Sir Edward William Elgar, erster Baronet, wurde am 2. Juni 1857 in Broadheath bei Worcester geboren und wuchs in einem von Musik durchdrungenen Umfeld auf. Sein Vater, William Henry Elgar, war Musikalienhändler, Klavierstimmer und Organist, und die Familie lebte über der elterlichen Musikalienhandlung, dem Elgar Brothers' Music Shop. Als viertes von sieben Kindern atmete Edward von Kindheit an die Welt der Töne, des Handels mit Noten und Instrumenten sowie der praktischen Kirchenmusik. Seine Mutter Ann, geborene Greening, war gegen den Willen ihres Vaters zum Katholizismus konvertiert und erzog ihre Kinder in diesem Glauben, was Elgar sein Leben lang prägen sollte.
Elgar zeigte früh musikalisches Talent und begann, verschiedene Instrumente zu spielen. Nach einer kurzen Tätigkeit bei einem Notar trat er in das väterliche Geschäft ein, doch sein Herz gehörte der Musik. Mit sechzehn Jahren fasste er den Entschluss, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen. Im Jahr 1877 wurde er in den Worcester Glee Club aufgenommen und übernahm die Leitung der neu gegründeten Worcester Amateur Instrumental Society. Er dirigierte die Proben, begann Fagott zu spielen und stellte ein ungewöhnliches Bläserquintett zusammen, bestehend aus zwei Flöten, Oboe, Klarinette und Fagott. Dieses Ensemble spielte unter dem Namen The Sunday Band oder The Brothers Wind und führte Kammermusik auf, die Elgar selbst für diese Besetzung schrieb, gefällige und zugängliche Gebrauchsmusik für den sonntäglichen Genuss.
Im selben Jahr nahm Elgar in London Violinunterricht bei Adolf Politzer. Als Komponist war er vollständig Autodidakt, was ihm später sowohl bewundernde als auch kritische Blicke einbringen sollte. 1880 stieß der Geiger Karl Bammert zu der Gruppe, einige Quintette folgten, und die Gruppe bestand bis 1882. Im Jahr 1882 wurde Elgar Konzertmeister in Worcester, und 1885 übernahm er als Nachfolger seines Vaters das Amt des Organisten an der Kirche Saint George. Diese Kombination aus praktischer Musikerfahrung und kirchlichem Amt prägte seinen Stil nachhaltig.
Ein entscheidender persönlicher Schritt war seine Heirat im Jahr 1889 mit Caroline Alice Roberts, einer seiner Klavierschülerinnen. Das Paar zog nach Malvern in Worcestershire, und Elgar widmete sich fortan als freischaffender Komponist seiner Kunst. Caroline Alice war weit mehr als Ehefrau: Sie unterstützte ihren Mann bei seiner Arbeit, managte seine Auftritte und schützte ihn vor den Ablenkungen des Alltags. Das Paar hatte eine Tochter, Carice, die von 1890 bis 1970 lebte. Bereits in früheren Jahren hatte Elgar als Bandmaster des Attendants Orchestra am County Lunatic Asylum gearbeitet, für ein Gehalt von 32 Pfund pro Jahr, zuzüglich fünf Shilling für jede Polka oder Quadrille, die er komponierte.
Seinen ersten nationalen Ruhm erwarb Elgar mit seinen Kantaten The Black Knight aus dem Jahr 1893 und King Olaf aus dem Jahr 1896 sowie dem Oratorium The Light of Life, ebenfalls 1896. Diese Werke brachten ihm Anerkennung in Musikkreisen, doch der eigentliche Durchbruch als Komponist kam 1899 mit den Enigma-Variationen. Dieses großformatige Orchesterwerk mit vierzehn Charaktervariationen stellt in kunstvoll-farbiger Instrumentation die persönlichen Eigenschaften von Freunden und Bekannten des Komponisten dar und knüpft an die große Tradition der Orchestervariationen des neunzehnten Jahrhunderts an. Ein Jahr später folgte das Oratorium The Dream of Gerontius für das Birmingham Triennial Music Festival, das Elgars Ruf endgültig festigte.
Im Jahr 1904 wurde Elgar zum Knight Bachelor geschlagen und kurz darauf als Professor an die Universität Birmingham berufen. Er gehörte auch dem renommierten Garrick Club an. Sein bekanntestes Werk, der Pomp and Circumstance March No. 1, enthält als Mittelteil die Melodie, die als Land of Hope and Glory weltbekannt wurde. Diese Hymne gilt als die wichtigste inoffizielle Hymne des Vereinigten Königreichs und ist ein unverzichtbarer Höhepunkt der alljährlichen Last Night of the Proms, dem feierlichen Abschlusskonzert der BBC Proms in London.
In den Jahren vor und während des Ersten Weltkriegs schuf Elgar neben patriotischen Stücken drei bedeutende Kammermusikwerke sowie ein elegisches Cellokonzert. Besonders hervorzuheben ist das 1910 fertiggestellte Konzert für Violine und Orchester, das er auf Wunsch des Geigers Fritz Kreisler komponierte. Es stellt sich bewusst in die Tradition großangelegter romantischer Konzerte, wie sie Beethoven und Brahms geschrieben hatten. Das Werk wurde ein großer Publikumserfolg und wird bis heute von führenden Violinisten eingespielt. Mit einer Laufzeit von rund fünfzig Minuten zählt es zu den längsten Instrumentalkonzerten der gesamten Musikgeschichte.
Edward Elgar starb am 23. Februar 1934 in Worcester. Er hinterließ ein Werk, das die englische Musik aus der Provinzialität herausführte und ihr internationale Anerkennung verschaffte. Elgar war eine widersprüchliche Figur: ein Autodidakt ohne Konservatoriumsausbildung, ein Katholik in einem anglikanischen Land, ein Mann aus einfachen Verhältnissen, der zum Lieblingskomponisten des Königshauses wurde. Sein musikalisches Erbe lebt in Konzertsälen, bei Staatsfeierlichkeiten und Schulabschlussfeiern rund um die Welt weiter.


