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Aristoteles

Klassischer griechischer Philosoph

6 min01/01/2024
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Aristoteles wurde 384 v. Chr. in der kleinen nordgriechischen Polis Stageira geboren, als Sohn eines Arztes namens Nikomachos, der als Leibarzt des makedonischen Königs Amyntas III. tätig war. Diese Herkunft aus einer Arztfamilie sollte den späteren Universalgelehrten prägen: sein Interesse an empirischer Beobachtung, an der Welt der Lebewesen und an den Grundlagen des Wissens lässt sich durchaus mit diesem frühen Umfeld in Verbindung bringen. Mit siebzehn Jahren kam Aristoteles im Jahr 367 v. Chr. nach Athen und trat in die Akademie Platons ein, wo er zwanzig Jahre lang forschte und lehrte.

Das Verhältnis zu Platon war das eines respektvollen Schülers, der jedoch zunehmend eigene Wege einschlug. Aristoteles teilte mit seinem Lehrer das Interesse an den grundlegenden Fragen des Seins, der Erkenntnis und des guten Lebens, doch seine Antworten wichen in wesentlichen Punkten ab. Während Platon die wahre Realität in einer unwandelbaren Welt abstrakt-geistiger Ideen verortete, bestand Aristoteles darauf, dass die konkreten Einzeldinge, die sinnlich wahrnehmbaren Dinge der Welt, das eigentlich Grundlegende der Wirklichkeit seien.

Nach Platons Tod im Jahr 347 v. Chr. verließ Aristoteles Athen und zog zunächst nach Assos an der kleinasiatischen Küste, dann nach Lesbos, wo er bedeutende zoologische Studien betrieb. Im Jahr 343 oder 342 v. Chr. nahm er eine Einladung des makedonischen Königs Philipp II. an und wurde Lehrer des jungen Alexander, des späteren Welterobers. Über den Inhalt und den Verlauf dieses Unterrichts ist wenig bekannt, doch die Verbindung zu Makedonien prägte Aristoteles' Leben nachhaltig.

Im Jahr 335 oder 334 v. Chr. kehrte Aristoteles nach Athen zurück. Diesmal gründete er seine eigene Schule, das Lykeion, benannt nach dem Gymnasion im Nordosten der Stadt. Dort lehrte und forschte er mit seinen Schülern, die man bisweilen als Peripatetiker bezeichnet, angeblich weil die Lehrgespräche beim Umhergehen stattfanden. Das Lykeion wurde zu einem der bedeutendsten Forschungszentren der Antike, wo systematisch Wissen in fast allen Bereichen des menschlichen Wissens gesammelt und geordnet wurde.

Das Spektrum der Disziplinen, die Aristoteles begründete oder maßgeblich beeinflusste, ist schlicht atemberaubend. In der Logik entwickelte er die Syllogistik, eine Theorie des formal gültigen Schließens, die mehr als zwei Jahrtausende lang das Fundament der wissenschaftlichen Argumentation bildete. Mit seiner Unterscheidung von Form und Materie schuf er ein Konzept, das erlaubte, Entstehen und Vergehen in der Natur zu erklären: Dieselbe Materie kann verschiedene Formen annehmen, und jede Veränderung besteht in einer Formveränderung bei gleichbleibender Materie.

In seiner Naturforschung betrieb Aristoteles empirische Biologie von einem Rang, der erst im neunzehnten Jahrhundert wieder erreicht wurde. Er beschrieb Hunderte von Tierarten, untersuchte ihre Anatomie, ihr Verhalten und ihre Fortpflanzung und versuchte, sie in einem umfassenden System zu ordnen. Seine zoologischen Schriften enthalten Beobachtungen von erstaunlicher Genauigkeit, aber auch Irrtümer, die sich durch mangelnde Instrumentierung erklären. Was Aristoteles fehlte, war das Mikroskop; was er besaß, war ein unermüdlicher Beobachtungsgeist.

Die Ethik des Aristoteles kreist um die Frage nach dem guten Leben und dem menschlichen Glück. In seiner Nikomachischen Ethik argumentiert er, das Ziel des menschlichen Handelns sei die Eudaimonia, ein Begriff, der oft mit Glück übersetzt wird, aber eigentlich das Gedeihen und das Gelingen eines Menschenlebens meint. Dieses Gedeihen erfordert die Ausbildung von Tugenden, sowohl intellektueller Art als auch der Charaktertugenden, die durch Gewöhnung erworben werden. Für Aristoteles war die Tugend keine angeborene Eigenschaft, sondern das Ergebnis von Übung und Erziehung.

Politisch dachte Aristoteles empirisch und vergleichend. Er ließ in seinem Lykeion Verfassungen von weit über hundert Poleis sammeln und auswerten, um daraus Schlüsse über gute und schlechte Staatsformen zu ziehen. Seine Staatsformenlehre, die zwischen Monarchie, Aristokratie und Politie einerseits und ihren entarteten Entsprechungen Tyrannis, Oligarchie und Demokratie andererseits unterscheidet, genoss Jahrhunderte lang nahezu unbestrittene Autorität in der politischen Theorie.

Als Alexander der Große 323 v. Chr. starb, schlug die antimakedonische Stimmung in Athen hohe Wellen. Aristoteles, der als Vertrauter des makedonischen Hofes galt, wurde angeklagt. Angeblich sagte er, er wolle den Athenern nicht erlauben, ein zweites Mal gegen die Philosophie zu sündigen, in Anspielung auf das Schicksal des Sokrates. Er verließ Athen und zog nach Chalkis auf der Insel Euböa, wo er wenige Monate später, im Jahr 322 v. Chr., starb.

Das Erbe des Aristoteles reichte tief in die mittelalterliche islamische, jüdische und christliche Philosophie. Theologen wie Thomas von Aquin synthesisierten aristotelisches Denken mit christlicher Theologie zu einem der folgenreichsten philosophischen Systeme der Weltgeschichte. Bis ins siebzehnte Jahrhundert hinein war Aristoteles in weiten Bereichen der maßgebliche Denker. Erst die wissenschaftliche Revolution, die mit Galilei, Descartes und Newton einsetzte, verdrängte seine Naturlehre. Seine Ethik, Logik und Staatstheorie aber bleiben bis heute Ausgangspunkte philosophischer Auseinandersetzung.

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