civilizacoes perdidas

Angkor

Region nahe der Stadt Siem Reap in Kambodscha, die einst das Zentrum des Khmer-Königreiches Kambuja bildete. Heute diverse archäologische Stätten

5 min01/01/2024
Anúncio

In den Wäldern Kambodschas, unweit der heutigen Stadt Siem Reap, verbirgt sich auf einer Fläche von mehr als 200 Quadratkilometern eine der monumentalsten Städtelandschaften, die die Menschheit je erschaffen hat. Angkor – das Wort leitet sich vom Sanskrit-Begriff Nagara ab und bedeutet schlicht „Stadt" – war vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja, das sich auf seinem Höhepunkt über weite Teile Südostasiens erstreckte. Weltbekannt ist Angkor vor allem durch seine atemberaubenden Tempelanlagen, allen voran den Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt.

Die Geschichte der Region beginnt weit vor der Gründung des Khmer-Reiches. Keramiken, Steinwerkzeuge und durch Luftaufnahmen entdeckte prähistorische Siedlungen belegen menschliche Besiedlungstätigkeit im späteren Kambuja bereits ab der Jungsteinzeit, etwa 5000 vor Christus. Ab dem 3. Jahrtausend vor Christus war der Bewässerungsanbau von Reis bekannt. Im 1. Jahrtausend vor Christus entwickelten sich frühe Reiche und Stadtstaaten ohne feste Grenzen, die in ständigem Wettbewerb um Einfluss standen.

Im 1. Jahrhundert nach Christus gewann eines dieser frühen Reiche die Oberhand, dessen Name Funan nur in chinesischer Übersetzung überliefert ist – möglicherweise eine Transkription des Khmer-Wortes phnom für „Berg". Funan war eine bedeutende Station auf den Handels- und Pilgerrouten zwischen China und Indien. In Oc Eo, einem Hafen im heutigen Vietnam, der zu Zeiten Funans florierte, wurden neben Gegenständen asiatischer Provenienz sogar Waren aus dem Römischen Reich gefunden – ein Beleg für die weitreichenden Handelsverbindungen dieser frühen Periode. Mit dem Handel kam auch der kulturelle Einfluss Indiens, der die sich entwickelnde Khmer-Zivilisation in religiöser, wissenschaftlicher und künstlerischer Hinsicht tief prägte, ohne dass die einheimische Bevölkerung ihre eigenen Traditionen aufgab.

Funan, das im 4. Jahrhundert seine Herrschaft gefestigt hatte, gilt als das früheste der indisierten Königreiche Kambodschas. Es bildete die Grundlage, auf der das spätere Khmer-Reich entstehen sollte. Die Geschichte Angkors selbst, als des zentralen Siedlungsgebietes des historischen Kambuja, beginnt im 9. Jahrhundert, als König Jayavarman II. die Grundlage des Khmer-Reiches legte. Von nun an wurden nacheinander mehrere Hauptstädte errichtet, und im Zentrum jeder Hauptstadt entstand ein großer Haupttempel, der das Machtzentrum des Königs und den Wohnsitz der Götter symbolisierte.

Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 Quadratkilometern wurden über die Jahrhunderte mehr als tausend Tempel und Heiligtümer unterschiedlicher Größe errichtet. Auf dem Höhepunkt des Königreiches lebten schätzungsweise bis zu einer Million Menschen im Großraum von Angkor auf etwa 1000 Quadratkilometern – damit war Angkor eine der größten vorindustriellen Städte der Welt. Das heutige Wissen über diese Zivilisation stammt vor allem aus archäologischen Ausgrabungen, aus Inschriften an Säulen und Steinen, die von den religiösen und politischen Taten der Könige berichten, aus Reliefs an Tempelwänden, die Kriegszüge, Hofleben und Alltagsszenen zeigen, sowie aus Berichten chinesischer Diplomaten und Händler.

Der Angkor Wat, erbaut im 12. Jahrhundert unter König Suryavarman II., ist das bekannteste und prächtigste Monument der Khmer-Zivilisation. Der Tempel, dessen fünf Türme den Weltenberg Meru der hinduistischen Kosmologie symbolisieren, ist von einem mehrere Kilometer langen Wassergraben umgeben. Seine Reliefgalerien mit Darstellungen hinduistischer Mythen und historischer Ereignisse gehören zu den bedeutendsten Kunstwerken der Menschheitsgeschichte.

Im 15. Jahrhundert geriet das Khmer-Reich zunehmend unter Druck. Wiederholte Angriffe des benachbarten Königreiches Ayutthaya aus dem heutigen Thailand schwächten das Reich. Im Jahr 1431 fiel die Stadt Angkor an die Invasoren. Die Hauptstadt wurde aufgegeben, und das Zentrum des Khmer-Reiches verlagerte sich in den Süden. Die Tempelanlagen von Angkor wurden zwar nie vollständig verlassen – buddhistische Mönche bewohnten Angkor Wat durchgehend –, verfielen aber allmählich im überwuchernden Dschungel.

Die Wiederentdeckung Angkors durch europäische Forscher im 19. Jahrhundert löste weltweites Staunen aus. Seit 1992 gehört Angkor zum UNESCO-Weltkulturerbe. Heute ist es eine der meistbesuchten archäologischen Stätten der Welt und ein nationales Symbol Kambodschas, das sogar auf der Nationalflagge des Landes abgebildet ist. Die Forschung hält noch immer bedeutende Geheimnisse bereit: Satelliten- und Luftbildarchäologie enthüllen immer neue Strukturen unter dem Waldboden und geben eine Ahnung davon, wie gigantisch das städtische Netz von Angkor einst wirklich gewesen sein muss.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories