civilizacoes perdidas

Machu Picchu

Ruinenstadt in Peru

6 min01/01/2024
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Hoch in den peruanischen Anden, auf einem schmalen Bergrücken zwischen zwei Gipfeln in 2.430 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, liegt eine der beeindruckendsten Ruinenstädte der Welt. Machu Picchu, was im Quechua alter Berg bedeutet, erstreckt sich zwischen den Gipfeln des Huayna Picchu, dem jungen Berg, und dem gleichnamigen Berg Machu Picchu, hoch über dem Urubambatal in der Region Cusco, 75 Kilometer nordwestlich der ehemaligen Inkahauptstadt.

Der Bau der terrassierten Anlage wird einer verbreiteten Theorie zufolge um das Jahr 1450 auf Befehl des Inka-Herrschers Pachacútec Yupanqui begonnen, der von 1438 bis 1471 regierte. Pachacútec war eine Schlüsselfigur in der Geschichte des Inkareiches: Er schuf die Grundlagen für dessen gewaltige Ausdehnung und führte den Kult um den Sonnengott Inti ein. Unter seiner Herrschaft wuchs das Inkareich zu einem der flächenmäßig größten Reiche der präkolumbianischen Geschichte heran.

Die Anlage umfasste 216 steinerne Bauten, die auf Terrassen angelegt und durch ein ausgeklügeltes System von Treppen miteinander verbunden waren. Besonders bemerkenswert ist die Ingenieursleistung der Wasserversorgung: Ein Kanalsystem leitete Wasser von einer außerhalb der Stadtanlage gelegenen Quelle zu kaskadenförmig angeordneten Brunnenbecken innerhalb der Stadt. Die etwa 3.000 Stufen, die Außenmauern der Tempel und die teils mehrgeschossigen Wohnbauten sind bis heute größtenteils erhalten oder wurden in inkatypischer Bauweise rekonstruiert.

Die Forschung geht heute davon aus, dass die Stadt in ihrer Blütezeit bis zu 1.000 Menschen beherbergen und versorgen konnte. Ein weitreichendes Netz von Inkawegen verband Machu Picchu mit der Hauptstadt Cusco und mit anderen Städten des Reiches. Eine schmale Bergpfad führte hinauf zum Gipfelbereich des Huayna Picchu, wo sich ebenfalls eine kleine Anlage befand.

Über den ursprünglichen Namen und den Zweck der Stadt herrscht in der Wissenschaft keine Einigkeit. Neuere Erkenntnisse aus dem Jahr 2021 deuten darauf hin, dass der Ortsname ursprünglich wohl Huayna Picchu oder nur Picchu gelautet haben könnte, bevor er nach dem nahegelegenen Berggipfel umbenannt wurde. Die eigentliche Funktion der Stadt ist ebenfalls Gegenstand laufender Debatten. Frühe Ausgräber fanden über 50 Grabstätten mit mehr als 100 Skeletten und ordneten diese zunächst zu mehr als 80 Prozent als weiblich ein. Neuere, verfeinerte Untersuchungen haben hingegen eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter ergeben, was die frühere Theorie einer königlichen Zufluchtstätte, in der vor allem die Jungfrauen der Sonne untergebracht waren, ins Wanken gebracht hat.

Eine der verbreitetsten Theorien sieht Machu Picchu als königlich-religiöse Anlage, die als Residenz des Inka-Herrschers und seiner Hofhaltung diente, aber auch bei Abwesenheit des Königs von verschiedenem Personal bewohnt wurde. Eine weitere Theorie nimmt an, dass die Anlage zum Zeitpunkt der spanischen Eroberung noch im Bau war. Der archäologische Befund kann dies jedoch nicht bestätigen und spricht eher für eine weitgehend fertiggestellte, nur in Teilbereichen noch im Ausbau befindliche Stadt.

Was über das Ende der Besiedelung relativ gesichert ist: Nach dem Ausbruch eines Bürgerkrieges im Inkareich unter Huayna Cápac soll kein Inkakönig die Anlage mehr aufgesucht haben. Die Bediensteten verließen die nun nutzlos gewordene Stadt, und sie geriet in Vergessenheit. Die Spanier, die das Inkareich zwischen 1532 und 1572 schrittweise eroberten, stießen offenbar nie auf Machu Picchu. Die Stadt blieb dem Urwald überlassen.

Im Juli 1911 führte der amerikanische Historiker und Entdecker Hiram Bingham III. das Ruinenareal der westlichen Wissenschaft vor, geleitet von einem einheimischen Bauern. Bingham erkannte die historische Bedeutung der Stätte sofort und veröffentlichte seine Entdeckung 1913. Was Bingham jedoch nicht als Erster gesehen hatte, war die Stadt als solche; lokale Quechua-Bauern lebten seit Generationen in ihrer unmittelbaren Umgebung und nutzten einige der alten Terrassen für die Landwirtschaft.

Seit 1983 gehört Machu Picchu zum UNESCO-Welterbe und ist heute Perus wichtigste Touristenattraktion. Die Anlage zieht jährlich über eine Million Besucher an, was Fragen des Denkmalschutzes und der Tragfähigkeit aufwirft. Im Südosten, rund 15 Kilometer entfernt, liegen im Urubambatal die Ruinen der Inkastadt Llactapata, mit der Machu Picchu durch einen alten Inka-Pfad verbunden ist und bleibt. Beide Stätten zeigen eindrücklich, wie weit die Inka ihr Reich durchdrungen und gestaltet hatten.

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