biografias

Sylvanus Olympio

Togoischer Politiker

5 min01/01/2024
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Sylvanus Olympio war der erste Staatspräsident des unabhängigen Togos und eine der prägendsten Persönlichkeiten des westafrikanischen Unabhängigkeitskampfes der Nachkriegszeit. Sein Leben und sein gewaltsamer Tod stehen exemplarisch für die Hoffnungen und Tragödien, die viele afrikanische Nationen in den ersten Jahren ihrer Souveränität erlebten.

Als Sohn einer afro-brasilianischen Familie, die zur schwarzen Elite im französischen Westafrika gehörte, wurde Sylvanus Épiphanio Olympio am 6. September 1902 in Lomé geboren. Die kosmopolitische Herkunft seiner Familie öffnete ihm Türen, die vielen seiner Zeitgenossen verschlossen blieben. Nach seiner Jugend in Lomé studierte er in England und schloss 1926 an der London School of Economics als Bachelor in Commerce ab – eine für die damalige Zeit außergewöhnliche akademische Ausbildung für einen Mann aus der Kolonie.

Nach seinem Studium trat er in den Dienst der United Africa Company, einer Tochtergesellschaft des britischen Konzerns Unilever und damals größtem Einzelunternehmen Westafrikas. Ab 1929 arbeitete er in der togoischen Niederlassung des Unternehmens und stieg bis 1938 zum Generalmanager für Togo auf. Diese kaufmännische Laufbahn schärfte seinen Blick für wirtschaftliche Zusammenhänge und brachte ihm Respekt in Geschäftskreisen weit über Togo hinaus.

Doch Olympios Horizont war stets über das Kommerzielle hinausgegangen. Der Zweite Weltkrieg und das Vichy-Regime in Frankreich führten zu seiner vorübergehenden Verhaftung im Jahr 1942 in Djougou, im Norden des heutigen Benin: Er stand unter dem Verdacht, als Gaullist Widerstand gegen das kollaborationistische Regime zu betreiben. Noch während des Krieges engagierte er sich als Mitgründer und Vizepräsident der nationalistischen Partei Comité de l'unité togolaise, kurz CUT, die der Bevölkerungsgruppe der Ewe im südlichen Togo eine politische Stimme gab und als Reaktion auf die Gefahr einer politischen Infiltration durch das nationalsozialistische Deutschland entstanden war.

1946 wurde Olympio zum Vorsitzenden der Territorialversammlung von Französisch-Togo gewählt. In den folgenden Jahren geriet er zunehmend in Konflikt mit der französischen Kolonialregierung, da er sich leidenschaftlich für das Selbstbestimmungsrecht der Kolonien einsetzte. 1951 wurde er von Unilever nach Frankreich versetzt, legte aber nach einer Niederlage seiner Partei bei den Wahlen desselben Jahres diese Tätigkeit nieder. Die Wahlen von 1955 und das Referendum von 1956 boykottierte die CUT unter dem Vorwurf der Wahlmanipulation – gleichzeitig kämpfte Olympio vor den Vereinten Nationen für freie und faire Wahlen in Togo.

Diese Hartnäckigkeit trug Früchte: Die Wahlen vom 27. April 1958 brachten der CUT eine Mehrheit in der Territorialversammlung. Als Nachfolger von Nicolas Grunitzky übernahm Olympio am 16. Mai 1958 das Amt des Premierministers von Togo. Nach der Entlassung in die Unabhängigkeit am 27. April 1960 wurde er zum ersten Staatspräsidenten der Republik Togo ernannt. Bis zum 12. April 1961 behielt er zusätzlich das Amt des Ministerpräsidenten.

Olympios Präsidentschaft war von äußeren Bedrohungen überschattet. Ghanas Präsident Kwame Nkrumah deutete wiederholt an, das restliche Togo solle als siebte Provinz an Ghana fallen – ein Anspruch, der sich auf die Volksabstimmung von 1956 stützte, in deren Folge ein Teil des ehemaligen deutschen Schutzgebietes Togoland bereits an Ghana angegliedert worden war. Die gegenseitige Unterstützung von Oppositionspolitikern über Grenzen hinweg heizte die Spannungen weiter an. Auf dem Höhepunkt der Krise wurden die Grenzübergänge zwischen beiden Staaten geschlossen, und nur massiver Druck der Monrovia-Gruppe auf Ghana verhinderte einen bewaffneten Konflikt.

Im Inneren wuchs die Unzufriedenheit. Olympio wurde vorgeworfen, die südlichen Bevölkerungsgruppen zu bevorzugen. Besonders brisant wurde die Lage durch die Rückkehr von 676 Söldnern aus dem Algerienkrieg, die aus der französischen Armee entlassen worden waren. Diese Männer, hauptsächlich aus der nördlichen Bevölkerungsgruppe der Kabiyé, forderten eine Aufnahme in die togoische Armee. Olympio verweigerte dies angesichts knapper Staatsmittel und im Vertrauen auf eine versprochene UN-Intervention im Falle einer Auseinandersetzung mit Ghana.

Bereits im Mai und Dezember 1961 sowie im Januar 1962 hatte Olympio drei Attentatsversuche überlebt. Am Morgen des 13. Januar 1963 jedoch, genau an dem Ort, an dem er geboren worden war – in Lomé – endete sein Leben durch einen Staatsstreich. Sylvanus Olympio wurde an seinem Geburtstag erschossen, in derselben Stadt, der er sein politisches Leben gewidmet hatte. Er war 60 Jahre alt. Sein Tod gilt als einer der ersten Staatsstreiche im postkolonialen Afrika und als Warnung vor den Bruchlinien, die Unabhängigkeit allein nicht zu kitten vermag.

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