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Konfuzius

Chinesischer Lehrer, Politiker und Philosoph

6 min01/01/2024
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Konfuzius – latinisiert aus Kong Fuzi, also Lehrmeister Kong – lebte vermutlich von 551 bis 479 vor Christus und wurde unter seinem eigentlichen Namen Kong Qiu in der Stadt Qufu im chinesischen Staat Lu geboren, der heutigen Provinz Shandong, wo er auch starb. Er lebte und lehrte zur Zeit der Östlichen Zhou-Dynastie, einer Epoche politischer Fragmentierung und sozialer Unruhe in China, in der zahlreiche rivalisierende Fürsten um Macht stritten und die alten Ordnungen der Gesellschaft unter Druck gerieten.

Der Name Konfuzius trägt seine philosophische Botschaft bereits im Wortbau: Kǒng ist der Familienname – im Chinesischen dem Vornamen vorangestellt –, während Fūzǐ aus den Bestandteilen fū für erwachsener Mann und zǐ für Kind besteht und im Sinne von Lehrmeister oder Meister zu verstehen ist. Die europäische Latinisierung zu Confucius verdankt sich der Rolle des Lateinischen als universeller Bildungssprache bis weit in die Neuzeit. Die Familie Kǒng besteht in gerader Linie bis in die Gegenwart fort und dürfte damit eine der ältesten nachgewiesenen Familien der Welt sein; ein Nachfahre der 75. Generation lebt heute in Taiwan.

Über das Leben des Konfuzius berichtet ausführlich ein Kapitel in den historischen Annalen des Sima Qian, der Jahrhunderte später in der Han-Dynastie lebte und schrieb. Demnach stammten seine Vorfahren von den Königen der Shang-Dynastie ab, denen nach dem Sturz der Shang das Lehen von Song übertragen worden war. Die Familie verarmte jedoch mit der Zeit. Bereits in früher Kindheit verlor Konfuzius seinen Vater und wurde als Halbwaise von seiner Mutter allein aufgezogen – ein prägendes Schicksal, das ihn früh mit den Nöten der einfachen Menschen vertraut machte.

Mit neunzehn Jahren heiratete Konfuzius und trat in den Dienst des Staates Lu ein. In bescheidenen Verwaltungspositionen begann er, sich mit den Fragen der Staatsordnung, der Moral und der menschlichen Gesellschaft zu beschäftigen. Mit fünfzig Jahren soll es ihm schließlich gelungen sein, einen Ministerposten zu erlangen. Diesen gab er jedoch bereits wenige Jahre später enttäuscht auf, wohl weil seine Reformen auf politischen Widerstand stießen. Anschließend zog er mit seinen Schülern auf ausgedehnte Wanderungen durch die verschiedenen Fürstentümer Chinas, überall Gehör und die Möglichkeit suchend, seine Ideen in die Praxis umzusetzen.

Das zentrale Thema seiner Lehren war die menschliche Ordnung. Konfuzius war überzeugt, dass eine geordnete, friedliche Gesellschaft erreichbar sei, wenn die Menschen einander mit Achtung begegnen und die Vorfahren in Ehren halten. Das höchste Ideal verkörperte für ihn der Jūnzĭ – der Edle –, ein Mensch von moralischer Güte und persönlicher Integrität. Den Angelpunkt der Tugend sah er in der Übereinstimmung des persönlichen Handelns mit der universellen Ordnung: „Harmonie und Mitte, Gleichmut und Ausgeglichenheit" galten ihm als die erstrebenswertesten Ziele. Den Weg dorthin wies er vor allem durch Bildung.

Die Lehre des Konfuzius betonte die fünf grundlegenden menschlichen Beziehungen: zwischen Herrscher und Untertan, Vater und Sohn, Ehemann und Ehefrau, älterem und jüngerem Bruder sowie zwischen Freunden. Jede dieser Beziehungen war durch spezifische Pflichten und Tugenden geprägt. Aus diesem System erwuchs eine Ethik der Gegenseitigkeit, die nicht auf Befehl und Gehorsam, sondern auf wechselseitiger Verantwortung beruhte. Der Satz, den spätere Kommentatoren als die Goldene Regel des Konfuzius fassen: Was du selbst nicht wünschst, tue dem anderen nicht an – durchzieht sein Denken wie ein roter Faden.

Die Schüler des Konfuzius sammelten seine Aussprüche und Gespräche in dem Werk Lùnyǔ, das als Analekten des Konfuzius bekannt ist und zu den bedeutendsten philosophischen Texten der Weltliteratur zählt. Im Lùnyǔ bezeichnet sich Konfuzius meist mit seinem Vornamen Qiū – eine Bescheidenheit, die seinen Charakter spiegelt. Allerdings betonte er auch, kein Erfinder neuer Ideen zu sein, sondern ein Bewahrer und Übermittler alter Weisheit.

Nach dem Tod des Konfuzius im Jahr 479 vor Christus verbreitete sich seine Lehre über China hinaus. In der Han-Dynastie, ab dem 2. Jahrhundert vor Christus, wurde der Konfuzianismus zur Staatsideologie erhoben und blieb es für mehr als zweitausend Jahre. Prüfungen für den Staatsdienst basierten auf den konfuzianischen Klassikern; die gesellschaftliche Ordnung Chinas und weiter Teile Ostasiens wurde durch konfuzianische Werte geprägt. Noch heute sind seine Lehren in Japan, Korea, Vietnam und Taiwan lebendig.

Am tempelartigen Anwesen in Qufu pflegt die Familie Kǒng ihren eigenen Friedhof, auf dem bis heute nachweisliche Familienangehörige beerdigt werden. Eine Familie Kǒng in Qufu führt ihren Stammbaum ebenfalls auf den großen Philosophen zurück. Konfuzius selbst hätte in dieser Kontinuität wohl die Bestätigung seiner Grundüberzeugung gesehen: dass Achtung, Erinnerung und die Pflege menschlicher Bindungen über die Zeit hinaus das Fundament jeder geordneten Gesellschaft bilden.

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