Der Konflikt in Mali, der im Januar 2012 begann und seither das westafrikanische Land in Aufruhr hält, ist eines der komplexesten Sicherheitsprobleme des afrikanischen Kontinents. Als Mali-Krise, Mali-Krieg oder Mali-Konflikt bezeichnet, vereint er Elemente eines ethnischen Unabhängigkeitskampfes, eines islamistischen Aufstands und eines geopolitischen Ringens um Einfluss in der Sahelzone.
Die tiefsten Wurzeln des Konflikts liegen in der seit Jahrzehnten schwelenden Spannung zwischen dem zentralen malischen Staat und den Tuareg-Bevölkerungen im Norden des Landes. Die Tuareg, ein nomadisch geprägtes Berbervolk, hatten in der Geschichte Malis wiederholt Aufstände unternommen, um größere Autonomie oder Unabhängigkeit für ihre Heimatregion zu erreichen. Im Januar 2012 griffen diese Spannungen erneut auf.
Die Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad, bekannt unter dem Kürzel MNLA, führte einen bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit der nördlichen Regionen, die sie unter dem historischen Namen Azawad zusammenfassen. Die malischen Streitkräfte, durch den Sturz des langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Touré durch einen Militärputsch im März 2012 geschwächt, verloren in kurzer Zeit die Kontrolle über weite Teile des Nordens. Im April 2012 rief die MNLA einseitig die Unabhängigkeit des Staates Azawad aus.
Doch die erhoffte Kontrolle über das eroberte Gebiet blieb der MNLA nicht lange. Islamistische Milizen, darunter Gruppen wie Ansar Dine und der mit al-Qaida verbundene AQIM, verdrängten die säkulare Unabhängigkeitsbewegung sukzessive aus den gewonnenen Gebieten. Diese Islamisten errichteten in den von ihnen kontrollierten Städten ein strenges Reglement nach ihrer Auslegung des islamischen Rechts. Schließlich dehnten sie ihren Vormarsch auf die südlicheren Landesteile aus und bedrohten die Hauptstadt Bamako.
Angesichts dieser Entwicklung intervenierten im Januar 2013 französische Streitkräfte im Rahmen der Operation Serval. Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht in der Region, handelte auf Ersuchen der malischen Übergangsregierung. Die gut ausgebildeten und mit modernem Gerät ausgestatteten französischen Truppen stoppten den islamistischen Vormarsch rasch und befreiten in den folgenden Wochen alle zuvor verlorenen Gebiete zurück.
An die Operation Serval schloss sich die Operation Barkhane an, an der mehrere westliche Staaten beteiligt waren. Sie zielte auf eine dauerhafte Bekämpfung islamistischer Milizen in der gesamten Sahelzone ab. Seit 2013 wurden zudem im Rahmen der UN-Mission MINUSMA mehr als 10.000 Blauhelmsoldaten zur Stabilisierung Malis eingesetzt, darunter auch die Bundeswehr mit über 1.000 Soldaten.
Die innenpolitische Lage Malis blieb jedoch fragil. Zwei Militärputsche innerhalb eines einzigen Jahres verschlechterten das Verhältnis der malischen Regierung zu ihren europäischen Verbündeten erheblich. Im Juni 2021 verkündete der französische Präsident Emmanuel Macron das Ende der Operation Barkhane und den schrittweisen Abzug der französischen Truppen.
An die Stelle der europäischen Partner trat zunehmend Russland. Berichten zufolge sind Kämpfer der Gruppe Wagner seit Dezember 2021 auf Einladung der malischen Militärregierung im Land aktiv und unterstützen die malischen Streitkräfte gegen islamistische Milizen. Die Konsequenzen dieser sicherheitspolitischen Neuausrichtung für die Stabilität Malis und der gesamten Sahelzone bleiben eines der zentralen Themen der internationalen Sicherheitsdebatte.
Der Konflikt hat die Bevölkerung Malis schwer getroffen. Hunderttausende Menschen wurden vertrieben, die wirtschaftliche Entwicklung des ohnehin armen Landes wurde massiv zurückgeworfen. Das kulturelle Erbe der Region, darunter die historischen Bibliotheken und Moscheen von Timbuktu, wurde durch die Anwesenheit der Islamisten ernsthaft bedroht.
