Charlotte Joachime von Spanien kam am 25. April 1775 im königlichen Palast von Aranjuez zur Welt. Sie war das zweite Kind Karls, des Prinzen von Asturien, und seiner Gemahlin Maria Luisa von Parma, zugleich aber das älteste, das das Kindesalter überlebte. Zu ihrer Taufe erhielt sie die Namen Carlota Joaquina Teresa Cayetana — der erste Vorname zu Ehren ihres Vaters und ihres Großvaters väterlicherseits, König Karl III. von Spanien. Dieser machte aus seinem Gefallen an der Enkelin keinen Hehl: Charlotte Joachime galt als seine Lieblingsenkelin.
Der spanische Hof des späten 18. Jahrhunderts war ein Ort strenger Etikette und zutiefst katholischer Frömmigkeit. Karl III. legte großen Wert auf Disziplin und Würde — Werte, die in der Erziehung der Infantin ihren Niederschlag fanden. Charlotte lernte Religion, Geographie, Malerei und vor allem das Reiten, das zu ihrer großen Leidenschaft wurde. Trotz oder vielleicht gerade wegen dieser strengen Umgebung wurde die kleine Infantin als schelmisch und verspielt beschrieben, als ein Kind mit lebhaftem Temperament, das sich nicht so leicht bändigen ließ.
Ihre Mutter Maria Luisa präsentierte ein anderes Bild. Die Prinzessin von Asturien organisierte am Hof luxuriöse Festlichkeiten, bei denen die moralischen Schranken gelegentlich fielen. Bald umgaben sie Gerüchte über Liebesaffären — namentlich mit dem Premierminister Manuel Godoy, der ihr als Günstling besonderer Zuneigung genoss. Der schlechte Ruf der Mutter traf ihre Kinder hart, am meisten vielleicht Charlotte als die älteste Tochter. Maria Luisa ging als eine der unbeliebtesten Königinnen Spaniens in die Geschichte ein.
Die Hochzeit Charlotte Joachimes war eine dynastische Angelegenheit, die Ende der 1770er Jahre von König Karl III. und seiner Schwester Maria Viktoria, der Königinwitwe von Portugal, arrangiert worden war. Das Ziel war ein politisches: die angespannten Beziehungen zwischen Spanien und Portugal zu verbessern und durch eine Doppelehe beide Dynastien aneinander zu binden. Charlotte sollte Johann, Herzog von Beja, den späteren König Johann VI. von Portugal, heiraten — einen Enkel Maria Viktorias. Gleichzeitig war vorgesehen, dass der spanische Infant Gabriel, Charlottes Onkel väterlicherseits, die portugiesische Infantin Maria Viktoria ehelichen würde.
Bevor die Verbindung besiegelt werden konnte, musste Charlotte Joachime ihre Kenntnisse und Fähigkeiten in öffentlichen Prüfungen unter Beweis stellen — vor den spanischen Cortes und vor portugiesischen Botschaftern, die im Auftrag Königin Marias I. von Portugal die Eignung der künftigen Braut beurteilten. Im Oktober 1785 berichtete die Lissaboner Gazeta über diese Prüfung in höchsten Tönen: Die umfassenden Kenntnisse des Kindes in so jungem Alter seien kaum zu fassen — ein Zeugnis für Gedächtnis, Verstand und die außerordentliche Begabung, mit der Gott sie ausgestattet habe.
Nachdem alle Zweifel an ihrer Eignung ausgeräumt waren, konnte am 8. Mai 1785 die Trauung durch Stellvertreter gefeiert werden. Drei Tage später, am 11. Mai, verließ die erst zehnjährige Charlotte Joachime mit ihrem Gefolge Spanien in Richtung Lissabon. Zu ihrem Gefolge gehörten Pater Felipe Scio, ein berühmter spanischer Theologe, sowie die Gelehrte Emília O'Dempsy als Hofdame und Anna Miquelina als persönliche Magd. Kurz vor der Abreise bat Charlotte ihre Mutter, ein Porträt von ihr im roten Kleid an die Wand zu hängen — anstelle eines Bildes der spanischen Infantin Margarita Theresa. Eine kleine, aber bezeichnende Geste der Eigenständigkeit.
In Lissabon angekommen, trat Charlotte in die Welt des portugiesischen Hofes ein und heiratete Johann, der nach dem Tod seiner älteren Brüder Kronprinz werden sollte. Aus dieser Ehe gingen zahlreiche Kinder hervor. Charlottes Temperament blieb dabei ungebrochen: Sie war ehrgeizig, politisch interessiert und keineswegs bereit, sich mit einer passiven Rolle am Hof zu begnügen. In den bewegten Jahren der Napoleonischen Kriege, als die königliche Familie 1807 vor den französischen Truppen nach Brasilien fliehen musste, spielte sie eine aktive und bisweilen eigenmächtige Rolle.
In Brasilien entwickelte Charlotte Joachime eigenständige politische Ambitionen. Sie versuchte, die spanischen Kolonien in Südamerika für sich oder ihren Sohn zu gewinnen, und intrigierte gegen ihren eigenen Gatten, der 1816 nach dem Tod seiner Mutter König Johann VI. von Portugal und Brasilien wurde. Die Ehe der beiden war eine der unglücklichsten der europäischen Dynastiegeschichte: ein dauerhafter Kampf zweier gegensätzlicher Temperamente. Charlotte stand dem liberalen Verfassungskurs ihres Mannes ablehnend gegenüber; sie war leidenschaftliche Verfechterin des Absolutismus.
Nach der Rückkehr der königlichen Familie nach Portugal 1821 setzte Charlotte ihren politischen Kurs fort, unterstützte ihren jüngeren Sohn Miguel in seinem Kampf gegen die konstitutionelle Ordnung und blieb bis zuletzt eine polarisierende Figur am Hofe. Sie starb am 7. Januar 1830 im Palast von Queluz, dem Ort ihrer letzten Jahre. Charlotte Joachime hinterließ das Bild einer Frau, die in einer Zeit geboren wurde, als Fürstinnen zu Heiratsobjekten der Diplomatie bestimmt waren, und die dennoch versuchte, Geschichte nach eigenem Willen zu gestalten — mit Methoden, die ihre Zeitgenossen ebenso faszinierten wie erschreckten.