Seit Menschen ihren Blick zum Himmel richten, beobachten sie Erscheinungen, die sie sich nicht erklären können. Was heute als UFO oder UAP in den Schlagzeilen auftaucht, hat eine Geschichte, die weit in die Antike zurückreicht. Eine der ältesten überlieferten Aufzeichnungen seltsamer Himmelsphänomene findet sich in den Annalen des ägyptischen Pharaos Thutmosis III., der um 1486 vor Christus herrschte. Doch der Begriff selbst und die moderne Faszination dafür entstanden erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, inmitten des Kalten Krieges und eines aufgeheizten öffentlichen Klimas.
Der Startschuss für die moderne UFO-Kultur fiel am 24. Juni 1947, als der US-amerikanische Geschäftsmann und Hobbyflugzeugpilot Kenneth Arnold bei einem Flug über den US-Bundesstaat Washington mehrere leuchtende Objekte sichtete, die sich in einer eigenartigen, wellenförmigen Bewegung durch die Luft fortbewegten. Er beschrieb die Objekte in Zeitungsberichten als "saucer-like aircraft" oder als "shaped like saucers", also untertassenartig. Aus diesem Vergleich entstand der Begriff "Flying Saucer" – die Fliegende Untertasse – der sich innerhalb weniger Wochen weltweit verbreitete.
Arnold selbst betonte später, er habe die Form und nicht die Bewegung der Objekte gemeint. In einem Radiointerview von 1950 distanzierte er sich ausdrücklich vom Begriff "flying saucer" und bestand darauf, er habe stets von "discs" gesprochen. Die Bezeichnung sei schlicht ein Missverständnis mit Reportern gewesen. Doch der Begriff lebte weiter und prägte das kollektive Bild außerirdischer Raumschiffe nachhaltig bis in die Gegenwart.
Der Geheimdienst der US-Luftwaffe übernahm den Ausdruck "flying saucer" zunächst ebenfalls, wechselte jedoch 1951 zur sachlicheren Abkürzung UFO, also Unidentified Flying Object. Verantwortlich für diese Umbenennung war Captain Edward J. Ruppelt, der von 1951 bis 1953 das militärische Untersuchungsprogramm Project Blue Book leitete. Mit der neuen Bezeichnung wollte man jeden Hinweis auf voreilige Schlussfolgerungen über die Herkunft solcher Objekte vermeiden. Das Air Technical Intelligence Center definierte UFO als jedes Objekt, das durch seine Manöver, seine aerodynamischen Merkmale oder seine ungewöhnliche Erscheinung mit keinem bekannten Fluggerät oder Raketentyp übereinstimmt.
In der sogenannten Ufologie, jenem Grenzgebiet zwischen Wissenschaft und Volksglaube, wird bis heute zwischen zwei Kategorien unterschieden. Unter UFOs im weiteren Sinne versteht man Beobachtungen, die sich nach eingehender Untersuchung als bekannte Phänomene oder Objekte erweisen, etwa Wetterballons, Satelliten, Lenticulares-Wolken oder Militärflugzeuge. Diese Kategorie macht den bei weitem größten Teil aller Sichtungsmeldungen aus. UFOs im engeren Sinne hingegen sind jene Fälle, die auch nach sorgfältiger Prüfung nicht erklärt werden können und damit als echte Anomalien gelten.
Einen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass irgendeines dieser Phänomene auf außerirdische Besucher zurückzuführen sei, gibt es nicht. Dennoch beschäftigten sich staatliche Stellen verschiedener Länder über Jahrzehnte ernsthaft mit dem Thema. In den Vereinigten Staaten war Project Blue Book das bekannteste dieser Programme. Es lief von 1952 bis 1969 und untersuchte Tausende von Sichtungsmeldungen, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass keine der untersuchten Beobachtungen auf ein außerirdisches Fahrzeug hindeutete.
Mit der Zeit wandelte sich die Sprache um dieses Thema erneut. Um den missverständlichen Begriff UFO zu vermeiden, setzte sich in Fachkreisen zunächst die Abkürzung UAP durch, die für Unidentified Aerial Phenomena stand, also nicht identifizierte Luftphänomene. Inzwischen wird UAP häufiger mit Unidentified Anomalous Phenomena übersetzt, was einen noch breiteren Bedeutungsrahmen schafft und auch nicht-atmosphärische Erscheinungen einschließen kann.
Das Bild der fliegenden Untertasse blieb trotz aller Bemühungen um neutrale Sprache im kulturellen Gedächtnis verankert. Romane, Filme und Serien griffen das Motiv auf und formten es zu einem festen Element der Populärkultur. Die runde Scheibe mit Kuppel gehört heute zu den bekanntesten ikonografischen Elementen des zwanzigsten Jahrhunderts, obwohl Kenneth Arnold dieses Bild nie beabsichtigt hatte.
Die Debatte um nicht identifizierte Flugobjekte spiegelt tiefere menschliche Bedürfnisse wider: den Wunsch zu verstehen, was am Himmel geschieht, die Furcht vor dem Unbekannten und die Faszination für die Möglichkeit, dass wir nicht allein im Universum sein könnten. Ob als militärisches Rätsel, kulturelles Phänomen oder ernstes Forschungsthema – UFOs und UAPs begleiten das kollektive Bewusstsein der Menschheit seit mindestens acht Jahrzehnten und werden es wohl noch lange weiter tun.


