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Augustus

Erster römischer Kaiser

7 min01/01/2024
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Die Geschichte Roms kennt viele große Namen, doch keiner hat das Antlitz der Welt so grundlegend verändert wie jener eines Mannes, der als Gaius Octavius zur Welt kam. Am 23. September 63 vor Christus in Rom geboren, sollte er als Augustus sterben — am 19. August 14 nach Christus in Nola bei Neapel — und zwischen diesen beiden Lebensdaten lag die Transformation eines erschöpften, von Bürgerkriegen zerrissenen Gemeinwesens in das stabilste Großreich der antiken Welt.

Gaius Octavius entstammte einer wohlhabenden, dem Ritterstand angehörenden Familie. Sein Vater Gaius Octavius und seine Mutter Atia, eine Nichte des Gaius Iulius Caesar, prägten seine Herkunft. Über seinen Großvater Marcus Atius Balbus war der spätere Augustus mit Gnaeus Pompeius Magnus verwandt — ein Netz familiärer Verbindungen in den Machtzirkeln der späten Republik. Früh zeigte der junge Octavius ein außergewöhnliches Talent für politisches Kalkül, das Caesar nicht entging. Testamentarisch adoptierte ihn der Diktator im Jahr 44 v. Chr., woraufhin Octavius offiziell den Namen Gaius Iulius Caesar annahm. Den Namenszusatz Octavianus, wie er nach einer Adoption eigentlich üblich gewesen wäre, führte er selbst nie; die moderne Geschichtswissenschaft verwendet für diese frühe Phase dennoch meist die Bezeichnung Octavian, um Verwechslungen zu vermeiden.

Caesars Ermordung am 15. März 44 v. Chr. warf das Erbe, das Octavian erhalten hatte, in ein Meer von Rivalitäten und Bürgerkriegen. Er war damals kaum neunzehn Jahre alt, politisch unerfahren und von schmalem Körper — ein Erbe ohne gesicherte Machtbasis. Was folgte, war ein Jahrzehnt erbitterter Auseinandersetzungen. Zunächst verbündete er sich mit dem Senat gegen Marcus Antonius, wandte sich dann gegen den Senat und bildete das sogenannte Zweite Triumvirat mit Antonius und Marcus Aemilius Lepidus. In den Proskriptionen, jenem düsteren Kapitel der Herrschaft der Triumvirn, wurde der große Redner und Staatsmann Marcus Tullius Cicero — der Octavian zuvor noch "Octavianus" genannt hatte — auf Betreiben des Antonius mit Octavians Duldung ermordet. Diese und andere Grausamkeiten zeigen den frühen Octavian als skrupellosen Machtpolitiker, der keine Hemmungen kannte.

Die entscheidende Zäsur kam im Jahr 31 v. Chr., als Octavian in der Seeschlacht bei Actium das Heer des Antonius und der ägyptischen Königin Kleopatra vernichtend schlug. Mit dem Tod beider im Jahr 30 v. Chr. war Octavian der unbestrittene Herr der römischen Welt. Doch nun zeigte er eine andere Seite: Statt eine offene Monarchie zu proklamieren, wählte er den Weg der subtilen Umgestaltung. Am 27. Januar 27 v. Chr. legte er formell seine außerordentlichen Vollmachten nieder — und der dankbare Senat verlieh ihm sogleich den Ehrennamen Augustus, der "der Erhabene", sowie weitreichende Befugnisse zurück. Aus Imperator Caesar Divi filius wurde Imperator Caesar Divi filius Augustus.

Was Augustus in den folgenden Jahrzehnten schuf, war der Prinzipat: eine Staatsform, die nach außen hin die republikanischen Institutionen bewahrte, in Wirklichkeit aber die Macht in den Händen eines Einzelnen konzentrierte. Augustus war auf dem Papier "nur" der Erste unter Gleichen — der Princeps —, doch er vereinigte die wichtigsten Vollmachten in seiner Person: die tribunizische Gewalt, die ihm Unverletzlichkeit und ein Vetorecht sicherte, die prokonsularische Gewalt über die wichtigsten Provinzen und damit über die Armee, sowie das Amt des Pontifex Maximus. Zum Zeitpunkt seines Todes lautete seine vollständige Titulatur: Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex maximus, Cos. XIII, Imp. XXI, Trib. pot. XXXVII, P.p. — eine Aufzählung, die allein durch ihre Länge seine Ausnahmestellung illustriert.

Nach außen hin war die Herrschaft des Augustus von Expansionskriegen geprägt. Ägypten wurde zur Provinz, das Alpenvorland und die Donaugrenze gesichert, Hispanien und Gallien konsolidiert. Doch die Geschichte hielt auch eine schwere Niederlage bereit: Im Jahr 9 n. Chr. vernichteten germanische Krieger unter Arminius im Teutoburger Wald drei römische Legionen unter Publius Quinctilius Varus. Der Verlust erschütterte Augustus tief; der Legende nach rief er noch lange: "Varus, gib mir meine Legionen zurück!" Fortan wurde der Rhein als Nordgrenze des Reiches beibehalten.

Im Innern sorgte die Pax Augusta, die augusteische Friedenszeit, für eine wirtschaftliche Erholung und kulturelle Blüte ohnegleichen. Dichter wie Vergil, Horaz und Ovid schufen in dieser Epoche Werke für die Ewigkeit; der Architekt Agrippa und Augustus selbst verwandelten Rom in eine Stadt aus Marmor. "Ich fand Rom als eine Stadt aus Ziegeln vor und hinterlasse es als eine Stadt aus Marmor", soll Augustus am Ende seines Lebens gesagt haben.

Die Frage der Nachfolge bereitete Augustus große Sorgen. Er verlor mehrere designierte Nachfolger durch frühen Tod, bevor er schließlich seinen Stiefsohn Tiberius als Erben festlegte. Nach seiner Konsekration, seiner offiziellen Vergöttlichung durch den Senat nach dem Tod, wurde sein Andenken als Divus Augustus Divi filius weitergeführt. Der Name Augustus und der Name Caesar wurden mit dem Herrschaftsantritt des Tiberius zu festen Bestandteilen der römischen Kaisertitulatur.

Das Erbe des Augustus ist schwer zu überschätzen. Der Prinzipat, den er begründete, bestand in seinen Grundzügen rund 300 Jahre, bis zur Reichskrise des 3. Jahrhunderts. Er setzte dem Jahrhundert der Bürgerkriege ein Ende, legte den Grundstein für die Julisch-Claudische Kaiserdynastie und schuf institutionelle Strukturen, die das Römische Reich zu einem dauerhaften Weltreich machten. Sein Name wurde zum Titel — und sein Werk zur Grundlage einer Epoche.

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