François Mansart gilt als eine der eigenartigsten und zugleich bedeutendsten Gestalten der französischen Architekturgeschichte. Sein Name überlebte die Jahrhunderte nicht nur durch seine Bauwerke, sondern auch durch das nach ihm benannte Dachgeschosskonzept – und durch die Widersprüche seiner Persönlichkeit, die sein Werk ebenso prägten wie sein Talent.
Er wurde am 23. Januar 1598 in Paris als Nicolas François Mansart geboren, das sechste von sieben Kindern eines königlichen Zimmermanns. Seine Familie entstammte einem Milieu von Architekten, Baumeistern und Bildhauern – das Handwerk lag ihm gleichsam im Blut. Mit zwölf Jahren verlor er seinen Vater, ein Jahr später heiratete seine Mutter einen Bäckermeister. Von 1612 bis 1617 lebte der junge Mansart bei seinem Schwager Germain Gaultier, Bildhauer und Stadtarchitekt von Rennes, und erhielt dort seine erste solide berufliche Prägung. Anschließend wechselte er zu seinem Onkel Marcel Le Roy, einem angesehenen Maurermeister und Brückenbauer in Toulouse, der ihn von 1618 bis 1621 in die Praxis des Bauens einführte; in dieser Zeit arbeitete Mansart am dortigen Pont Neuf.
Diese handwerklich-praktische Ausbildung war prägend: Im siebzehnten Jahrhundert waren Architektur, Maurerhandwerk und Bauingenieurwesen noch eng miteinander verflochten, und Mansart erlernte alle drei von Grund auf. Auch als Schüler von Salomon de Brosse formte er sich früh zu einem eigenständigen Künstler. Bald wurde er bekannt für seine kunstvollen Portale, eleganten Treppen und charakteristischen Dächer – und zog damit die Aufmerksamkeit vermögender Auftraggeber auf sich. Mitglieder der königlichen Familie, Staatsdiener, Botschafter und einflussreiche Adlige wurden seine Kunden.
Sein erstes bedeutendes Werk war der sogenannte Gaston-d'Orléans-Flügel im Schloss Blois an der Loire, erbaut für den jüngsten Bruder des Königs. Dieses Bauwerk ist historisch bemerkenswert, weil es zu den ersten gehört, an denen die später für den offiziellen Baustil Frankreichs prägenden Doppelsäulen zur Fassadengestaltung eingesetzt wurden. 1625 wurde Mansart zum Architekten des Königs ernannt und damit zum obersten Baumeister für alle offiziellen Bauvorhaben im zentralisierten Frankreich Ludwigs XIII. Dieses Amt behielt er auch nach dem Tod Ludwigs XIII. im Jahr 1643 unter der Regentin Anna von Österreich und später unter dem jungen Ludwig XIV. inne.
Mansart verband in seinem Baustil die Strenge seiner Vorgänger mit Elementen des verspielteren italienischen Barocks. Er entwarf und baute Schlösser, Kirchen und vor allem die berühmten Pariser Hôtels – repräsentative Stadthäuser und Verwaltungsgebäude. Die meisten davon wurden später abgerissen oder in andere Strukturen integriert, wie das mehrfach umgebaute Hôtel Mazarin von 1645, das heute Teil der französischen Nationalbibliothek ist. Auch als Bauingenieur trat er hervor und konstruierte Kanäle und Aquädukte. Sein Hauptwerk gilt bis heute als das Schloss Maisons-Laffitte mit seinen Parkanlagen, entstanden zwischen 1642 und 1651 – ein Meisterwerk der französischen Klassik.
Zeitlebens unverheiratet und kinderlos, galt Mansart als einer der reichsten nichtadeligen Männer von Paris. Sein enormes Vermögen legte er hauptsächlich in Immobilien und Renten an. Zeitgenossen rühmten seinen ausgeprägten Sinn für elegante Kleidung und einen kultivierten Lebensstil. Das einzige überlieferte Porträt zeigt einen schmalgesichtigen, melancholisch wirkenden Mann mit ausgeprägter Nase – eine Physiognomie, die zur Beschreibung seines Charakters zu passen scheint.
Denn Mansart hatte auch eine schwierige Seite. Sein aufwendiger Lebensstil und Gerüchte über Schmiergelder, Günstlingswirtschaft und Nachlässigkeiten bei der Ausführung von Aufträgen brachten ihm in der Pariser Gesellschaft erhebliche Feinde ein. Zeitweise kursierten anonym verfasste Schmähschriften, die sogenannten Mansarades, die pikante Details aus seinem Privatleben und handwerkliche Versäumnisse thematisierten. Zu seinen charakteristischen Eigenheiten soll es gehört haben, bereits fertiggestellte Bauwerke wieder abreißen zu lassen, wenn ihn neue Ideen übermannten – ein Perfektionismus, der Auftraggeber zur Verzweiflung trieb.
Dennoch steht sein Werk für eine der fruchtbarsten Phasen der französischen Architekturgeschichte. Mansart starb am 23. September 1666 in Paris. Sein Nachname – in der eingedeutschten Form Mansard – lebt bis heute in der Architektursprache weiter, als Bezeichnung für eine bestimmte Form des Walmdaches mit zwei verschiedenen Neigungswinkeln, das er als gestalterisches Mittel besonders wirkungsvoll einsetzte.

