ein Förderer von Bildung und Kultur. Er holte gelehrte Männer aus ganz Europa an seinen Hof in Aachen: den Angelsachsen Alkuin, den Westgoten Theodulf und andere. Diese Gelehrten betrieben das, was man die Karolingische Renaissance genannt hat: eine systematische Erneuerung des Schrifttums, der Bildung und der kirchlichen Verwaltung. In Klöstern und Domschulen wurden Schriften kopiert und überliefert, und die karolingische Minuskel, eine neue, klare Schriftform, erleichterte die Verbreitung von Wissen.

Karl der Große starb am 28. Januar 814 in Aachen. Er war bereits zu Lebzeiten Pater Europae, Vater Europas, genannt worden. Im Jahr 1165 wurde er auf Betreiben Kaiser Friedrichs I. Barbarossa von Gegenpapst Paschalis III. heiliggesprochen, und sein Gedenktag ist der 28. Januar. Aachen, seine Hauptresidenz, blieb bis ins sechzehnte Jahrhundert der Krönungsort der römisch-deutschen Könige. Das Reich, das er hinterließ, wurde nach seinem Tod unter seinen Enkeln geteilt und bildete die Grundlage für die späteren Nationen Frankreichs und Deutschlands. Sein Erbe ist bis heute im Bewusstsein Europas lebendig.

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