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Mohandas Karamchand Gandhi

Indischer politischer sowie religiöser Führer und Rechtsanwalt (1869–1948)

6 min01/01/2024
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Mohandas Karamchand Gandhi wurde am 2. Oktober 1869 in Porbandar, einer Küstenstadt in der Provinz Bombay im damaligen Britisch-Indien, geboren. Er war der jüngste von vier Söhnen in der vierten Ehe seines Vaters Karamchand Gandhi (1822–1885) mit Putali Bai (1839–1891). Die anderen Ehefrauen seines Vaters waren früh gestorben. Die Familie entstammte der Bania-Kaste, einer Händlerkaste, und sein Vater bekleidete das Amt eines Diwan, eines leitenden Ministers, in kleinen Fürstentümern. Gandhi wuchs in einem hinduistischen Umfeld auf, das von tiefer Frömmigkeit und dem Prinzip der Gewaltlosigkeit — der Ahimsa — geprägt war.

Als Jugendlicher zeigte Gandhi keine außergewöhnlichen schulischen Leistungen. Mit dreizehn Jahren wurde er standesgemäß mit Kasturbai Makanji verheiratet, die sein Leben lang seine Frau blieb. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1885 fuhr Gandhi 1888 nach England, um Jura zu studieren. Dieser Aufenthalt veränderte ihn: Er begegnete westlichem Denken, las die Bergpredigt und stieß auf die Schriften Tolstois, die ihn tief beeindruckten. 1891 kehrte er als ausgebildeter Anwalt nach Indien zurück, hatte jedoch zunächst Schwierigkeiten, in seinem Beruf Fuß zu fassen.

Ein Auftrag führte ihn 1893 nach Südafrika, wo er als Anwalt für eine indische Handelsfirma arbeiten sollte. Was er dort vorfand, erschütterte ihn: Die indische Bevölkerung war massiver Diskriminierung ausgesetzt, besaß kaum Rechte und wurde als Menschen zweiter Klasse behandelt. Aus einem geplanten einjährigen Aufenthalt wurden über zwanzig Jahre. Gandhi entwickelte in Südafrika seine politische Philosophie und Methode, die er Satyagraha nannte — das beharrliche Festhalten an der Wahrheit. Diese Grundhaltung umfasste neben der Gewaltlosigkeit (Ahimsa) auch das Prinzip des Swaraj, der individuellen wie politischen Selbstbestimmung.

In Südafrika organisierte Gandhi den gewaltlosen Widerstand der indischen Gemeinschaft gegen diskriminierende Gesetze und verbrachte dabei insgesamt mehrere Jahre in Gefängnissen. Er setzte den Hungerstreik als politische Waffe ein — als einer der ersten politischen Akteure überhaupt. Seine Aktionen erregten internationale Aufmerksamkeit und zeigten, dass gewaltloser Widerstand wirksam sein kann. Als Gandhi am 9. Januar 1915 nach Bombay zurückkehrte, wurde er von dem Dichter und Philosophen Rabindranath Tagore mit dem Ehrennamen Mahatma begrüßt — Sanskrit für „große Seele". Gandhi selbst hatte lange Zeit Schwierigkeiten mit diesem Titel, der ohne seinen Willen gebräuchlich wurde; in seiner Autobiografie schrieb er, dieser Titel habe ihn oft tief gepeinigt. Dennoch akzeptierte er ihn schließlich.

Zurück in Indien unterstützte Gandhi den Widerstand der Kongresspartei gegen den britischen Raj. In den 1920er Jahren stieg er zum entscheidenden Vorkämpfer für ein freies Indien auf. Er sprach sich gegen die koloniale Ausbeutung aus und forderte die Einhaltung der Menschenrechte auch für die Dalits, die sogenannten Unberührbaren, ohne jedoch das Kastensystem insgesamt in Frage zu stellen — ein Widerspruch, für den er auch innerhalb der indischen Gesellschaft Kritik erhielt. Er wünschte sich Indien als säkularen Staat, in dem Hindus und Muslime friedlich zusammenleben sollten, und favorisierte eine auf landwirtschaftlicher Kleinarbeit beruhende wirtschaftliche Autarkie.

Ein Höhepunkt seines gewaltlosen Widerstands war der Salzmarsch von 1930. Als Protest gegen das britische Salzmonopol und die entsprechende Salzsteuer führte Gandhi einen rund 380 Kilometer langen Marsch von Sabarmati bis zum Küstenort Dandi an. Die Aktion fand weltweites Echo und wurde zum Symbol des indischen Unabhängigkeitswillens. Gandhi wurde daraufhin erneut verhaftet; insgesamt verbrachte er in Südafrika und Indien zusammen acht Jahre in Gefängnissen. Er nutzte diese Zeit stets zur Reflexion und zum Schreiben.

Der Zweite Weltkrieg und die Kampagne „Quit India" von 1942 — Gandhis Forderung an die Briten, Indien sofort zu verlassen — trieben die Unabhängigkeitsbewegung auf den Höhepunkt. Die Kampagne löste massive Repressionen aus, doch der politische Druck ließ sich nicht mehr umkehren. Im August 1947 erreichte die Unabhängigkeitsbewegung ihr Ziel: Indien erlangte die Unabhängigkeit. Doch die damit verbundene Teilung in Indien und Pakistan, die zu blutigen kommunalen Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen führte, bereitete Gandhi tiefen Schmerz. Er hatte die Teilung stets abgelehnt und unternahm alles, um Frieden zwischen den Religionsgruppen zu stiften.

Am 30. Januar 1948 wurde Mohandas Karamchand Gandhi in Neu-Delhi von dem Hindu-Nationalisten Nathuram Godse erschossen, der ihm vorwarf, die Muslime zu begünstigen. Gandhi war zu diesem Zeitpunkt 78 Jahre alt. Er wurde mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert; das Nobelkomitee vergab den Preis in seinem Todesjahr aus symbolischen Gründen nicht. Ein anderer Ehrenname, den Gandhi selbst gerne trug und mit dem ihn auch seine Frau und Freunde ansprachen, war Bapu — Gujarati für „Vater". Offiziell gilt er als Vater der indischen Nation. Sein Erbe lebt in den Methoden des zivilen Ungehorsams weiter, die Bürgerrechtsbewegungen auf der ganzen Welt als Vorbild nehmen.

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