Im portugiesischen Leichtathletikleben der ausgehenden 1990er und frühen 2000er Jahre strahlte der Name Susana Feitor als ein Sinnbild für außergewöhnliche Ausdauer und Beharrlichkeit. Geboren am 28. Januar 1975 in Alcobertas, Portugal, wurde sie zur erfolgreichsten Geherinnen ihrer Generation und hinterließ eine Karriere, die in der Geschichte der Weltmeisterschaften ihresgleichen sucht.
Das Gehen über lange Distanzen ist eine technisch anspruchsvolle Disziplin, die neben körperlicher Kondition auch eine präzise Bewegungskontrolle erfordert. Der Athlet muss stets Bodenkontakt halten und das vorauseilende Bein in der Kniestreckung durchstrecken. Diese strengen Regeln machen die Disziplin zu einer eigenen Kunst, die intensives Training und jahrelange Erfahrung verlangt. Susana Feitor brachte genau jene Kombination aus Talent und eisernem Willen mit, die in einer solchen Disziplin zum Erfolg führt.
Ihren ersten großen internationalen Erfolg feierte Feitor bei den Europameisterschaften 1998, als sie über 10 Kilometer Gehen in einer Zeit von 42:55 Minuten die Bronzemedaille gewann. Dieser dritte Platz war ein klares Signal dafür, dass Portugal in ihr eine Athletin besaß, mit der auf höchstem Niveau zu rechnen war. Im folgenden Jahr, bei den Weltmeisterschaften 1999, verbesserte sie sich auf die neue Standarddistanz von 20 Kilometern und belegte mit einer Zeit von 1:31:23 Stunden den vierten Platz. Ein vierter Platz bedeutete knapp verpasstes Edelmetall, doch er unterstrich ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze.
Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney trat Feitor auf der großen Bühne des Sports an und erreichte mit 1:33:53 Stunden den vierzehnten Platz. Olympia war und ist die härteste Konkurrenz überhaupt, und ein einstelliger Platz blieb ihr dort verwehrt. Dennoch ließ sie sich nicht beirren. Bereits 2002 bewies sie beim Weltcup erneut ihre Konstantbleibung an der Weltspitze mit dem vierzehnten Rang in 1:32:57 Stunden. Im Jahr 2003 lief sie beim Europacup in 1:29:08 Stunden auf Platz fünf und zeigte damit, wozu sie in Bestform imstande war.
Das Jahr 2005 brachte den Höhepunkt ihrer Laufbahn. Bei den Weltmeisterschaften in Helsinki setzte Feitor eine Reihe entschlossener Schritte auf die Tartanbahn und überquerte die Ziellinie in 1:28:44 Stunden. Diese Leistung reichte für die Bronzemedaille und war die schnellste Zeit ihrer internationalen Karriere über diese Distanz. Es war der Moment, auf den sie über ein Jahrzehnt des Trainings hingearbeitet hatte, und er markierte ihren größten Triumph auf der Weltbühne.
Nach diesem Gipfelerlebnis setzte Feitor ihre Karriere mit ungebrochener Regelmäßigkeit fort. Bei den Europameisterschaften 2006 belegte sie den vierzehnten Platz in 1:32:19 Stunden. Bei den Weltmeisterschaften 2007 erreichte sie erneut das obere Mittelfeld mit dem fünften Platz in 1:32:01 Stunden. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen war sie mit 1:32:47 Stunden auf Platz zwanzig gelaufen, und auch 2008 blieb sie präsent, als sie beim Weltcup in 1:29:38 Stunden den zehnten Platz belegte.
Die Weltmeisterschaften 2009 und 2011 zeigten eine Athletin, die trotz des fortschreitenden Alters noch immer zur Weltklasse zählte. In Berlin 2009 beendete sie den Wettkampf in 1:32:42 Stunden auf dem zehnten Platz, in Daegu 2011 erreichte sie in 1:31:26 Stunden den sechsten Rang. Beim Weltcup 2010 belegte sie mit 1:37:58 Stunden den sechzehnten Platz. Diese Konstanz über mehr als ein Jahrzehnt internationalen Wettkampfs war bemerkenswert.
In der Hallendisziplin zeigte Feitor ebenfalls beachtliche Leistungen. Am 3. Juni 2001 in Vila Real de Santo António lief sie die 3000 Meter Gehen in 12:08,30 Minuten, und nur wenige Wochen zuvor, am 9. Mai 2001 in Rio Maior, hatte sie die 5000 Meter Gehen in 20:40,24 Minuten absolviert.
Was Susana Feitors Karriere jedoch weit über normale Maßstäbe hinaushebt, ist die schiere Anzahl ihrer Weltmeisterschaftsteilnahmen. Mit insgesamt elf Starts bei Weltmeisterschaften hält sie den absoluten Rekord unter allen Leichtathleten der Welt. Kein Werfer, kein Sprinter, kein Springer hat diese Kontinuität auf der größten Bühne der Leichtathletik je erreicht. Dieser Rekord allein macht sie zu einer einzigartigen Persönlichkeit in der Geschichte des Sports, einer Athletin, die Jahr für Jahr ihre Bereitschaft unter Beweis stellte, sich den besten Geherinnen des Planeten zu stellen.