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Philipp III. (Burgund)

Herzog von Burgund

5 min01/01/2024
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Philipp der Gute, Herzog von Burgund, gehört zu den bedeutendsten Fürsten des späten Mittelalters. Geboren am 31. Juli 1396 in Dijon, entstammte er der burgundischen Seitenlinie des Hauses Valois. Sein Vater Johann Ohnefurcht und seine Mutter Margarete von Bayern formten den Rahmen, in dem der junge Philipp aufwuchs – vor allem in der Stadt Gent, die ihn tief prägte.

Schon früh wurde Philipp von seinem Vater in die Politik eingeführt. Im Jahr 1405 erhielt er den Titel eines Grafen von Charolais als Apanage, ein Zeichen dafür, dass man ihn für eine wichtige Rolle in der Zukunft vorsah. Der Grundstein für Philipps eigene Herrschaft wurde jedoch durch ein Verbrechen gelegt: Am 10. September 1419 wurde Johann Ohnefurcht von Leuten des Dauphins ermordet, woraufhin Philipp Herzog von Burgund sowie Graf von Flandern, Artois und Pfalzgraf von Burgund wurde.

Der Mord an seinem Vater sollte die politischen Entscheidungen Philipps für Jahre bestimmen. Aus tiefem Hass gegen den Dauphin – den späteren Karl VII. von Frankreich – verbündete er sich am 21. Mai 1420 im Vertrag von Troyes mit Heinrich V. von England gegen Frankreich. Diese Allianz war nicht nur ein strategisches Kalkül, sondern ein Akt persönlicher Rache, der weitreichende Folgen für den Verlauf des Hundertjährigen Krieges hatte.

Mit der Zeit wandelten sich jedoch die politischen Realitäten. Am 21. September 1435 schloss Philipp im Vertrag von Arras Frieden mit Karl VII. Dieser Vertrag war ein diplomatischer Triumph: Karl VII. anerkannte Philipps vollständige Unabhängigkeit von der französischen Krone und übertrug ihm die Grafschaften Auxerre und Mâcon, die Kastellanei Bar-sur-Seine sowie umfangreiche Gebiete in der Picardie, darunter die Grafschaft Boulogne, die Grafschaft Ponthieu, Teile der Grafschaft Vermandois und die Somme-Städte in der Umgebung von Amiens.

Parallel dazu expandierte Philipp sein Territorium durch geschicktes dynastisches Vorgehen. Durch Erbschaft von Philipp von Brabant war er bereits 1430 Herzog von Brabant und Limburg geworden. 1421 hatte er durch Kauf die Grafschaft Namur hinzugewonnen. Im Haager Vertrag von 1433 entriss er seiner Cousine Jakobäa von Bayern – deren Erbe er bereits 1428 im Delfter Versöhnungsvertrag geworden war – die Grafschaften Holland, Zeeland, Friesland und Hennegau.

Ähnlich rigoros verfuhr Philipp mit Elisabeth von Görlitz, die das Herzogtum Luxemburg als Pfand innehatte. Im Jahr 1442 sah sich Elisabeth aus Geldnot gezwungen, Philipp als ihren Alleinerben einzusetzen. Im darauffolgenden Jahr besetzte er das Herzogtum und behauptete es gegen die konkurrierenden Ansprüche der Erben des Hauses Luxemburg. Dieses Vorgehen trieb ihn tief in das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches, was den ebenso heftigen wie letztlich hilflosen Protest von Kaiser Sigismund auslöste.

Das Ergebnis dieser Jahrzehnte der Expansion war ein mächtiges, zusammenhängendes Territorium auf beiden Seiten der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich – ein Gebiet, das in seiner geografischen Form an das Reich Lothars I., des ältesten Sohnes Kaiser Ludwigs des Frommen, erinnerte. Es gelang Philipp darüber hinaus, die Fürstbistümer Cambrai und Utrecht indirekt unter seine Kontrolle zu bringen, indem er die Wahl von Bischöfen aus seiner eigenen Familie durchsetzte.

Neben seiner politischen und militärischen Macht war Philipp der Gute ein bedeutender Mäzen der Künste und Wissenschaften. Er begünstigte Handel und Gewerbe, insbesondere die flämische Teppichweberei. Seine Regierungszeit gilt als eine Periode beispielloser kultureller Blüte in den burgundischen Niederlanden. So beschäftigte er den Maler Jan van Eyck als Hofmaler und entsandte ihn sogar auf eine diplomatische Mission nach Portugal – ein Beleg dafür, wie eng Kunst und Politik in Philipps Welt miteinander verflochten waren.

Kunstgegenstände wie Gemälde und prächtige Wandteppiche setzte Philipp bewusst als politische Propagandainstrumente ein. Bis ins hohe Alter reiste er ständig durch sein Territorium, um seine Herrschaft zu festigen und sich seinen Untertanen zu zeigen. Diese Verbindung von persönlicher Präsenz und künstlerischer Repräsentation war ein wesentliches Merkmal seiner Herrschaftspraxis.

Am 10. Januar 1430 stiftete Philipp den Orden des Goldenen Vlieses – nach dem Vorbild des englischen Hosenbandordens, dessen Aufnahme er abgelehnt hatte. Der Orden sollte als einigendes Band für die Elite seines sehr heterogenen Territoriums dienen und die christlichen Werte weltweit verteidigen. Er ist bis heute eines der bekanntesten Vermächtnisse seiner Herrschaft.

In seinen letzten Lebensjahren überließ Philipp die Regierungsgeschäfte zunehmend seinem ehrgeizigen Sohn Karl, dem späteren Karl dem Kühnen. Philipp der Gute starb am 15. Juni 1467 in Brügge. Sein Lebenswerk war ein Territorium, aus dem später die Niederlande, Belgien und Luxemburg hervorgehen sollten – eine historische Leistung, die weit über seine eigene Zeit hinauswirkte.

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