biografias

Alyssa Edwards

US-amerikanische Dragqueen, Tanzlehrer und Comedian

4 min01/01/2024
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Justin Dwayne Lee Johnson, der am 16. Januar 1980 zur Welt kam, ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten der amerikanischen Drag-Kultur. Unter seinem Künstlernamen Alyssa Edwards trat er aus der texanischen Kleinstadt Mesquite heraus in die nationale Öffentlichkeit und wurde zu einem Symbol für Unterhaltung, Selbstausdruck und harte Arbeit im Showgeschäft.

Den Künstlernamen Alyssa Edwards wählte Johnson als bewusste Hommage an zwei Menschen, die sein Leben prägten: die Schauspielerin Alyssa Milano und seine Drag-Mutter Laken Edwards. Diese Namensgebung steht sinnbildlich für die tiefe Verbundenheit innerhalb der Drag-Community, in der Mentorenschaft und künstlerische Herkunft von großer Bedeutung sind. Johnson ist Teil der renommierten Drag-Familie House of Edwards und gilt selbst als Drag-Mutter von Shangela Laquifa Wadley, einer anderen bekannten Dragqueen.

Bereits vor seinem nationalen Durchbruch sammelte Johnson umfangreiche Erfahrungen auf der Schönheitswettbewerb-Bühne. In den 2000er Jahren nahm er an zahlreichen solcher Wettbewerbe teil und baute sich einen Ruf in der Szene auf. Im Jahr 2008 war er im preisgekrönten Dokumentarfilm Pageant zu sehen, der fünf Männer porträtierte, die am 34. Miss Gay America Wettbewerb im Jahr 2006 teilnahmen. Dieser Film gewährte einem breiten Publikum erstmals Einblick in eine Welt, die bis dahin weitgehend unbekannt geblieben war.

Doch nicht alles verlief reibungslos. Am 9. Dezember 2010 wurde Johnson der Titel Miss Gay America 2010 entzogen, weil er geschäftliche Aktivitäten ausgeübt hatte, die im Widerspruch zu seinen Verpflichtungen gegenüber der Miss Gay America Organisation standen. Coco Montrese übernahm daraufhin den Siegerinnentitel. Im selben Jahr büßte Johnson auch den Titel als All American Goddess ein. Diese öffentlichen Rückschläge markierten eine schwierige Phase, aus der er jedoch gestärkt hervorgehen sollte.

Der eigentliche Wendepunkt kam im November 2012, als der US-amerikanische Fernsehsender Logo bekanntgab, dass Edwards zu den vierzehn Dragqueens gehören würde, die an der fünften Staffel von RuPaul's Drag Race teilnehmen. Das Format hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits als das bedeutendste Schaufenster für Drag-Talent in den Vereinigten Staaten etabliert.

In der Sendung bewies Edwards nicht nur schauspielerisches Können, sondern auch musikalisches Talent. Gemeinsam mit anderen Teilnehmerinnen sang sie den von We Are the World inspirierten Song Can I Get an Amen?, dessen Erlös dem Los Angeles Gay and Lesbian Center zugutekam. Edwards schied in der neunten Folge aus und belegte letztlich den sechsten Platz, doch dieser Auftritt genügte, um sie einem Millionenpublikum bekannt zu machen.

Besonders prägend war die Etablierung ihres charakteristischen Markenzeichens, des sogenannten Tongue Pop – ein schnalzender Laut mit der Zunge, der zum Wiedererkennungsmerkmal wurde und Fans auf der ganzen Welt begeisterte. Dieses Stilmittel fand 2016 sogar Eingang in einen eigenen Song mit dem Titel Tongue Pop the Halls!, der zur Weihnachtszeit veröffentlicht wurde.

Von 2013 bis 2017 war Edwards vier Jahre lang Hauptakteurin der Web-Serie Alyssa's Secret, die ihr eine eigene Plattform zum Aufbau ihrer Fangemeinde bot. Im Jahr 2016 kehrte sie zu RuPaul's Drag Race zurück, diesmal für die zweite Staffel von RuPaul's Drag Race: All Stars, in der sie erneut gegen andere Alumnen der Hauptserie antrat. Sie schloss die Staffel auf dem fünften Platz ab.

Ebenfalls 2016 übernahm Johnson eine Nebenrolle als Ambrosia Salad im Spielfilm Hurricane Bianca an der Seite der bekannten Dragqueen Bianca Del Rio. Zwei Jahre später folgte eine weitere Beteiligung an der Fortsetzung Hurricane Bianca 2: From Russia With Hate, womit er seine Präsenz auf der Kinoleinwand ausbaute.

Der wohl bedeutendste Schritt in Johnsons Karriere erfolgte im Oktober 2018, als Netflix seiner Geschichte eine eigene achtteilige Reality-TV-Sendung widmete. Unter dem Titel Dancing Queen rückte die Doku-Serie vor allem seine Arbeit als Gründer der Beyond Belief Dance Company in Mesquite, Texas, in den Mittelpunkt. Die Tanzschule, die er ins Leben gerufen hatte, offenbarte eine völlig andere Seite des Entertainers: die des hingebungsvollen Lehrers und Mentors junger Talente.

Im gleichen Jahr arbeitete Johnson als Choreograf bei einer Episode der zehnten Staffel von RuPaul's Drag Race mit, was seine Vielseitigkeit hinter der Kamera unterstrich. Sein Werdegang zeigt exemplarisch, wie aus einem regionalen Schönheitswettbewerbs-Teilnehmer ein national anerkannter Entertainer werden kann, der Bühne, Bildschirm und Unterricht gleichermaßen bespielt.

Das Vermächtnis von Alyssa Edwards besteht nicht allein in ihren Auftritten oder ihrer Fernsehpräsenz. Vielmehr hat Johnson durch seine Arbeit in Mesquite eine Brücke zwischen der Glitzerwelt der Drag-Kunst und dem Alltag junger Tänzerinnen und Tänzer geschlagen, denen er Disziplin, Selbstbewusstsein und künstlerische Ausdruckskraft beibringt. Der Tongue Pop mag sein bekanntestes Erkennungszeichen sein, doch sein bleibendes Erbe liegt in der Gemeinschaft, die er um sich geschart hat.

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