Gaius Iulius Caesar zählt zu den faszinierendsten und folgenreichsten Gestalten der gesamten Menschheitsgeschichte. Am 13. Juli 100 v. Chr. in Rom geboren, entstammte er der patrizischen Familie der Julier, die ihren Stammbaum bis auf Iulus zurückführte, den Sohn des trojanischen Prinzen Aeneas, der seinerseits als Sohn der Göttin Venus galt. Diese mythische Herkunft sollte Caesar später bewusst für seine politische Selbstdarstellung nutzen: Auf dem Gipfel seiner Macht ließ er 45 v. Chr. eigens einen Tempel zu Ehren der Venus errichten, um die göttliche Verbindung seiner Familie zu betonen.
Die Julier waren, gemessen am Maßstab des römischen Adels, keine besonders vermögende oder mächtige Sippe. In den Konsularlisten der frühen Republik taucht der Name häufiger auf, doch für die Jahrhunderte danach lassen sich nur zwei iulische Konsuln nachweisen, nämlich für die Jahre 267 und 157 v. Chr. Caesars gleichnamiger Vater bekleidete 92 v. Chr. das Amt des Prätors und starb 85 v. Chr. früh, was dem jungen Caesar eine schwierige Ausgangslage bescherte. Entscheidender für seine spätere politische Ausrichtung war die familiäre Verbindung zu Gaius Marius: Caesars Tante Iulia war mit diesem berühmten Feldherrn verheiratet, der die Kimbern und Teutonen besiegt hatte und die Volksgruppenpartei der Populares im Senat anführte. Diese Verbindung prägte Caesars Weltanschauung nachhaltig.
Im Jahr 84 v. Chr. heiratete Caesar Cornelia, die Tochter des Konsuls Lucius Cornelius Cinna, ebenfalls ein führender Kopf der Populares. Im selben Jahr wurde er zum flamen Dialis bestimmt, dem Oberpriester des Jupiter, ein Amt mit strengen rituellen Auflagen, das seine politische Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt hätte. Ob er tatsächlich in dieses Priesteramt eingeführt wurde, ist in der Forschung umstritten. Was feststeht, ist, dass er die aufkommende Diktatur Sullas überstand, obwohl dieser von ihm verlangte, Cornelia zu verstoßen, was Caesar verweigerte. Er überlebte die sullanische Herrschaft, musste zeitweise fliehen, kehrte aber bald nach Sullas Tod zurück und begann die typische Ämterlaufbahn der römischen Nobilität.
Caesar erwies sich als brillanter Redner und geschickter Taktiker im Senat. Er pflegte ein Image als Volksvertreter, obwohl er selbst dem Patriziat angehörte. Sein aufwendiger Lebensstil trieb ihn tief in Schulden, was ihn antrieb, Verbündete zu suchen, die über finanzielle Ressourcen verfügten. Um 60 v. Chr. schloss er ein informelles politisches Bündnis mit dem steinreichen Marcus Licinius Crassus und dem siegreichen Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus. Dieses sogenannte erste Triumvirat war kein offizielles Staatsorgan, sondern eine private Übereinkunft dreier mächtiger Männer, die gemeinsam die römische Politik lenken wollten.
Im Jahr 59 v. Chr. wurde Caesar Konsul und nutzte das Amt rücksichtslos, um die Interessen des Triumvirats durchzusetzen. Anschließend übernahm er als Prokonsul die Statthalterschaft über die nördlichen Provinzen Illyrien sowie Gallia Cis- und Transalpina. Was folgte, war eine der bemerkenswertesten militärischen Unternehmungen der Antike: der Gallische Krieg von 58 bis 51 v. Chr. In diesen Jahren unterwarf Caesar ganz Gallien, das heutige Frankreich, Belgien und Teile der Schweiz sowie der Niederlande. Er überquerte zweimal den Rhein und unternahm zwei Expeditionen nach Britannien. Der Krieg war von extremer Brutalität geprägt; der Aufstand des Vercingetorix und die Belagerung von Alesia 52 v. Chr. gehören zu den dramatischsten Momenten. Caesar selbst beschrieb diese Feldzüge in seinem Werk De bello Gallico, das noch heute als Musterbeispiel klarer lateinischer Prosa gilt.
Während Caesar im Norden kämpfte, zerbrach das Triumvirat: Crassus fiel 53 v. Chr. in der Katastrophe von Carrhae gegen die Parther, und Pompeius näherte sich zunehmend dem konservativen Senatsflügel an. Der Senat forderte Caesar auf, sein Heer aufzulösen und als Privatmann nach Rom zurückzukehren, was dessen sichere Strafverfolgung bedeutet hätte. Caesar verweigerte dies. Im Januar 49 v. Chr. überschritt er mit seinen Truppen den Rubikon, den kleinen Fluss, der die Grenze zwischen der Provinz und Italien markierte. Dieser Schritt war nach römischem Recht ein Akt des Hochverrats und löste den Bürgerkrieg aus. Pompeius und der größte Teil des Senats flohen nach Griechenland.
Die Entscheidungsschlacht fiel bei Pharsalos in Griechenland im Jahr 48 v. Chr., wo Caesar das zahlenmäßig überlegene Heer des Pompeius vernichtend schlug. Pompeius floh nach Ägypten und wurde dort auf Befehl des Pharaonenrats ermordet. In Ägypten traf Caesar auf Kleopatra VII., die er als Verbündete und Geliebte gewann. Nach weiteren Feldzügen in Kleinasien, Nordafrika und Spanien, wo er die letzten pompeianischen Widerstände niederwarf, kehrte Caesar als unbestrittener Herrscher nach Rom zurück.
Ab 46 v. Chr. begann er mit einer tiefgreifenden Neuordnung des Staates. Er wurde mehrfach zum Diktator ernannt und schließlich zum Diktator auf Lebenszeit, einer Stellung, die in der Praxis dem Königtum nahekam, einem Begriff, den Römer zutiefst ablehnten. Er reformierte den Kalender, indem er den nach ihm benannten Julianischen Kalender einführte, der die westliche Zeitrechnung bis 1582 bestimmte. Er plante umfassende Bauprojekte, Kolonisierungen und Verwaltungsreformen. Doch seine Machtfülle weckte Misstrauen unter den Senatoren, die um die Republik und ihre eigene Stellung fürchteten.
Am 15. März 44 v. Chr., den die Römer Iden des März nannten, wurde Caesar während einer Senatssitzung im Pompeius-Theater ermordet. Eine Gruppe von Verschwörern um Marcus Iunius Brutus und Gaius Cassius Longinus stach auf ihn ein; antike Quellen berichten von dreiundzwanzig Stichwunden. Die Mörder hatten gehofft, die Republik zu retten, doch das Gegenteil trat ein. Caesars Großneffe und Haupterbe Gaius Octavius, den Caesar posthum adoptiert hatte, setzte nach Jahren weiterer Bürgerkriege als Kaiser Augustus den Prinzipat als neue Staatsform durch, die faktisch ein Kaisertum war, wenn auch in republikanischem Gewand.
Das Erbe Caesars ist kaum zu überschätzen. Sein Name wurde zum Titel aller nachfolgenden römischen Kaiser. In abgewandelter Form als Kaiser und Zar prägte er die Titulatur der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, des Deutschen, des Österreichischen, des Russischen, des Bulgarischen und des Serbischen Reiches. Die Redewendung, den Rubikon zu überschreiten, ist bis heute eine lebendige Metapher für einen unwiderruflichen Entschluss. Caesars militärische Schriften werden noch immer an Militärakademien studiert. Und das Datum seiner Ermordung, die Iden des März, ist im kollektiven Gedächtnis der Menschheit verankert als Symbol für Verrat und den Sturz des Mächtigen.
