biografias

Adolf Hausrath

Protestantischer Theologe und Schriftsteller

4 min01/01/2024
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Adolf Hausrath war eine jener seltenen Persönlichkeiten des neunzehnten Jahrhunderts, die sich erfolgreich in zwei Welten bewegten: als ernster Theologe und Kirchenhistoriker auf dem akademischen Parkett und als populärer Romanautor unter dem Pseudonym George Taylor. Diese Doppelexistenz machte ihn zu einer der einflussreichsten Figuren im kulturellen Leben des Kaiserreichs.

Geboren am 13. Januar 1837 in Karlsruhe, wuchs Hausrath in einem intellektuell geprägten Milieu auf. Sein Vater August Hausrath (1806–1847) war ein angesehener Prediger und gemeinsam mit Carl Zittel und Emil Otto Schellenberg Führer der liberalen Partei. Der frühe Tod des Vaters, als Adolf erst zehn Jahre alt war, hinterließ gewiss Spuren – dennoch verfolgte der junge Hausrath einen klaren Bildungsweg. Er studierte Evangelische Theologie und Philosophie an den Universitäten Göttingen, Berlin, Jena und Heidelberg. Während seines Aufenthalts in Jena wurde er 1856/57 Mitglied der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten Persönlichkeiten von Rang: der Historiker Johann Gustav Droysen, der Theologe Karl August Hase und der Philosoph Kuno Fischer.

1861 promovierte Hausrath in Berlin zum Lizentiaten der Theologie und wurde Vikar in Heidelberg, wo er sich 1862 habilitierte. Sein akademischer Aufstieg verlief zügig: 1864 wurde er Assessor im evangelischen Oberkirchenrat der badischen Kirche in Karlsruhe, 1867 außerordentlicher und schließlich 1872 ordentlicher Professor für neutestamentliche Exegese und Kirchengeschichte in Heidelberg – eine Stellung, die er bis zu seinem Tod innehaben sollte.

Sein wissenschaftliches Werk ist breit angelegt und vorwiegend biographisch ausgerichtet. Die vierbändige Neutestamentliche Zeitgeschichte (2. Auflage, 1877–79) sowie das daraus hervorgegangene Werk Der Apostel Paulus zählten zu seinen bekanntesten Beiträgen zur Theologie. Breite Verbreitung fand auch seine populäre Biographie Martin Luthers. Er verfasste zudem Biographien über David Friedrich Strauß und Heinrich von Treitschke – letzterer war für Hausrath nicht nur ein Studieobjekt, sondern ein weltanschaulicher Bezugspunkt, denn wie Treitschke sah Hausrath den Protestantismus als Leitkultur des deutschen Kaiserreichs. Gegen Katholizismus und Sozialdemokratie kämpfte er mit dezidierter Schärfe. Hausraths Schriften sind dabei von antisemitischen Zügen nicht frei – ein dunkler Aspekt seines Wirkens, der nicht verschwiegen werden darf.

Neben der Wissenschaft entfaltete Hausrath eine erstaunlich produktive literarische Tätigkeit. Unter dem Pseudonym George Taylor schrieb er historische Romane, die ihn neben Felix Dahn und Georg Ebers als Hauptvertreter des sogenannten Professorenromans etablierten – eines Genres, das historische Gelehrsamkeit mit erzählerischer Spannung verband. Was seinen Romanen wie auch seinen wissenschaftlichen Werken gemeinsam war, ist die Qualität, die Zeitgenossen an ihm rühmten: psychologische Einfühlung und eine lebendige Sprache, die auch einem Laienpublikum zugänglich war.

Kirchlich wie politisch zählte Hausrath zu den entschiedenen Liberalen. Unter dem Einfluss seiner Heidelberger Lehrer Richard Rothe und Ludwig Häusser beteiligte er sich an der Gründung des Deutschen Protestantenvereins und wurde dessen erster Sekretär. 1889 vertrat er die Universität Heidelberg in der Ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung.

Die Ehrungen, die Hausrath im Laufe seines Lebens zuteilwurden, spiegelten sein Ansehen wider. 1869 verlieh ihm die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien die Ehrendoktorwürde in Theologie; 1903 folgte die philosophische Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg. 1906 ernannte ihn Großherzog Friedrich I. von Baden zum Geheimrat, und 1907, anlässlich seines siebzigsten Geburtstages, verlieh ihm die Stadt Heidelberg die Ehrenbürgerwürde.

Im Jahr 1864 heiratete Hausrath Henriette Fallenstein (1840–1895), eine Tochter des Regierungsbeamten und Schriftstellers Georg Friedrich Fallenstein. Henriette war eine Schwester von Helene Weber, der Mutter des Soziologen Max Weber, und von Ida Baumgarten. Das Paar bekam elf Kinder, von denen acht das Erwachsenenalter erreichten, darunter August (1865–1944) und Hans Hausrath (1866–1945). Die Familie lebte bis zu Hausraths Tod in der Villa Fallenstein in der Ziegelhäuser Landstraße 17 in Heidelberg – ein Haus, das nach ihrem Auszug Max und Marianne Weber als Mieter beherbergte. Kurz vor seinem Tod am 2. August 1909 in Heidelberg wurde Hausrath als außerordentliches Mitglied in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Beigesetzt wurde er auf dem Bergfriedhof der Stadt.

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