biografias

Joachim II. (Brandenburg)

Kurfürst von Brandenburg

4 min01/01/2024
Anúncio

Joachim II., genannt Hector, war einer der bedeutendsten Hohenzollernherrscher der Reformationszeit – ein Fürst, der politischen Pragmatismus mit kultureller Prachtentfaltung verband und dessen Regierungszeit die Geschichte der Mark Brandenburg auf Jahrzehnte hinaus prägte.

Geboren am 13. Januar 1505 in Cölln, war Joachim II. der älteste Sohn von Kurfürst Joachim I. Nestor und Elisabeth von Dänemark, Norwegen und Schweden. Als die kurfürstliche Stimme des Vaters bei Königswahlen Begehrlichkeiten weckte, kam es in den Jahren 1517 und 1518 zu Heiratsangeboten: Man bot dem jungen Joachim die Tochter des französischen Königs und die zehnjährige Enkelin des Kaisers an. Seine Mutter neigte frühzeitig der Lehre Martin Luthers zu und musste deswegen 1528 vor seinem Vater fliehen – ein Vorzeichen der religiösen Spannungen, die Joachims eigene Regierung prägen sollten.

1524 heiratete Joachim II. Magdalene, die Tochter des sächsischen Herzogs, und band sich damit zunächst stärker an die katholische Seite. 1532 führte er als Befehlshaber des Kontingents des Niedersächsischen Kreises einen Kriegszug gegen die Türken, kehrte als Sieger zurück und ließ sich unter großem Pomp mit dem Beinamen Hector feiern – in Anlehnung an den trojanischen Heldenfürsten. 1533 wurde er durch das Hallische Bündnis erneut an die katholische Seite gebunden; das Testament seines Vaters von 1534 verpflichtete die Söhne sogar, auf ewig katholisch zu bleiben.

1535 übernahm Joachim nach dem Tod des Vaters die Regentschaft in Brandenburg. Durch das väterliche Testament gingen die Neumark und weitere Gebiete als Markgrafschaft Brandenburg-Küstrin an seinen jüngeren Bruder Johann, um den er fast ein Jahr lang stritt – letztlich erfolglos, denn die Neumark blieb bis 1571 geteilt. Nach dem Tod Magdalenes 1534 heiratete Joachim in zweiter Ehe Hedwig von Polen, eine Tochter König Sigismunds I.

Als Förderer von Kunst und Kirche war Joachim II. außerordentlich aktiv. Er ließ in der nahegelegenen Dominikanerklosterkirche eine Hofkirche errichten, die er mit prachtvollen Kunstwerken und Reliquien aus vielen Kirchen und Klöstern der Mark ausstatten ließ. Nach dem Vorbild der von Lucas Cranach dem Älteren für seinen Onkel Kardinal Albrecht von Brandenburg geschaffenen sechzehn Passionsaltäre mit 140 Bildtafeln gab Joachim II. bei Cranach ebenfalls einen Passionszyklus in Auftrag. Neun Mitteltafeln davon sind erhalten und heute im Jagdschloss Grunewald ausgestellt. 1536 wurde die Kirche geweiht und die Überreste seiner Vorfahren aus dem Kloster Lehnin überführt. 1538 begann er mit dem umfangreichen Umbau des Berliner Schlosses.

Zu Joachims engsten Vertrauten zählten im Verlauf seiner Regierungszeit der Rat Eustachius von Schlieben, der Hofmarschall Adam von Trott, der Kämmerer Matthias von Saldern und der spätere Kanzler Lampert Distelmeyer.

Ein besonders bedeutsames Ereignis war die Wiederzulassung von Juden in der Mark Brandenburg. Nachdem Philipp Melanchthon auf dem Fürstentag zu Frankfurt am Main im Frühjahr 1539 den versammelten Reichsfürsten den märkischen Pogrom von 1510 als Justizverbrechen dargelegt hatte, war Josel von Rosheim an Joachim herangetreten und erwirkte die Zusage, Juden die Niederlassung in der Mark wieder zu gestatten. Am 25. Juni 1539 öffnete Joachim II. die Mark daraufhin für jüdische Siedler.

Ebenfalls im Jahr 1539 führte Joachim II. nach Konsultationen mit Philipp Melanchthon eine neue Kirchenordnung in der Mark ein. Sie übernahm reformatorische Elemente – Priesterehe, Kelchkommunion für Laien, Rechtfertigungslehre nach lutherischer Theologie – hielt aber an möglichst vielen katholischen Traditionen fest, um im Reich als Gesprächspartner beider Konfessionen agieren zu können. Am 1. November 1539 nahm Joachim II. persönlich erstmals an einem Gottesdienst mit dem Abendmahl in beiderlei Gestalt teil, wahrscheinlich in der Spandauer Nikolaikirche – ein Ereignis, das als historische Zäsur gilt.

Joachim II. Hector starb am 3. Januar 1571 in Köpenick. Sein Beiname verweist auf den Krieger, doch sein eigentliches Erbe ist das eines Fürsten, der die Mark Brandenburg durch religiöse Klugheit, kulturelle Förderung und pragmatische Staatsführung in eine neue Epoche führte.

Anúncio
Anúncio

Lies diese und über 800 weitere Geschichten in der World in Stories App — kostenlos

Video-Geschichten, Shorts, Mysterien und „Was geschah heute“. Kostenlos laden, ohne Kreditkarte.

App kostenlos laden

iPhone, iPad & Android • PT, EN, ES, DE, FR

Related Stories