Joel Edgerton wurde am 23. Juni 1974 in Blacktown, einem Vorort von Sydney im australischen Bundesstaat New South Wales, geboren. Aus dem Vorort wurde einer der vielseitigsten Filmschaffenden, die Australien in den vergangenen drei Jahrzehnten hervorgebracht hat: Schauspieler, Drehbuchautor, Filmproduzent und Regisseur in einer Person, bekannt für seine ernste Herangehensweise an die Filmkunst und für eine Rollenpalette, die von antiken Königen bis zu modernen Antihelden reicht.
Den ersten Schritt in die Bühnenwelt unternahm Edgerton an der Nepean Drama School in Sydney, wo er die handwerklichen Grundlagen des Schauspielens erlernte. Anschließend war er im Theater und für australische Fernsehserien tätig. Eine frühe Aufmerksamkeit erntete er mit seiner Darstellung des Will in der australischen Serie The Secret Life of Us, für die er eine Nominierung für den Australian Film Institute Award erhielt. Doch der internationale Durchbruch kam durch das Kino.
Einem globalen Publikum bekannt wurde Joel Edgerton als Owen Lars in den Star-Wars-Prequels. In Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger und Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith verkörperte er den Onkel der späteren Hauptfigur Luke Skywalker, und viele Jahre später kehrte er für die Streaming-Serie Obi-Wan Kenobi in diese Rolle zurück. Die Figur des Owen Lars ist zwar eine Nebenrolle im großen Star-Wars-Universum, doch Edgerton gelang es, ihr in kurzer Spielzeit Tiefe und Würde zu verleihen.
Neben den Weltraumepen bewies Edgerton früh, dass er historische Stoffe und ernstes Erzählkino bevorzugt. 2003 war er in Gesetzlos – Die Geschichte des Ned Kelly zu sehen, einer australischen Outlaw-Geschichte, und 2004 übernahm er eine Rolle in King Arthur. 2005 war er sowohl im Animationsfilm The Mysterious Geographic Explorations of Jasper Morello, dem er seine Stimme lieh, als auch in dem britischen Comedyfilm Kinky Boots – Man(n) trägt Stiefel an der Seite von Chiwetel Ejiofor zu erleben. 2007 folgte ein Auftritt im Horrorfilm Whisper.
Das Jahr 2009 brachte Edgerton eine Begegnung mit einer der größten Filmkünstlerinnen der Welt: Er trat gleich zweimal zusammen mit Cate Blanchett in Theaterproduktionen in Sydney und New York City auf, was seinen Ruf als seriöser Bühnenschauspieler weiter festigte.
2011 war Edgerton in gleich zwei bemerkenswerten Filmen zu sehen. In The Thing, dem Prequel zu dem Horrorklassiker Das Ding aus einer anderen Welt, und in dem kraftvollen Sportdrama Warrior, in dem er neben Nick Nolte und Tom Hardy eine der Hauptrollen spielte, zeigte er seine Fähigkeit, körperliche Intensität und emotionale Tiefe zu verbinden. 2013 spielte er im 3D-Kinofilm Der große Gatsby von Baz Luhrmann an der Seite von Leonardo DiCaprio, und 2014 übernahm er in Exodus: Götter und Könige von Ridley Scott die Rolle des Ramses II. mit Christian Bale als Moses.
Ein besonders reifes Jahr war 2016: Edgerton wirkte in zwei Filmen des Regisseurs Jeff Nichols mit. Im Science-Fiction-Drama Midnight Special spielte er einen Staatstrooper, und in der Filmbiografie Loving verkörperte er Richard Loving, einen weißen Mann, der in den 1960er Jahren gemeinsam mit seiner afroamerikanischen Frau gegen die Rassentrennungsgesetze Virginias ankämpfte. Für diese Rolle erntete er nach der Premiere beim Cannes Filmfestival 2016 ausnahmslos positive Kritiken. 2018 war er neben Jennifer Lawrence in dem Spionagefilm Red Sparrow zu sehen, der von Regisseur Francis Lawrence inszeniert wurde.
2017 wurde Edgerton in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences aufgenommen, die jährlich die Oscars vergibt, was als Anerkennung für seine anhaltende Bedeutung in der Filmwelt gewertet werden kann. Edgerton ist jedoch nicht nur vor der Kamera aktiv: Gemeinsam mit seinem Bruder Nash Edgerton, einem erfahrenen Stuntman, betreibt er seine eigene Produktionsfirma und bewies als Regisseur und Drehbuchautor von The Square – Ein tödlicher Plan (2008) bereits früh sein Talent hinter der Kamera.
Joel Edgerton steht für einen Typus des Filmschaffenden, der Popularität nicht um jeden Preis sucht, sondern konsequent Projekte wählt, die inhaltliche Tiefe versprechen. Seine Karriere verbindet globale Franchise-Produktionen mit persönlich bedeutsamen, kleinen Filmen und illustriert damit, wie australische Filmschaffende in der internationalen Industrie nicht nur mithalten, sondern eigene, bleibende Akzente setzen können.
