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Tutanchamun

Altägyptischer König (Pharao) im 14. Jahrhundert v. Chr./der 18. Dynastie

6 min01/01/2024
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Tutanchamun – ursprünglich Tutanchaton genannt – war ein altägyptischer Pharao der 18. Dynastie im Neuen Reich, der etwa von 1332 bis 1323 vor Christus regierte. Seine Herrschaft dauerte nur knapp zehn Jahre, und er starb jung, vermutlich im Alter von etwa neunzehn Jahren. Zu Lebzeiten war er von eher geringer politischer Bedeutung. Weltberühmt wurde er jedoch, als der britische Archäologe Howard Carter im Jahr 1922 im Tal der Könige sein nahezu vollständig unberührtes Grab entdeckte, das die Katalognummer KV62 trägt.

Die Frage nach Tutanchamuns Eltern beschäftigte die Ägyptologie über Jahrzehnte. Entscheidende Hinweise brachte ein Bruchstück eines Blocks aus Hermopolis, der bereits 1929 bis 1939 während der Deutschen Hermopolis-Expedition unter Günther Roeder entdeckt, jedoch erst 1969 vollständig publiziert wurde. Die Inschrift dieses Blocks benennt Tutanchamun – dort noch unter seinem ursprünglichen Namen Tutanchaton – als Sohn eines nicht namentlich genannten Königs und erwähnt daneben seine Schwester Anchesenpaaton. Da Anchesenpaaton in anderen Inschriften nachweislich als Tochter des Pharaos Echnaton aufgeführt ist, müssen beide Kinder denselben Vater gehabt haben: Echnaton.

Zahi Hawass, der ehemalige Generalsekretär des Obersten Rates der Altertümer Ägyptens, war bereits 2008 von Echnatons Vaterschaft überzeugt, und die im Jahr 2010 durchgeführten DNA-Analysen bestätigten diese Annahme. Ein CT-Befund ergab zudem, dass die Mumie aus dem Grab KV55 – die als Tutanchamuns Vater identifiziert wurde – im Alter von etwa 35 bis 45 Jahren gestorben war. Hawass erklärte daraufhin, es sei nun zweifelsfrei erwiesen, dass es sich bei der Person aus KV55 um Echnaton handelt. Freilich wurden vereinzelt Zweifel an der Zuverlässigkeit der DNA-Analysen geäußert, da das hohe Alter und mögliche Verunreinigungen der Proben die Ergebnisse beeinflussen könnten.

Auch die Mutter Tutanchamuns wurde durch die DNA-Untersuchungen identifiziert: die als „Younger Lady" bezeichnete Mumie aus dem Grab KV35, die dort gemeinsam mit einer als „Elder Lady" bezeichneten anderen Mumie begraben war. Diese Frau war nachweislich eine Schwester der Mumie aus KV55 – also Echnatons Geschwister –, was bedeutet, dass Tutanchamuns Eltern Geschwister waren. Ein Zeichen für die damals innerhalb der Herrscherfamilie praktizierten Inzuchtheiraten. Der Name der Mutter ist bis heute unbekannt; frühere Vermutungen hatten Königin Nofretete, ihre Tochter Maketaton oder Echnatons Nebenfrau Kija als Mutter genannt.

Tutanchamun hatte mindestens sechs Schwestern beziehungsweise Halbschwestern: Meritaton, Maketaton, Anchesenpaaton, Neferneferuaton tascherit, Neferneferure und Setepenre. Unsicher bleibt die Einordnung des Semenchkare, der oft als sein Bruder oder Halbbruder angesehen wird. Tutanchamuns Große königliche Gemahlin war Anchesenamun – ursprünglich Anchesenpaaton –, die als Tochter Echnatons seine Schwester oder Halbschwester war. Kinder des Paares sind nicht durch Inschriften belegt. Im Grab wurden zwei mumifizierte Föten gefunden – eine Frühgeburt und eine Totgeburt –, die als seine Töchter angesehen wurden. DNA-Untersuchungen haben diese Annahme gestützt, obwohl auch die Möglichkeit diskutiert wurde, dass die Föten aus einem anderen Grab in Amarna entnommen worden sein könnten.

Die Regierungszeit Tutanchamuns war von einer entscheidenden religiösen Wende geprägt: Sein Vater Echnaton hatte die traditionelle ägyptische Götterwelt zugunsten eines einzigen Sonnengottes, des Aton, verworfen und damit eine religiöse Revolution ausgelöst, die als Amarnazeit in die Geschichte eingegangen ist. Der junge Tutanchamun – zunächst noch Tutanchaton, „lebendiges Abbild des Aton" – vollzog unter dem Einfluss seiner Berater die Abkehr von dieser Reform. Er änderte seinen Namen zu Tutanchamun, „lebendiges Abbild des Amun", und stellte den alten Götterkult wieder her. Die Hauptstadt wurde von Amarna zurück nach Memphis verlegt, die Tempel des Amun wurden restauriert.

Die Amme des Tutanchamun war eine Frau namens Maia, deren Grab sich in Sakkara, im sogenannten Bubasteion, befindet. Dieser Fund gibt einen seltenen persönlichen Einblick in das Leben des Pharaos jenseits der offiziellen Staatsdarstellungen.

Das nahezu ungeplünderte Grab KV62, das Carter 1922 öffnete, enthielt über 5.000 Objekte: Möbel, Schmuck, Kleidung, Streitwagen, rituelle Gegenstände und die goldene Totenmaske, die zu einem der bekanntesten Artefakte der Welt geworden ist. Der Fund löste einen weltweiten Ägypten-Boom aus. Die Rede vom „Fluch des Pharaos", der angeblich jeden traf, der das Grab betrat, war eine mediale Erfindung ohne historische Grundlage – gleichwohl wurde sie für Jahrzehnte weitererzählt. Tutanchamuns kurzes Leben und sein prachtvolles Grab machen ihn heute zum bekanntesten Pharao der Geschichte, obwohl er zu Lebzeiten einer der unbedeutendsten war.

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