Lin-Manuel Miranda wurde am 16. Januar 1980 in New York City als Sohn puerto-ricanischer Eltern geboren und wuchs in Manhattan auf. Diese urbane Kindheit an der Schnittstelle zwischen lateinamerikanischer Kultur und dem Pulsschlag der Weltmetropole sollte den Grundstein für ein Werk legen, das das amerikanische Musiktheater revolutionieren würde.
Miranda studierte an der renommierten Wesleyan University, und bereits im zweiten Jahr seines Studiums begann er an jenem Projekt zu arbeiten, das seine Karriere definieren sollte. In the Heights, das Musical, das aus dieser Studienarbeit hervorging, verband lateinamerikanische Musikstile und Hip-Hop mit der traditionellen Formensprache des Broadway-Musicals. Thematisch widmete es sich dem Alltagsleben in einem Einwandererviertel, den Auswirkungen von Gentrifizierung und den Träumen von sozialer Aufwärtsmobilität.
Eine frühe Fassung von In the Heights wurde 1999 uraufgeführt. Nach Jahren der Weiterentwicklung war das Stück 2007 Off-Broadway zu sehen und schaffte 2008 den Sprung auf den Broadway selbst, wo Miranda die Hauptrolle des Usnavi spielte. Die Broadway-Produktion gewann vier Tony Awards, und die zugehörige Aufnahme wurde mit einem Grammy ausgezeichnet. Mit einem Schlag hatte Miranda bewiesen, dass er nicht nur als Schauspieler, sondern vor allem als Komponist und Texter in der absoluten Spitzenklasse des amerikanischen Musiktheaters mitspielt.
Doch das Größte stand noch bevor. Von 2007 bis 2015 arbeitete Miranda an Hamilton, einem Musical über das Leben des amerikanischen Gründervaters Alexander Hamilton. Das Konzept war kühn: die Geschichte der amerikanischen Revolution und der frühen Republik durch Hip-Hop, R&B und eine bewusst divers besetzte Besetzung erzählen. Hamilton verband Hip-Hop und Broadway-Musik mit einer Vielzahl populärmusikalischer Stile und stellte damit sowohl das Geschichtsbild als auch die Konventionen des Musicals auf den Prüfstand.
Das Musical wurde im Januar 2015 Off-Broadway uraufgeführt, bevor es im August 2015 auf den Broadway wechselte. Miranda spielte selbst die Titelrolle des Alexander Hamilton. Der Erfolg war überwältigend: Die Broadway-Produktion gewann einen Pulitzer-Preis und elf Tony Awards, darunter solche für die beste Originalmusik sowie für die Buchvorlage, beide für Miranda persönlich. Die Aufnahme der Broadway-Inszenierung gewann ebenfalls einen Grammy.
Parallel zu seiner Theaterarbeit erweiterte Miranda sein Schaffen in andere Bereiche. Er schrieb zwei Musikstücke für den Blockbuster Star Wars: Das Erwachen der Macht und war an der Komposition der Filmmusik für Disneys Vaiana beteiligt. Für den Song How Far I'll Go aus diesem Film erhielt er 2017 einen Grammy Award sowie eine Oscar-Nominierung, was seinen Ruf als vielseitiger Künstler weiter festigte.
Im Jahr 2015 wurde Miranda in das MacArthur Fellowship aufgenommen, eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen für außergewöhnliche Kreativität in den Vereinigten Staaten. 2017 folgte die Aufnahme in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, die jährlich die Oscars vergibt.
Bei den 46. People's Choice Awards gewann er in der Kategorie The Drama Movie Star of 2020 für den Musicalfilm Hamilton. Im Jahr 2022 war er erneut für den Oscar nominiert, diesmal in der Rubrik Bester Filmsong für Dos Oruguitas aus dem Animationsfilm Encanto. Wegen einer COVID-19-Erkrankung seiner Frau sagte er die Teilnahme an der Verleihungsshow ab. Auf derselben Veranstaltung war Tick, Tick... Boom!, sein Debütspielfilm als Regisseur, in zwei Kategorien nominiert.
Miranda schrieb zudem neue Liedtexte zum bestehenden Material von Fred Ebb für das Musical New York, New York, das 2023 im St. James Theatre am Broadway uraufgeführt wurde. Ebenfalls 2023 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Privat ist Miranda mit Vanessa Nadal verheiratet, die Wurzeln sowohl in der Dominikanischen Republik als auch in Österreich hat, konkret in der Gemeinde Schörfling am Attersee. Diese Verbindung mit dem deutschsprachigen Raum kam ihm bei der Mitarbeit an der deutschen Übersetzung von Hamilton zugute. Lin-Manuel Miranda hat mit seiner Arbeit nicht nur das Musiktheater erneuert, sondern auch gezeigt, wie die Vielfalt amerikanischer Identitäten auf der Bühne sichtbar gemacht werden kann.