Karl I. von Anjou wurde im März 1227 geboren — das genaue Datum ist bis heute Gegenstand der historischen Forschung. Er war der jüngste Sohn des französischen Königs Ludwig VIII., genannt der Löwe, der im November 1226 starb, und dessen Gemahlin Blanka von Kastilien. In seinem Testament vom Juni 1225 hatte Ludwig VIII. fünf lebende Söhne aufgeführt; Karl wird darin nicht erwähnt, was ihn als Nachzügler ausweist. Eine Chronik aus Tournai berichtet von einem sechsten Sohn namens Stephan, der nach dem Tod des Vaters zur Welt gekommen sein soll. Die Historiker diskutieren bis heute, ob Karl und Stephan identisch sind oder zwei verschiedene Personen — wobei Karls erstmaliges Auftreten in Quellen erst aus dem Jahr 1239 stammt, als er gemeinsam mit seinen Brüdern die aus Konstantinopel eingetroffene Dornenkrone in Empfang nahm.
Bemerkenswert ist, dass Karl als erster legitim geborener Kapetingerprinz den Namen des Kaisers Karl des Großen trug. Vor ihm hatte ihn nur Peter Karlotus getragen, ein Sohn Philipps II. August, und selbst dieser nur im Diminutiv. Unter Ludwig VIII. hatte die kapetingische Monarchie eine dynastische und ideologische Anknüpfung an die karolingische Tradition vollzogen — eine Verknüpfung, die sich nun auch in der Namensgebung niederschlug.
1245 führte Karl im Auftrag seines Bruders, König Ludwig IX. — des späteren Heiligen Ludwig —, ein Heer in die Provence, um dort die Herrschaft für das französische Königshaus zu sichern. Durch Heirat und militärische Konsolidierung wurde er zu einem mächtigen Herrscher. Schritt für Schritt baute er seine Position aus und erwarb sich den Ruf eines entschlossenen und ehrgeizigen Fürsten. 1266 erhielt Karl von Papst Clemens IV. die Investitur über das Königreich Sizilien, nachdem er mit päpstlicher Unterstützung die Hohenstaufen-Linie im Kampf um die süditalienische Herrschaft bezwungen hatte. In der entscheidenden Schlacht bei Benevent im Februar 1266 besiegte er König Manfred, den illegitimen Sohn Kaiser Friedrichs II., der auf dem Schlachtfeld fiel. Karl wurde König von Sizilien und Herr über Süditalien.
Seine Herrschaft im Süden war von Anfang an von harter Steuerpolitik und der Bevorzugung französischer Adliger geprägt, was den lokalen Widerstand schürte. 1268 besiegte Karl den letzten Hohenstaufenerben Konradin bei Tagliacozzo und ließ ihn hinrichten — eine Tat, die in der deutschen Erinnerung als barbarischer Akt eingraviert blieb. Karl pflegte weitreichende Ambitionen: Er träumte von einem Mittelmeerreich und von der Kontrolle über Konstantinopel, das 1261 von den Byzantinern zurückerobert worden war.
Doch im März 1282 brach auf Sizilien ein Volksaufstand aus, der als Sizilianische Vesper in die Geschichte eingegangen ist. Am Abend des 30. März, zur Vesperzeit, begann in Palermo ein spontanes Massaker an der französischen Besatzung. Innerhalb weniger Wochen vertrieben die Sizilianer die Franzosen von der Insel und boten die Herrschaft über Sizilien dem aragonesischen König Peter III. an, der als Schwiegersohn des letzten legitimen Stauferkönigs Manfred seine Ansprüche geltend machte. Karl verlor die Insel Sizilien vollständig. Sein Herrschaftsgebiet beschränkte sich fortan auf den festländischen Teil des Königreichs, das fortan als Königreich Neapel bekannt war — doch der Titel des Königs von Sizilien blieb offiziell unverändert, ein hartnäckig behauptetes Rechtsfundament für zukünftige Ansprüche.
Die folgenden Jahre waren von dem vergeblichen Versuch geprägt, Sizilien zurückzugewinnen. Die sogenannten Sizilianischen Vesperkriege dauerten Jahrzehnte und kosteten enorme Ressourcen. Karl I. erlebte die Rückeroberung nicht mehr: Er starb am 7. Januar 1285 in Foggia. Er wurde etwa 57 oder 58 Jahre alt. Als Stammvater des älteren Hauses von Anjou — eines bedeutenden Seitenzweiges der kapetingischen Herrscherdynastie — hinterließ er eine politische Erbschaft, die weit über sein eigenes Leben hinausreichte. Seine Nachkommen herrschten als Könige von Neapel und erhoben Ansprüche auf Sizilien, Ungarn und andere Territorien, und die Anjou-Linie blieb für mehr als ein Jahrhundert eine der tonangebenden Dynastien des europäischen Mittelalters.
Karl I. von Anjou war eine der widersprüchlichsten Figuren seiner Epoche: ein fähiger Stratege und rücksichtsloser Machtmensch, ein Förderer päpstlicher Politik und zugleich ein Herrscher, dessen Harte die Bevölkerung gegen ihn aufbrachte. Die Sizilianische Vesper, jene spontane Volkserhebung, die sein größtes Werk zunichte machte, wurde zum Symbol für den Widerstand gegen fremde Unterdrückung und ist als solches noch heute in der kollektiven Erinnerung Siziliens lebendig.

