biografias

Jan van Goyen

Holländischer Landschaftsmaler

6 min01/01/2024
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Jan van Goyen zählt zu den Meistern der niederländischen Landschaftsmalerei des Goldenen Zeitalters. Mit einer fast unheimlichen Fähigkeit, Licht, Wasser und weiten Himmeln eine atmosphärische Tiefe zu verleihen, schuf er ein Werk von beeindruckender Geschlossenheit – und führte dennoch ein Leben, das von ständigen finanziellen Nöten überschattet war.

Er wurde am 13. Januar 1596 in Leiden als Sohn des Schuhmachers Joseph Jansz. van Goyen und dessen Frau Geertgen Dircxdr. van Eyck aus Utrecht geboren. Früh erkannte der Vater das zeichnerische Talent des Sohnes und ließ ihn mit zehn Jahren Unterricht beim Glasmaler nehmen. Binnen zweier Jahre wechselte der junge Jan durch die Werkstätten von vier verschiedenen Lehrern – eine Ausbildung im Zeitraffer, die seinen Horizont schnell erweiterte, aber auch seinen eigenen Ehrgeiz spiegelte. In Hoorn bildete er sich beim Landschaftsmaler Willem Gerritsz. weiter, unternahm dann eine Reise durch Frankreich und vervollständigte seine Ausbildung mit einem entscheidenden Studienjahr in Haarlem bei Esaias van de Velde, einem der einflussreichsten Landschaftsmaler seiner Zeit.

1618 heiratete van Goyen Annetje Willemsdr. van Raelst in Leiden und eröffnete dort im selben Jahr ein eigenes Atelier. Der junge Künstler malte mit großem Eifer und entwickelte rasch einen erkennbaren Stil: gedämpfte Erdtöne, schimmernde Wasseroberflächen, weite Horizonte unter bewölkten Himmeln. Doch van Goyen war nicht nur Maler. Er betätigte sich auch als Kunstschätzer und -händler, als Immobilienhändler, als Grundstücksspekulant und als Tulpenspekulant – Tätigkeiten, die ihm wirtschaftlich nie den erhofften Durchbruch brachten.

1632 zog er mit seiner Familie nach Den Haag, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. 1634 erhielt er das dortige Bürgerrecht. 1638 wurde er Vorsteher der Sint-Lucas-Gilde in Den Haag, eine Stellung, die er bis mindestens 1640 innehatte. Der Haag bot ihm ein breiteres Publikum und bedeutende Aufträge. 1651 malte er im Auftrag des Stadtrates das monumentale Gemälde Ansicht von Den Haag von Südosten mit dem Haager Trekvliet – eine Leinwand von fast fünf Metern Breite (174 × 460 cm), für die er am 7. August 1651 650 Gulden erhielt. Das Werk ist ein Zeugnis seines meisterlichen Umgangs mit stadtgeografischen Panoramen.

Das Privatleben van Goyens brachte ihm auch familiäre Verbindungen zur Kunstgeschichte. 1649 zog der junge Jan Steen bei ihm ein und heiratete in diesem Jahr van Goyens Tochter Grietje (Margaretha). Ihr erstes Kind Thaddeus kam 1651 zur Welt. Im selben Jahr 1649 heiratete Jacques de Claeuw (1623–1694) van Goyens älteste Tochter Maria – drei Monate nach der Hochzeit wurde ein Kind geboren.

Die Schattenseite von van Goyens Leben war die Schuldenlast, die er sich über Jahrzehnte aufgebürdet hatte. Die Tulpenmanie von 1637 hatte ihn mitgerissen: Am 27. Januar 1637 kaufte er neun Tulpenzwiebeln vom ehemaligen Bürgermeister Allert Claesz. van Ravesteyn für 90 Gulden und bezahlte mit zwei Gemälden – ein Zeichen der spekulativen Hochstimmung jener Tage. Als der Markt zusammenbrach, hinterließ das tiefe Spuren in seinen Finanzen. 1654 wurden seine Schulden so groß, dass er sein eigenes Haus an der Dunne Bierkade vermieten musste und selbst in die Wagenstraat zog, wo er zwei Jahre später, am 27. April 1656, starb.

Die Schulden beliefen sich schließlich auf 18.000 Gulden. Seine Witwe Annetje nahm die Erbschaft nur unter der Bedingung an, nicht für die nach dem Verkauf der Güter verbleibenden Schulden haften zu müssen. Jan Steen und sein Vater, der Leidener Bierbrauer Havick Steen, halfen ihr dabei. Die verschiedenen Häuser und Grundstücke wurden verkauft: das Haus in der Wagenstraat für 1.450 Gulden, Grundstücke in der Prinsegracht für 6.700 Gulden, Häuser in der Dunne Bierkade für 5.260 Gulden, das Haus in der Nieuwe Molstraat an Havick Steen für 2.110 Gulden. Annetje van Goyen zog daraufhin in das Hofje van Nieuwkoop, wo sie 1672 starb.

Van Goyens Werk umfasst Hunderte von Gemälden und Zeichnungen, in denen die Landschaft der Niederlande – ihre Flüsse, Deiche, Segelschiffe und weiten Ebenen – mit einer Innigkeit festgehalten ist, die jeden Betrachter in jene flache, lichterfüllte Welt zu versetzen vermag. Sein Leben zwischen künstlerischer Größe und wirtschaftlichem Scheitern macht ihn zu einer der menschlichsten Gestalten des Goldenen Zeitalters.

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