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Zweiter Golfkrieg

Krieg in Irak und Kuwait zwischen 1990 und 1991

6 min01/01/2024
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Der Zweite Golfkrieg zählt zu den folgenreichsten militärischen Konflikten des späten 20. Jahrhunderts und markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des Nahen Ostens sowie der internationalen Sicherheitspolitik nach dem Ende des Kalten Krieges. Er begann mit einem Akt offener Aggression: Am 2. August 1990 marschierten irakische Streitkräfte in das kleine, ölreiche Emirat Kuwait ein und überrannten es innerhalb weniger Stunden. Nur wenige Wochen später, am 28. August 1990, annektierte der Irak unter Saddam Hussein Kuwait offiziell und erklärte es zur 19. Provinz des irakischen Staates.

Die historischen Wurzeln des Konflikts reichen tief. Schon vor dem Ersten Weltkrieg gehörte Kuwait zum Vilâyet Basra innerhalb des Osmanischen Reiches, doch der nach dem Krieg neu gegründete Staat Irak schloss das Emirat nie in sein Territorium ein. Als Kuwait 1961 seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte, versuchte der Irak erfolglos, dessen Aufnahme in die Vereinten Nationen und die Arabische Liga zu verhindern. Zwar erkannte Bagdad die Eigenstaatlichkeit Kuwaits 1963 formal an, doch Grenzstreitigkeiten blieben bestehen, da eine eindeutige Demarkation zwischen beiden Staaten nie vollständig vorgenommen wurde.

Ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor spielte ebenfalls eine Rolle: Nach dem verheerenden Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988 war der Irak in enormen Schulden versunken, unter anderem gegenüber Kuwait, das dem Irak einen Kredit in Höhe von rund 80 Milliarden US-Dollar gewährt hatte. Saddam Hussein hoffte, durch eine Senkung der von der OPEC festgelegten Ölförderquoten den Ölpreis zu steigern und damit seine Schulden abtragen zu können. Der Irak bezichtigte Kuwait, seine Förderquoten überschritten zu haben und damit für den niedrigen Ölpreis mitverantwortlich zu sein, was dem Irak nach Bagdader Darstellung Milliardenverluste beschert habe.

Die internationale Reaktion auf die Invasion ließ nicht lange auf sich warten. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den irakischen Angriff scharf und verhängte umfangreiche Wirtschaftssanktionen. Unter der Führung der Vereinigten Staaten formierte sich eine internationale Koalition aus mehr als dreißig Staaten, die auf Grundlage der Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates mit der Befreiung Kuwaits beauftragt wurde. Diese Koalition war die größte seit dem Zweiten Weltkrieg und umfasste sowohl westliche als auch arabische Staaten, was den Konflikt historisch einzigartig machte: Es war das erste Mal, dass arabische Staaten aktiv auf verschiedenen Seiten eines arabischen Krieges gegeneinander standen.

Die militärische Operation verlief in zwei Phasen. In der ersten Phase, der Operation Desert Shield, wurden ab Herbst 1990 gewaltige Truppenkontingente in der Region aufgestellt. Am 16. Januar 1991 begann dann die Operation Desert Storm, die eigentliche Offensive gegen den Irak. Eine massive Luftkampagne von beispielloser Intensität eröffnete den Krieg; über vierzig Tage lang bombardierten Koalitionsflugzeuge militärische Ziele im Irak und in Kuwait, bevor am 24. Februar 1991 die Bodenoffensive begann.

Der Bodenkrieg dauerte nur hundert Stunden. Die irakischen Streitkräfte, die auf dem Papier als viertstärkste Armee der Welt galten, brachen rasch zusammen. Die Koalitionstruppen stießen tief in den Irak vor und zerschlugen die irakischen Verbände in Kuwait. Am 28. Februar 1991 verkündete US-Präsident George H. W. Bush die Einstellung der Kampfhandlungen. Kuwait war befreit, Saddam Hussein blieb jedoch an der Macht.

Ein herausragendes Merkmal dieses Krieges war die extrem asymmetrische Verteilung der Verluste. Während die Koalition vergleichsweise geringe Verluste erlitt, trug der Irak katastrophale Opferzahlen davon. Neben den unmittelbaren Kriegsschäden hinterließ der Konflikt auch schwere mittelbare Umweltschäden: irakische Truppen zündeten beim Rückzug über 700 kuwaitische Ölquellen an, und die ins Meer geleiteten Ölmengen verursachten eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte.

Der Zweite Golfkrieg war zudem der erste Krieg, der in Echtzeit im Fernsehen übertragen wurde. Der amerikanische Kabelsender CNN wurde durch seine kontinuierliche Berichterstattung aus dem Krisengebiet zum ersten wirklich global bekannten Nachrichtenmedium der Welt. Die Bilder von Lenkraketen, die präzise in Gebäude flogen, und von der dramatischen nächtlichen Bombardierung Bagdads prägten das Bild moderner Kriegsführung nachhaltig.

Drei nichtarabische Staaten der Region – Israel, Iran und die Türkei – waren ebenfalls unmittelbar von den Ereignissen betroffen. Israel wurde von irakischen Scud-Raketen beschossen, hielt sich auf amerikanischen Druck hin jedoch aus dem Krieg heraus, um den arabischen Mitgliedern der Koalition keinen Vorwand zum Rückzug zu geben. Der Iran wiederum blieb trotz seiner Feindschaft gegenüber dem Irak neutral, während die Türkei als NATO-Mitglied zur Koalition beitrug.

Das Ende des Kalten Krieges bildete den übergeordneten geopolitischen Rahmen des Konflikts. Die Sowjetunion, die traditionell dem Irak wohlgesonnen war, konnte oder wollte keine effektive Gegenstrategie entwickeln. Dies ermöglichte es den USA, erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine breite, durch das internationale Recht legitimierte Militärkoalition zu führen, ohne das Vetorisiko im Sicherheitsrat fürchten zu müssen.

Das Erbe dieses Krieges ist vielschichtig. Der Konflikt festigte die militärische Dominanz der USA im Nahen Osten, hinterließ aber auch politische Instabilität. Saddam Hussein blieb bis zur amerikanischen Invasion von 2003 an der Macht. Die anhaltende US-Militärpräsenz in Saudi-Arabien wurde von radikalen islamistischen Gruppen als Provokation empfunden und trug zur Radikalisierungsdynamik bei, die später zum Terroranschlag vom 11. September 2001 führte. In militärtheoretischer Hinsicht begründete der Zweite Golfkrieg das Konzept der präzisionsgelenkten Kriegsführung und zeigte, wie moderne Luftmacht und technologische Überlegenheit in kurzer Zeit zu entscheidenden militärischen Ergebnissen führen können.

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