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Thomas Henry Huxley

Englischer Biologe, Bildungsorganisator und Hauptvertreter des Agnostizismus

5 min01/01/2024
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Thomas Henry Huxley wurde am 4. Mai 1825 in Ealing, Middlesex, als siebtes Kind von George Huxley und seiner Frau Rachel Withers geboren. Aus bescheidenen Verhältnissen stammend, erarbeitete er sich einen der bedeutendsten Plätze in der Geschichte der Naturwissenschaften des neunzehnten Jahrhunderts. Im Jahr 1841 trat er als Gehilfe in die Londoner Praxis seines Schwagers James Godwin Scott ein und besuchte parallel Vorlesungen am Sydenham College. Am 1. Oktober 1842 nahm er das Studium der Medizin am Charing Cross Hospital auf, das er 1845 mit dem akademischen Grad eines Bacc. med. der University of London abschloss.

Nach seinem Abschluss schlug Huxley eine Laufbahn bei der Royal Navy ein. Nach einer kurzen Tätigkeit am Royal Naval Hospital in Haslar vermittelte ihm sein dortiger Chef John Richardson eine Teilnahme an der Expedition der HMS Rattlesnake zur Torres-Straße in den Jahren 1846 bis 1850, wo er als Schiffsarzt fungierte. Diese Reise in die Gewässer rund um Australien und Neuguinea ermöglichte Huxley ausgedehnte zoologische Forschungen, die in der Wissenschaftswelt große Beachtung fanden. Er untersuchte marine Wirbellose und begründete damit seinen Ruf als exzellenter vergleichender Anatom.

Im Jahr 1854 wurde Huxley von der Londoner Royal School of Mines, einem Vorläufer des heutigen Imperial College, zum Professor für Naturgeschichte berufen. Dort modernisierte er die Lehrmethoden grundlegend: Als Teile der Royal School of Mines 1872 nach South Kensington zogen, führte er nach deutschem Vorbild Biologiekurse ein, in denen praktische Laborarbeit im Vordergrund stand. Dieses Modell wurde im Laufe des Jahrhunderts richtungsweisend für Großbritannien. Von 1855 bis 1858 hatte er zusätzlich eine John-Fuller-Professur für Physiologie an der Royal Institution of Great Britain inne. Im Jahr 1885 trat er an der School of Mines in den Ruhestand. Von 1863 bis 1869 unterrichtete er als Hunterian Professor am Royal College of Surgeons of England, und von 1868 bis 1870 war er Präsident der Geological Society of London.

Die entscheidende Begegnung seiner Karriere war sein Anschluss an die Evolutionstheorie von Charles Darwin. Huxley wurde zu ihrem leidenschaftlichsten öffentlichen Verteidiger und trug den Beinamen Darwins Bulldogge. Am 30. Juni 1860 kam es auf der Jahrestagung der British Association for the Advancement of Science zur berühmten Huxley-Wilberforce-Debatte über Darwins Werk Die Entstehung der Arten. Huxley lieferte sich dabei ein viel zitiertes Wortgefecht mit Samuel Wilberforce, dem Bischof von Oxford, das die öffentliche Diskussion über Evolution und Religion schlagartig entfachte.

Sein bekanntestes und damals umstrittenstes Buch Evidence as to Man's Place in Nature erschien 1863 und war der Ausgangspunkt für den weit verbreiteten gesellschaftlichen Streit, ob der Mensch vom Affen abstamme oder nicht. In diesem Werk wandte Huxley die vergleichende Anatomie konsequent an und belegte, dass der Mensch näher mit den großen Menschenaffen verwandt ist als diese mit anderen Affen. Im Jahr 1868 prägte er den Begriff der Wallace-Linie, der biogeografischen Trennlinie zwischen asiatischer und australischer Flora und Fauna, der bis heute Verwendung findet. Im selben Jahr beschrieb er die Substanz Bathybius, die er für ein urtümliches Lebewesen hielt, was sich später jedoch als Irrtum herausstellte. In der zoologischen Systematik begründete er zudem das Taxon der Knorpelfische, lateinisch Chondrichthyes, als eigenständige Klasse der Wirbeltiere.

Im Jahr 1869 gründete Huxley gemeinsam mit anderen Anhängern der Darwin'schen Lehre die Fachzeitschrift Nature, die bis heute zu den renommiertesten wissenschaftlichen Journalen der Welt zählt. Ebenfalls 1869 prägte er den Begriff des Agnostizismus, der die philosophische Haltung beschreibt, dass die Existenz Gottes oder übernatürlicher Wesen weder beweisbar noch widerlegbar ist. Dieses Konzept setzte er in der britischen Öffentlichkeit durch und machte es zu einem anerkannten Bestandteil des intellektuellen Diskurses. Vom 5. August bis 23. September 1876 besuchte Huxley mit seiner Frau die Vereinigten Staaten und hielt dort mehrere Vorträge, die großes Aufsehen erregten.

Huxley war nicht nur Forscher, sondern auch Bildungsreformer und brillanter Stilist. Seine Essays, in denen er wissenschaftliche Gedanken in einer Sprache ausdrückte, die auch dem Laien verständlich war, brachten ihm den Ruf ein, einer der größten Prosaschreiber der englischen Sprache zu sein. Er und seine Mitstreiter setzten in der britischen Gesellschaft einen Wandel durch, der geistige Autorität, klassische Bildung und Ämterpatronage durch ein modernes, empirisch fundiertes Verständnis von Naturwissenschaft und professioneller Kompetenz ersetzte.

Thomas Henry Huxley starb am 29. Juni 1895 auf seinem Anwesen Hodeslea bei Eastbourne. Er hinterließ nicht nur ein umfangreiches wissenschaftliches Werk, sondern auch eine veränderte intellektuelle Landschaft: eine Gesellschaft, in der Naturwissenschaft nicht mehr als Bedrohung des Glaubens, sondern als eigenständige und respektierte Form der Erkenntnis wahrgenommen wurde. Sein Sohn und seine Nachkommen traten in verschiedenen wissenschaftlichen und kulturellen Bereichen hervor und setzten so das intellektuelle Erbe der Familie fort.

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