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Zweiter Kongokrieg

Bürgerkrieg in Mittelafrika 1998 bis 2003

6 min01/01/2024
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Der Zweite Kongokrieg, der von 1998 bis 2003 auf dem weiten Territorium der Demokratischen Republik Kongo wütete, gilt als einer der zerstörerischsten Konflikte der neueren Geschichte. Aufgrund der Vielzahl beteiligter afrikanischer Staaten erhielt er international den eindringlichen Beinamen „Afrikanischer Weltkrieg" oder „Afrikas erster Weltkrieg". Die genaue Zahl der Toten lässt sich bis heute nicht mit Sicherheit bestimmen; Hochrechnungen gehen von mehr als drei Millionen Menschen aus, die dem Konflikt direkt oder durch seine Folgen – Hunger, Seuchen, Vertreibung – zum Opfer fielen. Nur eine kleine Minderheit dieser Opfer starb durch direkte Gewalteinwirkung, was die verheerenden humanitären Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung besonders deutlich macht.

Der Krieg entzündete sich vor dem Hintergrund der politischen Instabilität, die den Kongo seit dem Ende der Mobutu-Ära prägte. Die Regierung in Kinshasa war selbst erst 1997 im Zuge des Ersten Kongokrieges an die Macht gelangt, als Laurent-Désiré Kabila die jahrzehntelange Herrschaft Mobutus beendet hatte. Doch Kabilas Regierung enttäuschte die Hoffnungen auf Demokratisierung und wirtschaftliche Erneuerung rasch. Im Mai 1997 erließ sie ein Verbot sämtlicher oppositionspolitischer Aktivitäten und öffentlicher Demonstrationen in der Hauptstadt; regierungskritische Berichterstattung wurde unter Strafe gestellt. Statt eine wirkliche Abkehr vom autoritären Stil Mobutus zu vollziehen, setzte Kabilas Regierung nach Einschätzung vieler Beobachter dessen kleptokratische Traditionen fort.

Auf internationaler Ebene geriet Kabila in anhaltenden Konflikt mit den Vereinten Nationen, die Vorwürfe aufklären wollten, wonach Teile seiner AFDL-Allianz während und nach dem Ersten Kongokrieg systematisch Massaker an Angehörigen der Hutu-Volksgruppe verübt hätten. Kabilas wiederholte Behinderungen dieser Untersuchungen führten nicht nur zu diplomatischen Verwerfungen, sondern auch zum Einbehalt dringend benötigter Entwicklungsgelder durch ausländische Geldgeber. Gleichzeitig blieben wirtschaftspolitische Bemühungen weitgehend erfolglos; die tiefgreifende ökonomische Misere, die Jahrzehnte Mobutuscher Misswirtschaft hinterlassen hatten, ließ sich nicht beheben.

Ein weiteres Spannungsfeld ergab sich aus dem Umgang mit den östlichen Provinzen und dem Verhältnis zu Ruanda. Kabila befand sich in einem ständigen Balanceakt zwischen den Interessen Ruandas und denjenigen der eigenen kongolesischen Bevölkerung, insbesondere in den östlichen Kivu-Provinzen, wo ethnische Spannungen und die Nachwirkungen des ruandischen Völkermordes von 1994 ein dauerhaftes Konfliktpotenzial bildeten.

Im August 1998 eskalierte die Lage. Mehrere Rebellengruppen, die teils von Ruanda und Uganda unterstützt wurden, starteten einen koordinierten Versuch, die Regierung Kabilas zu stürzen. Von kongolesischer Regierungsseite wurde der Krieg als „Angriffskrieg" oder „Besatzungskrieg" bezeichnet, während die Rebellen ihn als „Berichtigungskrieg" deklarierten. Kabila seinerseits holte Unterstützung aus Zimbabwe, Angola und Namibia, während Ruanda und Uganda auf der Gegenseite standen. Dieser Umstand verlieh dem Konflikt seinen charakterübergreifenden Charakter: Nicht weniger als neun afrikanische Staaten waren direkt militärisch involviert.

Nach ersten verheerenden Kriegsmonaten wurde 1999 das Abkommen von Lusaka unterzeichnet, das einen Waffenstillstand vorsah. In der Praxis hielt dieser jedoch kaum, da die Vielzahl der bewaffneten Gruppen und die anhaltenden Interessenkonflikte zwischen den externen Akteuren eine wirkliche Befriedung verhinderten. Erst ab 2001 begann sich die Lage langsam zu stabilisieren. Im Januar 2001 wurde Laurent-Désiré Kabila von einem seiner Leibwächter erschossen; sein Sohn Joseph Kabila übernahm die Macht und zeigte sich gegenüber Verhandlungen aufgeschlossener.

Im Jahr 2002 wurde schließlich ein Friedensvertrag unterzeichnet, und 2003 nahm eine Allparteienregierung ihre Arbeit auf, die 2006 freie Wahlen durchführte. Dies war ein historischer Moment für ein Land, das seit Jahrzehnten keine echten demokratischen Wahlen mehr erlebt hatte. Dennoch bedeuteten diese Schritte kein Ende aller Gewalt im Kongo.

Der Osten des Landes, insbesondere die Provinzen Kivu und Ituri, blieb ein Herd anhaltender Gewalt. Bereits seit 1994 tobte dort ein weitgehend eigenständiger Milizenkrieg, der im Friedensvertrag von 2002 nicht adäquat berücksichtigt worden war. Dieser Konflikt eskalierte 2007 zum Dritten Kongokrieg, der 2009 offiziell beigelegt wurde. Gleichwohl dauern bewaffnete Auseinandersetzungen im Ostkongo in verminderter Intensität bis in die Gegenwart an.

Der Zweite Kongokrieg hinterließ tiefe strukturelle Wunden im ohnehin fragilen kongolesischen Staat. Das Land verlor weite Gebiete seiner wirtschaftlichen Substanz, Millionen Menschen wurden vertrieben, und die staatlichen Institutionen, die Kabila senior schon geschwächt hinterlassen hatte, wurden durch den Krieg weiter ausgehöhlt. Der Reichtum des Kongos an Bodenschätzen – Coltan, Gold, Diamanten – erwies sich dabei nicht als Segen, sondern als Treibstoff für die Kriegswirtschaft verschiedenster bewaffneter Akteure.

Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Friedensmissionen der Vereinten Nationen, doch die MONUC und ihre Nachfolgemissionen standen stets vor der Herausforderung, ein riesiges Territorium mit begrenzten Mitteln zu stabilisieren. Der Zweite Kongokrieg bleibt damit ein mahnendes Beispiel dafür, wie das Zusammenwirken interner politischer Schwäche, regionaler Rivalitäten und wirtschaftlicher Interessen an Ressourcen zu einer humanitären Katastrophe von beispiellosem Ausmaß führen kann.

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