Unter den Kriegsschiffen Südamerikas war die São Paulo ein Monument vergangener Seestreitkraft, ein Stahl gewordenes Stück Geschichte, das von Frankreich nach Brasilien seinen Weg fand und am Ende seiner langen Reise nicht im Hafen, sondern auf dem Meeresgrund zur Ruhe kam. Das Schiff trug zwei Namen, diente zwei Nationen und war über Jahrzehnte hinweg ein Symbol sowohl militärischer Macht als auch politischer Unwägbarkeiten.
Das Schiff wurde am 15. November 1957 auf der Werft Chantiers de l'Atlantique in Saint-Nazaire auf Kiel gelegt und lief am 23. Juli 1960 vom Stapel. Als zweites Schiff seiner Klasse, der Clemenceau-Klasse, wurde es am 15. Juli 1963 als Foch in die französische Marine eingestellt. Der Name ehrte den Marschall Ferdinand Foch, den Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte am Ende des Ersten Weltkrieges, und das Schiff trug diesen Namen mit einer Bürde, die ihm buchstäblich in die Stahlhülle eingeschrieben war: In den 1960er Jahren wurde die Foch zur Sicherung des Luftraums während der ersten französischen Atomwaffenversuche im Mururoa-Atoll in Französisch-Polynesien eingesetzt. Das Schiff und seine Besatzung waren dabei erheblicher radioaktiver Strahlung ausgesetzt, ein Umstand, der später noch von Bedeutung werden sollte.
In den Folgejahrzehnten bewährte sich die Foch als vielseitiges Instrument der französischen Marineaußenpolitik. Von 1993 bis 1999 war der Träger über dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien im Einsatz, beteiligt an den Operationen Balbuzard, Salamandre und Trident. Er sicherte die am Boden kämpfenden französischen Einheiten aus der Luft und unterstützte Luftangriffe unter NATO-Kommando. Diese letzte Bewährungsprobe sollte zugleich der Abschluss seines Dienstes in französischen Diensten sein.
Im Jahr 2000, nach 37 Jahren in der französischen Marine, wurde das Schiff für zwölf Millionen US-Dollar an Brasilien verkauft, und zwar ohne die Flugzeuge, die es einst getragen hatte. Im November 2000 übernahm Brasilien den Träger. Nach einem Umbau erfolgte 2001 die offizielle Indienststellung unter dem neuen Namen São Paulo mit der Kennung A-12. Ursprünglich hatte Brasilien geplant, das Schiff als Ergänzung zum älteren Träger Minas Gerais einzusetzen, der seit 1956 im Dienst stand. Die angespannte Haushaltslage zwang die Marine jedoch zu einem Kompromiss: Mit der Indienststellung der São Paulo wurde die Minas Gerais außer Dienst gestellt. Fortan war die São Paulo der einzige Flugzeugträger Brasiliens und ganz Südamerikas.
Von Mai 2005 bis Anfang 2010 wurde das Schiff in Rio de Janeiro einer umfangreichen Überholung unterzogen. Antrieb und Katapulttechnik wurden erneuert, um den Betrieb für weitere Jahre zu sichern. Die São Paulo unterstützte im Laufe ihrer brasilianischen Dienstzeit Kampfflugzeuge des Typs AF-1, modifizierte Varianten der A-4M, sowie Grumman-Transport- und Tankflugzeuge des Typs C-1, zu AWACS-Versionen umgerüstete Grumman S-2, die auch in der U-Jagd eingesetzt wurden, und Sikorsky-UH-60-Hubschrauber. Als Flaggschiff der brasilianischen Marine war sie ein nationales Symbol militärischer Präsenz und technologischer Ambitionen.
Doch der alternde Träger bereitete der Marine anhaltend Sorgen. Das Schiff hatte wiederholt Wartungsprobleme und war nie länger als drei Monate hintereinander ohne Wartung oder Reparaturen im Einsatz. Nach der Außerdienststellung der indischen Viraat im Jahr 2016 war die São Paulo sogar der älteste aktive Flugzeugträger der Welt, ein zweifelhafter Rekord, der die Grenzen des Betriebs deutlich aufzeigte. Im Februar 2017 gab die brasilianische Marine bekannt, dass eine erneute Modernisierung zu kostspielig sei. Am 22. November 2018 wurde die São Paulo außer Dienst gestellt und durch das von Großbritannien erworbene Schiff Ocean ersetzt.
Mit der Außerdienststellung begann eine letzte, trübe Odyssee. Laut einer Vereinbarung mit Frankreich musste das Schiff an einem von der Europäischen Union genehmigten Ort verschrottet werden. Im März 2021 wurde der Träger für 10,55 Millionen Reais, was etwa 1,62 Millionen Euro entsprach, von der türkischen Werft Sök Denizcilik ersteigert. Private Enthusiasten und ehemalige Soldaten aus Frankreich und Brasilien, die sich im Instituto São Paulo/Foch zusammengeschlossen hatten, kämpften vergeblich darum, das Schiff als Museumsschiff zu erhalten.
Am 4. August 2022 verließ die São Paulo im Schlepp des niederländischen Schleppers Alp Centre den Hafen von Rio de Janeiro in Richtung Türkei. Doch der geplante Weg zur Werft in Aliağa war nicht geradlinig. An Bord befanden sich große Mengen Asbest sowie weiterer Giftmüll aus Jahrzehnten des Betriebs. In der Türkei regte sich Widerstand gegen die Einfahrt des belasteten Schiffes; Umweltverbände und Behörden wiesen auf die Gefährdung hin. Am 3. Februar 2023 wurde der Träger schließlich kontrolliert versenkt. Das Schiff, das als Foch begonnen und als São Paulo geendet hatte, liegt nun auf dem Meeresgrund, ein stählernes Denkmal zweier Marinen und einer längst vergangenen Ära der Trägerkampfverbände.
